1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau
  4. Bad Vilbel

Besonders beliebt ist „Wingert“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Detlef Sundermann

Kommentare

Steffina Hofmann (links) und Martina Pötz servieren im Bistro.
Steffina Hofmann (links) und Martina Pötz servieren im Bistro. © Rolf Oeser

Steffina Hofmann und Martina Pötz decken regelmäßig im Vilbeler Haus der Begegnung den Frühstückstisch - ehrenamtlich. Warum sie das machen? FR-Mitarbeiter Detlef Sundermann hat sich zu ihnen gesetzt und sie nach ihrem Engagement gefragt.

„So’n Frühstück kriegt man doch leicht hin“, sagt Steffina Hofmann und lacht. Sie und Martina Pötz bilden dienstags vormittags das Bistroteam im Haus der Begegnung (HdB). Ehrenamtlich, wie die anderen Helfer im Bistro an den übrigen Wochentagen. Um 8.30 Uhr geht es für Hofmann und Pötz los: Werbeständer an die Straße stellen, Brötchen beim Bäcker nebenan einkaufen und die Kaffeemaschine für ihren mehrstündigen Einsatz klar machen.

Um 9 Uhr kommen die ersten Gäste, berichtet das gut gelaunte Duo. Und dann wird nicht nur mal eben das goldbraune Backwerk aufgeschnitten, mit Butter beschmiert und mit Wurst oder Käse belegt. Die Namen der Frühstücke – „Nidda“ und „Wingert“ – stehen für Anspruch aus Rühreiern, Marmeladen und Schnittwaren. Das „Wingert“ mit Rührei, Speck, einem Brötchen und einer Tasse Kaffee oder Tee ist derzeit der Favorit bei den Gästen.

Vorbestückte Semmeln gibt es auch, aber „ausschließlich belegte Brötchen gab es nur am Anfang“, erzählt Martina Pötz. Das Angebot fand nicht so breiten Anklang. „Nach einem Brainstorming haben wir zwei Vollfrühstücke auf die Speisekarte gesetzt“, sagt Steffina Hofmann. Seitdem läuft es zufriedenstellend. Zwischen zehn und fünfzehn Kunden kommen am Vormittag.

Ein wenig versteckt, da oben

Allerdings bleibt noch reichlich Potenzial für mehr Gäste. „Viele Menschen, die das Angebot unten auf der Straße lesen, wissen nicht, wie toll und modern das Bistro eingerichtet ist“, erklärt Hofmann. Seine Lage im ersten Stock sei eben nicht günstig, um die Passanten bei einem kurzen Blick durch die Fenster zu überzeugen.

Von Armenspeisung ist im Bistro trotz des christlich anmutendem Namens, Haus der Begegnung, nichts zu merken. Der günstige Preis von 3,50 bis 4 Euro für ein Frühstück mit Kaffee soll allen Menschen in der Stadt den Besuch ermöglichen. Es gehe in erster Linie nicht um die Verköstigung der Bürger, sondern darum, über das Essen einen gesellschaftlichen Treffpunkt zu bieten, aus dem ein mögliches Miteinander etwa in Interessengruppen entsteht, sagt Hofmann. Aus diesem Grund habe sie sich für das Ehrenamt beworben.

„Nur in der Küche stehen wie in einem Lokal, das wäre nichts für mich“, sagt sie. Sich mit den Leuten zu unterhalten und Freiheiten zu besitzen, das ist für sie wichtig, und darin pflichtet sie ihrer Kollegin aus Karben bei. „Ein Ehrenamt hätte ich auch in meiner Stadt finden können, aber eben nicht ein solches“, sagt Martina Pötz, die Mutter einer jungen Tochter ist, mit Stolz in der Stimme. Nicht nur nebenbei schwärmt sie von der „professionellen Ausstattung“ der Küche. Für Steffina Hofmann stand früh fest: Mit dem Eintritt in die Rentnerphase kommt ein Ruhestand nicht in Frage. Die ehemalige Mitarbeiterin einer Frankfurter PR-Agentur für Sport hat sich auch an der Frankfurter Universität für das dritte Lebensalter eingeschrieben. Dort arbeitet sie im Rahmen eines Seminars an einem Forschungsprojekt.

Für den Frühstücksdienst im HdB hatte sich Steffina Hofmann sich sehr früh gemeldet. „Hier war noch vieles Baustelle“, erinnert sie sich. Ein Ehrenamt nur um beschäftigt zu sein, das wollte Hofmann nicht. „Ich habe schon einen Anspruch, der sich nicht nur auf einen guten Zustand der Örtlichkeit richtet“, sagt sie: „Das Ehrenamt muss für mich auch ein Stück Selbstbestimmung enthalten.“

Auch interessant

Kommentare