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Auch Biohöfe spüren die Krise

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Von: Holger Pegelow

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Dottenfelderhofladen-Geschäftsführer Peter Hollerbach im Obst- und Gemüsebereich, der von den Umsatzrückgängen 2022 wenig bis gar nicht betroffen ist. Pegelow (2) © Holger Pegelow

Hohe Energiepreise, Inflation, Corona und Ukraine-Krieg - die Krisen drücken auf die Kauflaune der Verbraucher. Wenn Heizen immer teurer wird, muss oft an den Lebensmitteln gespart werden. Experten sehen deshalb die hochpreisige Biobranche in der Krise. Aber ist das tatsächlich so? Wie sieht es in der südlichen Wetterau aus?

Vor dem Eingang zum Laden des Dottenfelder Hofes liegen Rosenkohlpflanzen mit den Röschen dran in einem Einkaufsstand. Ganz billig ist eine solche Pflanze nicht. Von der können die Verbraucher die runden grünen Kohlköpfchen direkt ernten und dann verarbeiten. Kein Kunststoffsack voller Rosenköhlchen, sondern eher ein naturnahes Vergnügen, bei dem jeder und jede sehen kann, wie eine Rosenkohlpflanze eigentlich aussieht. „Das verkauft sich gut“, weiß der Geschäftsführer des Dottenfelderhofladens, Peter Hollerbach, zu berichten. Das liege daran, „dass die Leute hier weniger preissensibel sind und mehr auf Qualität achten“. Könnte es also sein, dass der Hofladen in Bad Vilbel nicht unter der Kaufzurückhaltung der Menschen angesichts der Krisen und der dadurch gedrückten Kauflaune leidet? „Doch, wir merken das auch“, sagt Peter Hollerbach, auf das Jahr 2022 blickend. Man habe einen Umsatzrückgang von rund zehn Prozent und auch spürbar weniger Kundinnen und Kunden.

Dabei fällt das Minus in verschiedenen Bereichen aber unterschiedlich aus. Vor allem beim Fleisch verzeichne man deutlichere Rückgänge. Aber ob das allein an der Inflation und den damit gestiegenen Preisen an der Theke liege oder nicht auch am Trend zu Vegetarischem und Veganem, könne er nicht sagen. Erfreulich findet der Geschäftsführer, dass sich die Umsätze bei Obst und Gemüse gehalten hätten. Die Käuferinnen und Käufer achteten mehr auf die Qualität der frischen Waren als auf den Preis. Die Umsätze sowohl an der Käse-, als auch an der Bäckereitheke hätten sich durchschnittlich entwickelt.

Hollerbach spricht in diesen Zeiten vermehrt mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche, Man sei sich einig, dass die Preisspanne zwischen dem konventionellen und dem Biobereich noch niemals so gering gewesen sei wie aktuell. Denn die Preise der konventionell erzeugten Lebensmittel seien massiv gestiegen, und die Supermärkte hätten deutlich aufgeschlagen.

Bei zurückgehenden Umsätzen stellt sich natürlich die Frage nach den personellen Auswirkungen. Im Rahmen der normalen Fluktuation habe man insgesamt weniger Personal als im Jahr 2021, sagt Hollerbach. Aktuell sind im Laden 50 Personen beschäftigt, in den Marktwagen weitere 15 und im Café zehn.

Und wie will der Dottenfelderhof den steigenden Energiepreisen trotzen? Der Geschäftsführer sagt dazu, dass man mit einer Gastherme und mit Holzscheiten heize. Der Ofen der Bäckerei werde mit Holz beheizt. Aktuell arbeite man an einem neuen Energiekonzept für den gesamten Hof. „Wir planen auch eine Maschinenhalle, auf deren Dach dann eine Solaranlage installiert werden soll.“

Auch beim Biolandhof Mager in Karben wirkt sich die Kaufzurückhaltung aus. „Ja, wir haben auch zurückgehende Nachfrage, wie die anderen auch“, sagt Landwirt Sebastian Mager, der dafür eine einfache Erklärung hat: „Teure Lebensmittel lassen sich eher ersetzen. Bevor jemand mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, nimmt er lieber Bioeier aus dem Supermarkt oder aus konventionellem Anbau.“ Der Sprit für das Auto sei nicht ersetzbar. Mager beziffert den Umsatzrückgang auf rund 20 Prozent. Die Magers betreiben in Klein-Karben einen Hofladen und beliefern Supermärkte in der Umgebung entweder direkt oder über einen Großhändler, vor allem mit Kartoffeln und Eiern. Auch die Menge an verkauften Magerschen Bioland-Kartoffeln in den Supermärkten sei zurückgegangen.

Dass der Hof dennoch gut der aktuellen Krisensituation trotzen kann, führt Mager auf die „SoLaWi“ zurück. Das ist das Kürzel für solidarische Landwirtschaft. Das Modell sei 2021 aus der Überlegung heraus eingeführt worden, nicht mehr von Lieferketten abhängig zu sein und ökologischer zu wirtschaften. Dabei finanziere eine Gruppe von Menschen den Gemüseanbau des Hofes. „Der Einzelne zahlt einen festen Betrag und bekommt dafür übers Jahr verteilt verschiedene Gemüse.“ Es gebe jeweils einen kleinen und einen großen Anteil: Der kleine sei für diejenigen, die zwei- bis dreimal pro Woche kochen, der große für diejenigen, die fünf- bis sechsmal pro Woche kochen. Dienstags erhalten die Mitglieder der „SoLaWi“ eine Liste mit den Gemüsesorten, die sie sich donnerstags nachmittags im Hofladen abholen können. „Das spart Vertriebswege und obendrein bringen die Leute noch ihre eigene Verpackung mit.“ Seit Mai vergangenen Jahres würden sich 62 Haushalte aus Karben, Schöneck und Bad Vilbel beteiligen.

Zudem hat der Hofladen seine Öffnungszeiten verändert: An drei Tagen pro Woche ist jetzt von 8 bis 20 Uhr durchgehend das Einkaufen möglich. „Damit wir personell aber gut hinkommen, mussten wir den Montag opfern“, sagt Mager.

Im Frühjahr will er dann sein offensichtlich gut laufendes SoLaWi-Modell auch auf Hühner ausweiten.

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Sebastian Mager hat, wie andere auch, Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Dennoch weitet er seine Öffnungszeiten im Hofladen aus. © Holger Pegelow

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