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Die Finanzen im Gleichgewicht halten

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Von: Patrick Eickhoff

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Jacques Indemans und Evelyne Führer berichten von ihrer ehrenamtlichen Arbeit bei der Schuldnerberatung. eickhoff © Patrick Eickhoff

Etwa 40 bis 50 neue Klienten wenden sich jährlich an die ehrenamtliche Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Oft wissen sie nicht weiter, haben den Überblick über ihre finanzielle Situation verloren. Jacques Indemans und Evelyne Führer geben Einblicke in ihre Arbeit und geben Tipps, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen.

50 Euro fürs Fitnesstudio hier, 35 Euro für den Handyvertrag da, 30 Euro für Streaming-Dienste wie Netflix dort. Die Welt steckt voller Abo-Verträge. Nicht immer ist es dabei einfach, den Überblick zu behalten. Bei geregeltem Einkommen denkt jedoch kaum jemand daran, dass aus Verträgen schnell auch Verbindlichkeiten werden können. „Das geht schneller als man denkt“, sagt Jacques Indemans von der AWO-Schuldnerberatung Bad Vilbel.

Die ehrenamtliche Schuldnerberatung besteht bereits seit 2004 und bekam im Jahr 2017 vom Regierungspräsidenten in Darmstadt die Einstufung als anerkannte Schuldnerberatung.

Teamleiter Indemans warnt davor, leichtgläubig zu sein. Durch plötzliche Krankheit oder die Trennung vom Partner kann das finanzielle Gleichgewicht schnell ins Wackeln kommen. „Es wird schlicht und ergreifend unterschätzt“, sagt er. „Im Internet gibt es so viele Möglichkeiten zu bezahlen. Mal ein paar Monate später, dann gibt es Abos, die die ersten Monate weniger kosten und dann teurer werden. Dabei sollte man den Überblick behalten.“ Wer bei der Sprechstunde der Schuldnerberatung in Bad Vilbel oder Karben vorbeischaut, der hat eben jenen Überblick verloren. Die Klienten sind bunt gemischt. Ob Deutsch, anderer Nationalität, Jung oder Alt. Alle kommen mit demselben Problem: Schulden. „Es ist keine Schande“, sagt die stellvertretende Teamleiterin Evelyne Führer. Wer sich schnell Hilfe hole, habe bessere Chancen, seine Schulden in den Griff zu bekommen. Das Problem: „Die meisten kommen leider wenn’s schon fast zu spät ist.“

Oftmals komme die Person dann mit einem Berg ungeöffneter Briefe in die Sprechstunde. Evelyne Führer beschreibt: „Es wird versucht, die schlechten Nachrichten von sich wegzuschieben. Briefe werden nicht mehr geöffnet, um sich von der Schuldenlast nicht mehr erdrücken zu lassen.“ Dann gilt es für die zehn Ehrenamtlichen, sich im Gespräch erst mal einen Überblick über die finanzielle Situation zu machen. Welche Zahlungen stehen aus? Wie viel Schulden wurden angehäuft? Und die wohl wichtigste Frage: Besteht ein regelmäßiges Einkommen?

Wenn Letzteres der Fall ist, dann könne man für den Schuldner noch viel erreichen. „Es wird eine Kalkulation erstellt, auf welche Ausgaben verzichtet werden kann, beziehungsweise welche eventuell angepasst werden können.“ Das betreffe dann auch mal Urlaube. „Natürlich möchte niemand auf seinen Urlaub verzichten, wenn ich aber hohe Schulden habe, dann sollte das in Betracht gezogen werden“, erläutert Indemans, der seit 15 Jahren bei der Schuldnerberatung ist.

Die Ehrenamtlichen versuchen dann, nachdem sie sich einen Überblick über die Situation verschafft haben, ein Angebot zu erarbeiten, dass der Schuldner leisten kann und die Gläubiger akzeptieren. Dabei könne man unnötige Kosten wie Zinsen, Nebenkosten oder Gerichtskosten sparen. Indemans und Führer wissen, dass es viel Mut braucht, um zur Schuldnerberatung zu kommen. „Natürlich ist es nicht einfach, sich einzugestehen, dass man in Schwierigkeiten ist“, sagt der Teamleiter. „Doch wir finden Möglichkeiten.“ Pro Jahr kommen 40 bis 50 neue Klienten hinzu. „So ein Verfahren dauert auch oft zwei bis drei Jahre“, berichtet Jacques Indemans. In Zeiten von steigenden Energiepreisen, der Inflation und mehr Ausgaben rechnet er mit einer neuen Welle im Sommer. „Die meisten wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt. Viele Rechnungen kommen erst im Sommer und nicht direkt im Januar, gerade wenn es um Hausverwaltungen geht.“

Der Teamleiter hat auch einige Tipps, um gar nicht erst in diese Situation zu kommen. „Ein Haushaltsbuch kann ich jedem empfehlen.“ Dort solle man Einnahmen und Ausgaben pro Monat notieren. „Eine Versicherung, die nur einmal im Jahr bezahlt wird, soll auf die Monate aufgeteilt werden, damit sie als Ausgabe auftaucht.“ Wichtig sei, nur Geld auszugeben, dass man habe und nicht einen Vertrag nach dem anderen abzuschließen, den man dann später bezahle.

Die Sprechstunden finden in Bad Vilbel jeden 2. und 4. Mittwoch von 14 bis 15 Uhr im Haus der Begegnung sowie jeden 1. und 3. Montag im Monat von 14 bis 15 Uhr in Karben im Rathaus statt. Unter 01 76/51 00 79 04 ist ein Anrufbeantworter geschaltet. E-Mail- Kontakt: info@schuldnerberatung- badvilbel.de.

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