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Baustelle statt Bühne

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Die Festspielstätte im Innenhof hat sich in eine große Baustelle verwandelt. Schenk (2) © Jürgen Schenk

Kaum waren die diesjährigen Bad Vilbeler Burgfestspiele Geschichte, nahmen Bagger die altehrwürdige Wasserburg in Besitz. Am Samstag hatte die Stadt zu einem öffentlichen „Baustellenrundgang“ eingeladen.

Der Fahrplan für die Sanierungsmaßnahmen an der Innen- und Außenanlage ist straff getaktet: Bis Ende des Jahres soll das neue Tribünendach fertig sein, die Arbeiten am Burggraben und an der Pallasmauer bis zum Frühjahr 2023. Zweifellos ist das ein ambitioniertes Projekt, bei dem nicht viel dazwischen kommen darf. „Ein bisschen Bauchgrummeln“ hinterlässt die Zielsetzung auch bei Festspielintendant und Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann, wie er zugibt. Denn natürlich steht der Gedanke an die kommende Festspielsaison in der Wasserburg bei allen Planungen immer an oberster Stelle.

Im ehemaligen Weinkeller der Burg sind derzeit Pläne ausgestellt, die Aufschluss über die laufenden Maßnahmen geben. Kunzmann erklärte beim Rundgang, an dem auch Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) teilnahm, die ziemlich komplex wirkenden Zusammenhänge. „Komplex“ war auch der Begriff, den er selbst am häufigsten benutzte. Die Erneuerung des in die Jahre gekommenen Bühnendaches werde am Charakter der Freilichtveranstaltung nichts verändern. „Das Dach bleibt an derselben Stelle“, kündigte der Intendant an. „Die Konstruktion wird vom Unterboden aus auf mehreren Betonsäulen stehen, oberhalb dienen frei stehende Stahlträger zur Abstützung.“ Am Dach werde eine Dämmung angebracht, um störende Nebengeräusche für die Gäste zu reduzieren. Außerdem wolle man den bisherigen Schallschutz durch eine Schallschutzwand erneuern und entsprechend an die Bühne anpassen. Einer vollständigen Verschattung von Bühne und Zuschauerbereich zum Schutz vor Hitze oder Regen erteilte Kunzmann eine Absage. „Das ist wegen der baulichen Gegebenheiten nicht möglich“, sagte er. Die Burg habe zwar vieles zu bieten, aber keine rechten Winkel.

Die zweite große Sanierungsmaßnahme betrifft den Burggraben. Hier geht es darum, dem weiteren Absacken der Ufer- böschung und damit auch dem Absacken des Gebäudes entgegenzuwirken. Umweltgerechte Xylit- und Steinwalzen werden dazu im Uferbereich pyramidenartig aufeinandergestapelt und anschließend mit Erde verfüllt. Im Ergebnis soll die daraus entstehende Fläche wie ein Stabilisator wirken.

Im Moment sind vom Wasser des Burggrabens nur noch Pfützen übriggeblieben. Im Graben befinden sich jetzt Baumaschinen, jede Menge Schlamm und Glasflaschen, die zum größten Teil einige Jahrzehnte alt sind. Nach Kunzmanns Angaben stammen sie aus der Blütezeit der Vilbeler Mineralbrunnen und wurden nach ihrer Leerung im Wassergraben versenkt.

Der Schlamm wiederum ist ein Nebenprodukt des Niddazulaufs und stellt ein weiteres Problem dar. Um den Schlamm künftig zu reduzieren, wird über eine zeitliche Begrenzung der Wasseranbindung nachgedacht. Die Sanierung des Mauerwerks betrifft hauptsächlich einzelne Stellen auf dem Wehrgang. Dieser Bereich der Burg, der während der Theatersaison auch zur Schauspielerei genutzt wird, ist baugeschichtlich von großem Interesse.

Im Detail geht es bei der Sanierung der Wasserburg immer auch um die Wahl der richtigen Steine und des richtigen Mörtels. „Die Steine kommen aus einem speziellen Steinbruch, weil sie zur komplexen Farbgebung des Gemäuers passen sollen“, erläuterte Kunzmann.

Zahlen machen den Umfang des Sanierungspaketes deutlich: 100 000 Euro fließen in die Erneuerung der Mauern, 450 000 Euro kostet der Burgraben und die neue Bühnenüberdachung schlägt mit 1,1 Millionen Euro zu Buche. Mit einem Puffer eingerechnet betragen die Gesamtkosten des Projekts 1,8 Millionen Euro. 400 000 Euro steuert das Land Hessen bei, den Rest zahlt die Stadt.

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Claus-Günther Kunzmann (r) erklärt die Pläne. Bürgermeister Sebastian Wysocki (l.) und weitere Interessierte hören zu. © Jürgen Schenk

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