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Probe zur Oper „Aschenputtel“ für die Burgfestspiele.

Burgfestspiele

Bad Vilbel: „Aschenputtel“ bunt bis schrill inszeniert

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„Aschenputtel“ wird bei den Burgfestspielen als turbulente Rossini-Oper für ein junges Publikum inszeniert. 

Es werden keine Fersen abhackt oder Augen ausgepickt. Gioacchino Rossinis „Aschenputtel“ ist eben nicht die schaurige Version der Brüder Grimm. Alles findet bei dem italienischen Komponisten ein gutes und verzeihendes Ende. Und darum kommt die Opernfassung des Märchens als überarbeitete Wiederaufnahme nach 2013 in der Reihe „Theater für Kinder“ bei den diesjährigen Burgfestspielen auf die Bühne. Für reichlich Tempo und Frische in dem Stück sorgen Rossinis Musik und das junge Ensemble. Es sind allesamt Studierende an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Der Spaß an der Inszenierung einer Oper für junges Publikum ab fünf Jahren beginnt für Regisseur Benedikt Borrmann bereits beim Bühnen- und Kostümbild, beides von Anja Müller entworfen. „Es wird sehr bunt bis schrill, manchmal auch haarscharf am guten Geschmack vorbei“, sagt Borrmann gestern bei der Vorstellung der Produktion. Auf Entwürfen zeigt Müller, wie die fiesen Töchter Clorinda und Tisbe und ihr Vater Don Magnifico – die herzlose Stiefmutter gibt es bei Rossini nicht – aussehen werden: mit entsetzlich roten Haaren und Kleidung, deren Farbe sich mit dem Rot beißt. Beim Äußeren des Prinzen soll die klassische Ausstattung die Sympathie beim Publikum herstellen. „Der wird aussehen wie der De-Beukelaer Prinz“, sagt Müller.

Die Inszenierung wird den Sehgewohnheiten der vorwiegend jungen Zuschauer Rechnung tragen. Die Bühne ist für einen turbulenten Handlungsablauf konzipiert, ähnlich einer Klipp-Klapp-Komödie mit einigen Türen, durch die nicht nur die Protagonisten flott zwischen vor und hinter den Kulissen wechseln, sondern die auch zu einer schnellen Wandlung des Bühnenbilds beitragen. Das Zentrum der Bühne steht auf einer Drehscheibe, um den Szenenwechsel zügig zwischen dem Wohnzimmer der Magnificos und dem Ballsaal des Schlosses herzustellen. In der Vilbeler Fassung tritt jedoch eine „ordnende Fee“ auf, eine Art Erzählerin.

Markus Höller, der für die Musikalische Leitung zuständig ist, hat bei den in Deutsch gesungenen Arien und bei den Quartetten, in denen oft verschiedene Texte durcheinander gesungen werden, keine Vereinfachungen vorgenommen. Worunter bisweilen die Verständlichkeit leidet. Doch manche Arie wurde etwas gekürzt, auch aus der Erfahrung mit früheren Opern für Kinder. Bei der Zauberflöte hatten die Kinder bei langen Gesang abgeschaltet, sagt Höller. Kinder seien ein ehrliches Publikum, Lob und Kritik komme auch oftmals in Form von gemalten Bilder und werde ernst genommen. Das Orchester aus Piano, Flöte, Violine, Fagott und Mandoline „steht diesmal mehr im Mittelpunkt“. So wird die auf drei Minuten gestraffte Overtüre auf der Bühne gespielt, bevor es dann in das „Musikerhäuschen“ neben der Spielfläche geht. „Kinder sind sehr interessiert daran, wie die Musik entsteht“, sagt Höller.

Aschenputtel - Die Oper

Aschenputtel (La Cenerentola) von Gioacchino Rossini hatte 1817 Uraufführung. Die Geschichte vom Aschenputtel schrieb der französische Märchensammler Charles Perraults auf.

Premiere der Oper in Bad Vilbel ist am 5. Mai, sie wird bis 8. September aufgeführt. Besuche von Schülern werden vom Sozialfonds der Festspiele gefördert.

Zu den Kinderstücken gibt es Vorbereitungskurse in Kitas und Schulen, Anmeldung unter Telefon 06101 / 407 641 6. www.kultur-bad-vilbel.de

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