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Ulla-Ira Stamm befasst sich schon lange mit Barrierefreiheit. Eine graue Treppe ohne Geländer und Stufenmarkierungen hält sie für gefährlich. ihm-fahle (2) © Petra Ihm-Fahle

Ist da eine Stufe? Jetzt wäre ich beinahe gefallen. Wo ist denn bloß die öffentliche Toilette? Und wo geht es zum Kurkonzert? Für Menschen, die in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage unterwegs sind, ist das Angebot nur begrenzt barrierefrei.

Schon seit zehn Jahren beschäftigt sich Ulla-Ira Stamm mit der Barrierefreiheit, die sie als Erfordernis für alle Menschen versteht. Am Beispiel der Trinkkuranlage von außen zeigt die Bad Nauheimerin, was ihr dort als optimierungswürdig auffällt. Stamm ist Regionalgruppenleiterin von Pro Retina Deutschland und Fachberaterin für Barrierefreiheit. „Für Bad Nauheim als Gesundheitsstadt ist es wichtig, möglichst weitgehend Barrierefreiheit anzubieten“, konstatiert sie. Es sei ein ständiger Optimierungsprozess.

Ein Verbesserungsvorschlag betrifft die Treppe vor dem modernen Foyer, die ohne Geländer ist. „Für Menschen, die geh- oder sehbehindert sind, ist das sturzgefährlich“, sagt sie. Mit denkmalschutzrechtlichen Auflagen lässt sich das Nichtvorhandensein eines Geländers ihrer Meinung nach nicht erklären. Was sie zudem bemängelt, sind die fehlenden Kantenmarkierungen der Stufen. „Wer nicht gut sehen kann, erkennt nicht richtig, wo sie anfangen und wo sie enden.“ Ein Eindruck, der sich laut Stamm abends durch die ihrer Ansicht nach schlechte Beleuchtung verstärkt.

Der Aufgang auf der anderen Seite ist für Rollstuhlfahrer, Rollatoren und Kinderwagen zwar angeschrägt, zudem gibt es ein Geländer. „Aber auch Treppen sollten möglichst funktional und sicher gestaltet sein“, betont Stamm.

Nächster Punkt sind die Stopper vor der Eingangstür, die sie als Stolperfalle wahrnimmt. „Zeitweise steht hier ein Blumentopf, nicht nur zur Zierde, sondern mit einer wichtigen Funktion. Er kann Stürze verhindern.“ Die Türen seien je nach Beleuchtungssituation schwer zu sehen, außerdem gehen sie schwer auf. Der Weg führt nun in den Innenhof der Trinkkuranlage. Das Gelände wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten aus Denkmal-Gründen auf ein niedrigeres Niveau gebracht, wie Stamm erläutert. Das hat zur Folge, dass Stufen entstanden sind, um zu dem Wandelgang zu kommen. An der einen oder anderen Stelle liegt eine Rampe, was sie begrüßt.

Den Begriff „barrierefrei“ will Ulla-Ira Stamm weiter fassen. „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind auf Barrierefreiheit zwingend angewiesen, 30 Prozent benötigen Barrierefreiheit als Hilfe für ihr alltägliches Leben, und für hundert Prozent ist Barrierefreiheit komfortabel.“ Sie nennt ein Beispiel: Auch auswärtige Gäste seien aufgrund fehlender Ortskenntnis gehandicapt. „Nirgendwo gibt es ein Schild mit der Aufschrift ‚Trinkkuranlage‘“, stellt sie fest. Ein Beschilderungskonzept für die ganze Anlage und ihre Angebote wäre nach Ansicht von Stamm eine gute Lösung.

Stamm führt zudem die Toiletten an, deren Lage niemand von alleine kennen kann. Im Innenhof gibt es nur einen kleinen Zettel, der an einer Tür darauf aufmerksam macht. „Für viele Menschen ist es ein Kriterium für den Veranstaltungsbesuch, ob es Toiletten gibt.“

Außerhalb der Trinkkuranlage macht sie auf einen Wegweiser aufmerksam, der zu verschiedenen Punkten der Stadt weist. „Aber es fehlen die Entfernungsangaben“, sagt sie. Ältere Menschen und Reha-Patienten wollen ihrer Ansicht nach aber wissen, ob sie das Ziel mit ihren Kräften erreichen können.

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Bei der Sanierung der Anlage wurde der Boden auf ein niedrigeres Niveau gebracht. Dadurch sind „Bordstein“-Kanten entstanden. © Petra Ihm-Fahle

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