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Weg von fossilen Energieträgern

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Von: Michael Humboldt

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Matthias Wieliki (l.) und Thorsten Reichel beim Treffen in der Energiezentrale zwischen Bad Nauheim und Friedberg. red © Red

Halbzeit für die Bad Nauheimer Online-Bürgerbeteiligung zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Noch bis zum 20. November kann jeder abstimmen. In diesem Rahmen stellen die Stadtwerke als Partner der Aktion ein zukunftsweisendes Projekt vor.

Auf der Kreisstraße von Bad Nauheim in Richtung Friedberg erblickt man zwischen Sportpark auf der einen und dem Pferdehof auf der anderen Straßenseite ein riesiges Schild. „Deutschlands größter Erdwärmekollektor“ steht drauf, der hier auf einer Fläche von 22 000 Quadratmetern zu finden ist. Thorsten Reichel, Geschäftsführer der Bad Nauheimer Stadtwerke, fährt pünktlich zum vereinbarten Treffen vor und zeigt stolz die imposante Anlage der Stadtwerke.

Das erste Kalte-Nahwärme-Projekt im Neubaugebiet Bad Nauheim Süd sei ein Leuchtturmprojekt der Energiewende, betont er. Von hier aus werden mehr als 400 Wohneinheiten im neuen Wohngebiet nebendran mit klimaneutraler Wärme und klimaneutraler Kühlung versorgt. Kalte Nahwärme sei eine zukunftsweisende Wärmetechnologie, die sich die konstante Bodentemperatur von zehn Grad zunutze mache. Die Erdwärme werde mithilfe von Kollektoren gewonnen. Im Inneren der Gebäude sorgen Wärmepumpen für einen Temperaturanstieg für Heizung und Warmwasser.

„Wir müssen weg von den fossilen Energieträgern und solche Projekte fördern und nach vorne bringen“, fordert Reichel im Besprechungsraum der Anlage. Deshalb gibt es mittlerweile auch in Rödgen eine kleinere Anlage in dieser Form, die rund 35 Gebäude versorgt. Die Stadtwerke bringen sich mit dieser Innovation in den 21 Maßnahmen umfassenden Katalog der Stadt Bad Nauheim ein, der im Rahmen der Aktion für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit erarbeitet worden ist. „Die Stadtwerke waren von Anfang an an diesem Prozess beteiligt als Partner bei den Themen Energieversorgung, Wärme, Verkehrswende“, erklärt Matthias Wieliki, Fachbereichsleiter Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Nauheim.

Noch bis zum 20. November kann sich jeder Bad Nauheimer einbringen in die Online-Bürgerbeteiligung zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. „Jede Meinung zählt, daher möchte ich noch einmal alle dazu aufrufen, an der Umfrage teilzunehmen“, richtet sich Bürgermeister Klaus Kreß an die Bürger.

Die aktuelle Beteiligung im Internet unter der Adresse mein-bad-nauheim.de ermöglicht es allen Bürgern, sich für eine nachhaltige und klimabewusste Zukunft in der Kurstadt einzusetzen. „Das, was in vielen Fällen im Zusammenspiel zwischen Stadtverordnetenversammlung und Rathaus entsteht, öffnen wir für die Bürger. Klimaschutz in Bad Nauheim geht alle an, und dabei gewinnen wir wertvolle neue Perspektiven“, erklärt Stadtverordnetenvorsteher Oliver von Massow.

Die konzeptionelle Basis für die Partizipation bildet das Modell der Donut-Ökonomie. Der „Bad Nauheim Donut“ stellt dabei sicher, dass die Maßnahmen zu mehr Ressourcenbewusstsein beispielsweise nicht nur auf mehr CO2-Einsparung zielen, sondern sich auch auf gesellschaftlicher Ebene möglichst positiv auswirken sollen. So heißt denn auch eine von 600 durch Bürger entwickelten Maßnahmen „Lokale Energiegenossenschaften fördern“. Gefordert wird die Ausdehnung der CO2-neutralen Energiegewinnung. Insgesamt wurden mehr als 600 in der Bad Nauheimer „Zukunftswerkstatt“ entwickelte Ideen auf die 21 reduziert, die gerade online stehen.

„Auch für uns als Strom-, Gas- und Wasserversorger ist es ja fundamental wichtig, möglichst dicht an den Bedürfnissen der Menschen zu sein“, weiß Reichel. „Vor dem Hintergrund der Energie-, Wärme und Mobilitätswende befinden wir uns in einem Transformationsprozess und entwickeln unsere Produktpalette und unser Denken bestmöglich weiter.“

Die Treibhausgasbilanz der Stadt Bad Nauheim zeige auf, dass Gas in der Heiztechnik zu den Hauptemittenten zählt. Neben der Kostenexplosion bildet dies einen weiteren Antrieb, neue Geschäftsmodelle zu prüfen. Nun werden Wärmepumpen in Form von „Contracting“ angeboten. Dabei investieren private Haushalte oder Unternehmen nicht selbst in eine Anlage, sondern zahlen für Installation, Betrieb und Wartung.

Für wichtige Impulse aus dem Partizipationsprozess Zukunftswerkstatt haben die Stadtwerke bereits Konzepte erarbeitet: Darunter den Umstieg auf einen 100-prozentig elektrisch betriebenen Stadtbus, ein Solar- Kataster für Dachflächen im Stadtgebiet und die Modelle zur finanziellen Teilhabe von Privatpersonen an CO2-neutraler Energiegewinnung. Wieliki kündigt an: „Nach Abschluss des Partizipationsprozesses werden die Stadtwerke einer der wichtigsten Partner für die Umsetzung der Maßnahmen in Bad Nauheim sein.“

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