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Nach Ausbrüchen des Coronavirus in Bad Vilbeler und Frankfurter Pflegeheimen suchen die Betreiber noch die Eintrittspforte des Erregers. 

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Corona in Frankfurt und Bad Vilbel: Massiver Ausbruch in zwei Pflegeheimen

  • vonPatrick Eickhoff
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Trotz ausgeklügelter Vorsichtsmaßnahmen verbreitet sich das Virus in Frankfurter und Bad Vilbeler Seniorenzentren.

Nach Ausbrüchen des Coronavirus in Bad Vilbeler und Frankfurter Pflegeheimen suchen die Betreiber noch die Eintrittspforte des Erregers. „Wir können noch immer nicht nachvollziehen, wie das Virus in die Einrichtung gelangt ist“, sagt AWO-Sprecher Johannes Frass. Vergangene Woche wurde ein Coronaausbruch im Frankfurter Johanna-Kirchner-Altenhilfe-Zentrum bekannt. In zwei Wohnbereichen des Pflegheims im Gutleutviertel hatten sich in den vergangenen zwei Wochen insgesamt 65 Bewohner:innen und 31 Mitarbeiter:innen mit dem Coronavirus angesteckt.

Corona in Bad Vilbel: 26 Menschen positiv getestet

Im Bad Vilbeler AGO-Seniorenzentrum sind 26 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilt die Kreisverwaltung des Wetteraukreises am Montag mit. Bereits vergangene Woche hat es die ersten positiven Testergebnisse bei Senioren und Personal gegeben. Daraufhin wurde eine Reihentestung von insgesamt 160 Menschen veranlasst. Wie das Virus hineingekommen ist, ist bislang unklar. Der Betreibergesellschaft Alloheim Senioren-Residenzen SE nach, habe sich das Virus im Demenzbereich der Einrichtung verbreitet. Seitdem der erste Corona-Fall im Senioren-Zentrum bekannt geworden war, wurden in Ab- und Rücksprache mit den Behörden umfassende Isolations-, Schutz- und Hygiene-Maßnahmen – gemäß Richtlinien des Robert-Koch-Instituts und Vorgaben des unternehmenseigenen Pandemie-Handbuchs eingeleitet, erklärte eine Sprecherin. So werde das Essen nur noch auf den Zimmern ausgegeben und die Senioren dazu angehalten, dort zu bleiben. Dennoch sei die Eindämmung nicht immer leicht. „Wir möchten darauf hinweisen, dass insbesondere im Wohnbereich mit demenziell veränderten Menschen besondere Bedingungen bestehen“, betont die Sprecherin. „Deren Bewohner sind durch ihr Krankheitsbild kognitiv stark beeinträchtigt und zugleich mobil.“ Das mache die Eindämmung zu einer großen Herausforderung.

Corona in Bad Vilbel: Vier Bewohner bereits verstorben

Im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum wurde die Gefahr erkannt, als ein Senior wegen etwas anderem im Krankenhaus behandelt werden musste und dort routinemäßig getestet wurde. Eine Reihentestung in der Einrichtung wurde veranlasst und die Bewohner:innen in den betroffenen Wohnbereichen unter Quarantäne gestellt. „Viele verstehen das und können das nachvollziehen“, sagt Frass. Noch unklar sei, so Frass, wie das Virus in den zweiten Wohnbereich gelangt ist. Drei Senioren liegen im Krankenhaus. An dem Coronavirus verstorben seien, einer AWO-Pressemitteilung nach, vier Menschen, die im Pflegeheim gelebt haben.

Corona in Frankfurt: „Bisher hatten wir Glück“

„Bisher hatten wir Glück“, sagt Frédéric Lauscher, Vorstand des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe. In den sieben Pflegeheimen des Verbandes habe es zwar Fälle von positiv auf das Coronavirus getestetem Personal und Bewohner:innen gegeben, jedoch keinen Ausbruch. Die Schutzmaßnahmen würden helfen, böten aber „keine hundertprozentige Sicherheit“, so Lauscher.

Den Bewohnern habe man empfohlen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die meisten Bewohner:innen würden das auch tun. Schwierig sei es mit mobilen Demenzerkrankten, erklärt Lauscher. Die müssten teils rund um die Uhr betreut werden, damit sie nicht Gefahr liefen, das Coronavirus zu verbreiten. „Bis jetzt hat das geklappt, aber zusätzliche Pflegekräfte fallen ja nicht vom Himmel“, sagt er. Um das Infektionsrisiko durch Besucher zu senken, müssten diese eine in der Einrichtung ausgegebene Maske tragen.

Hoffen auf Corona-Schnelltests

Pflegepersonal, das bei seiner Arbeit die Abstandsregeln nicht einhalten kann, trage FFP-2-Schutzmasken, erklärt Lauscher. So verfahre man auch im Johanna-Kirchner-Altenpflegezentrum, sagt AWO-Sprecher Frass. Zusätzlich arbeite das Personal mit Infizierten in Einwegkitteln, ellenbogenlangen Handschuhen und Plastikvisieren.

Um mögliche Ansteckungen mit dem Coronavirus zu erkennen, werden die Bewohner:innen täglich untersucht. Das umfasse Fieber- und Sauerstoffwert-Messung sowie die Abfrage typischer Symptome. Ansteckungen könnten allerdings zunächst auch symptomfrei verlaufen und dann zu einem Ausbruch wie im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum führen.

Um das in Zukunft zu vermeiden, hoffen Frass und Lauscher auch auf Corona-Schnelltests. „Je nachdem, wie viel wir testen können, ist das mindestens besser als nichts“, sagt Lauscher, „realistisch können wir Mitte dieses Monats damit anfangen“.

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