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Hoffentlich mit Prüfung und Schein: Angler am Main bei Offenbach

Wetterau

Angeln will gelernt sein

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Fischereiberater Harald Steiper fordert von der Landesregierung eine Reform der Sportfischerprüfung.

Nach 30 Stunden Lehrgang und einer Prüfung den Anglerschein zu bekommen, dass soll es nach dem Willen von Harald Steiper nicht mehr geben - vor allem nicht für Jugendliche. Der Mann aus Ortenberg (Wetteraukreis) ist nicht nur Petrijünger, sondern auch seit fast 20 Jahren Ausbilder, Fischereiaufseher und -berater im Kreisgebiet. Und auch letzt genanntes Ehrenamt möchte er in der Reformwerkbank der Landesregierung sehen. Der zuständigen hessischen Umweltministerium Priska Hinz (Grüne) hat er nun seine Forderungen zukommen lassen, unterstützt bereits von der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch (SPD).

„Die Ausbildung zum Fischereischein ist in Hessen zu lasch“, sagt Steiper. Die Mindeststundenzahl bis zur Prüfung lesen sich auf dem Papier gut, die Wirklichkeit sehe anders aus. „Am ersten Abend werden die Formalitäten und das Lehrgangsprogramm erörtert, dann sind schon zwei der 30 Stunden weg“, sagt Steiper. „In meinen Lehrgängen ist kein Teilnehmer unter 60 Stunden in die Prüfung gegangenen“, sagt er. Gesetzes- und Gewässerkunde sowie Tierschutz verlangten heute viel Wissen für ein fachgerechtes Angeln.

Viel zu kurz komme der praktische Ausbildungsteil, der den Umgang mit dem Angelgeräten und den Fischen zum Inhalt hat. Besonders für letzteres werde zu wenig Zeit eingeräumt. „In den seltensten Fälle üben die Teilnehmer das waidgerechte Töten eines Fisches.“ Der Aufwand sei oft zu groß, denn bei etwa 30 Teilnehmern in einem Kurs müssten mindestens 60 Fische herhalten, um den betäubenden Schlag auf das Nachhirn und den sofortigen tödlichen Stich ins Herz unter Anleitung zu praktizieren. Vor allem beim Anglernachwuchs uner 18 Jahren müsse dieser Lehrgangsteil stärkere Beachtung finden, fordert Steiper. „Da gehen Strafunmündige mit einem schmerzempfindlichen Wirbeltier um, für das das Tierschutzgesetz gilt!“

Vom ASV Bad Vilbel heißt es auf Anfrage: „Die derzeitige Regelung ist ausreichend.“ Bei den Angelfreunden Groß-Karben sieht Vorstandschef Frank Säuberling weniger Nachholbedarf bei der Theorie, die vor Jahren um 60 auf 360 Fragen erweitert worden sei, sondern in der Praxis. Darunter falle ebenso das Filetieren für den späteren Verzehr oder dasa auch mal ein Tag an einem Gewässer verbracht wird. „Dazu fehlt den Lehrgangsleitern aber die Zeit“, so Säuberling.

Offenbar ist das richtige Schlachten eines Fisches nicht nur eine Frage des Alters oder der Erfahrung eines Anglers. Das Fachblatt „Blinker“ berichtet im März, „Heringsangler müssen sich in der nächsten Zeit auf verstärkte Kontrollen in Mecklenburg-Vorpommern durch die Behörden einstellen“. Der Artikel liefert auch gleich die Anleitung zum Töten mit, die eigentlich jeder geprüfte Angler intus haben sollte.

Shitstorms sind nicht unbekannt

Einen hohen Stellenwert komme der Sportfischerausbildung zu, weil sie die Grundlage für den Fischereiaufseher sei, so Steiper. Die rund zwei Dutzend „ehrenamtlichen Hilfsbeamten“ im Wetteraukreis passen auf, dass mit der Rute nicht gewildert wird und kontrollieren den Fischbesatz, der zum Gewässer passen muss. Eine Regenbogenforelle etwa sei oft billiger für die Vereine. Der Fisch könne sich, anders als die Bachforelle. in hiesigen Gewässern jedoch nicht reproduzieren, so Steiper. Die Fischaufsicht hat zudem einen Blick darauf, dass richtig geangelt wird oder greift ein, wenn ein Fischsterben droht.

Konflikte mit den betroffenen Vereinen blieben nicht aus. Pöbeleien oder Shitstorms in den so genannten sozialen Medien sind Steiper nicht unbekannt. „Es besteht ein großes Spannungsfeld.“ Nicht zuletzt deshalb, weil die örtlichen Fischereiaufseher in der Regel auf Vorschlag der Vereine berufen werden. Der Aufseher kontrolliere dann den eigenen Verein. „Dies muss sich ändern. Für dieses Amt ist ein Ortsfremder einzusetzen“, erklärt Steiper in seinem Brief an Umweltministerin Hinz.

In den Schreiben verlangt er zugleich mehr Fortbildung für die Fischereiaufseher. Alle fünf Jahre vier Stunden, um über die aktuelle Gesetzeslage informiert zu werden, das reiche nicht. „Die Fischereiaufsicht ist hoch kompliziert und vergleichbar mit der Jagd“, sagt Steiger.

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