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Noch am Boden, das Kinderkarussell „Aladin“.

Bad Vilbel

199. Vilbeler Markt: Dosenwerfen zieht immer noch

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Das Traditionelle findet auf dem 199. Vilbeler Markt sein Publikum.

Die gellenden Schreie aus dem „Taumler“ vermischen sich mit der lärmigen, stampfenden Musik, eine schneidende Stimme fragt aus den gleichen Lautsprecherboxen: „Hehe, geht es noch?“ Eine Hupe dröhnt. Wieder bejahendes Gekreische aus der rotierenden und vertikal hüpfenden Scheibe mit dem mannshohen Geländer. Daran klammern sich Hände, um die von scheinbarer Schwerelosigkeit schwebenen Körper nicht davon fliegen zu lassen, wie es dem leichtsinnigen Robert im „Struwwelpeter“ passierte. Zurzeit ist das auf dem Festplatz alles Imagination, der 199. Vilbeler Markt startet erst am 17. August. Stille liegt daher noch über dem Gelände, dessen Kulisse auf der einen Seite das Begleitgrün des Nidda-Radweg und auf der anderen das Hassia-Gebäude mit haushohen Drucktanks bilden. In der Halle wird unentwegt Sprudel in Flaschen gefüllt. Der Festplatz mit den gepflasterten Fahrgassen und der geschottert Karrees dazwischen ist bereits mit etlichen Caravans belegt, manche dieser mobilen Wohnungen erreichen Dimensionen, die nur ein Lastwagen bewegen kann.

Einer der früh Angereisten ist Dominikus Horländer. Seine Heimatadresse lautet Dingolfing. Anders als seine Kollegen nimmt er nicht noch das Mainuferfest in Frankfurt mit. „Wir nutzen die knapp zwei Wochen, um hier in Ruhe aufzubauen“, sagte der Mann mit der stämmigen Statur. Für ihn und seine Frau ist es auch eine willkommene Pause, denn nach Bad Vilbel geht es nahtlos zum Bad Homburger Laternenfest und dann zu einem Volksfest nach Wiesbaden. Ein großes Fahrgeschäft bewegt er nicht. Mit einem Stand für das „Bayrische Dosenwerfen“ verdienen die Horländers ihren Lebensunterhalt. „Von März bis November, dann kommt der Weihnachtsmarkt“, sagt er.

Das Volksfest ist von 17. bis 20. und von 23. bis 25. August geöffnet. Ort ist der Festplatz an der Büdinger Straße.

Bezirkstierschau, Dienstagvormittag, 20. August, an der Büdinger Straße.

Den Abschluss bildet das Brillantfeuerwerk am Sonntag, ab 22 Uhr.

„Das traditionelle Dosenwerfen kommt auf jeder Kirmes gut an“, sagt Horländer. Seit 13 Jahren steht Bad Vilbel auf seinem Tourplan. „Viele Leute kennen uns und kommen jedes Jahr gerne wieder“, sagt er. Horländer führt sein Spielgeschäft in dritter Generation. „Davor gab es in der Familie Artisten.“ Sein Opa reiste mit einer Tierschau von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, mit Kuriositäten. Horländer hat nur seinen ganz normalen bayerischen Kurzhaardackel Franzel als Begleiter.

Heide Herzog nimmt beim Nordic Walking auf dem Weg zur Nidda das wachsende Geschehen auf dem Festplatz mit Neugierde auf „Ich wohne seit 50 Jahren in der Stadt und liebe den Vilbeler Markt“, sagt die einstige Buchhändlerin. Mit ihren Kindern sei sie jedes Jahr über den Markt gebummelt, „gerade so, wo die Kinder lang wollten“. Der Nachwuchs erhielt zuvor fünf D-Mark „Marktgeld“, um die Eltern nicht für jede Nascherei und jede Karussellfahrt anzubetteln. Herzog machte auch jedes Fahrgeschäft mit, in das ihre Kinder drängten. „Beim Kettenkarussell wurde mir immer schlecht. Das Riesenrad habe ich dagegen geliebt“, sagt die Seniorin.

Vor Jahren gab es kein Riesenrad, das Werbemotiv des Marktes, und 2018 kein Feuerwerk wegen der Dürre. Alles schlimm, doch es gäbe Schlimmeres etwa das Ausfallen der Bezirkstierschau, eine der größten, oder dass der Marktbetrieb an den neun Tagen durchgeht, ohne die historische Pause am Mittwoch und Donnerstag.

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