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Schweben wie im Toten Meer

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Wo jetzt der kleine Bagger steht (etwas verdeckt, links unten), entsteht der Thermegarten. von Prosch (3) © Hanna von Prosch

Der Rohbau der Bad Nauheimer Therme ist abgeschlossen, die Dachdecker-Arbeiten haben begonnen. Leitender Architekt Christian Karl von der Blfp Planungs GmbH zeigte am Mittwoch der ersten Gruppe Interessierter eine saubere Baustelle und weckte Vorfreude.

Das Bild von der „Sprudelhof-Therme“ in Bad Nauheim setzt sich langsam zusammen. Architekt Christian Karl und der Chef der Bauleitung, Alexander von der Heid, führen die Gruppe auf dem „Weg des Gastes“. Man kommt von der Ludwigstraße über eine Grünfläche, unter der sich die Tiefgarage befindet, zum Haupteingang. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist bereits angelegt. Ansonsten sieht man viel Beton und viel Luft zwischen dicken und dünneren Pfeilern. Wichtig waren den Planern die Sichtachse zum Sprudelhof, der Blick in den Kurpark und die Anbindung an das Badehaus 2. Von überall hat man Durchblicke.

Karl führt die Gruppe vom Eingang zur Kasse, dann nach links in die Duschen und zu Umkleiden zwischen Therme und Badehaus-Übergang. Das Badehaus habe keine eigenen Umkleiden, daher dieser Standort, erklärt er. Hier sind noch die Lüftungsschächte offen, die teilweise so breit seien, dass ein Auto durchfahren könne, erklärt Karl. Die Fassade gleicht hier einer Wellenwand - Glas und gebogene Betonelemente, die eine Spezialschalung benötigten, und eine rund gefräste Natursteinverkleidung erhalten.

Eine breite Treppe führt ins Untergeschoss zum Übergang ins Badehaus 2, die die Gruppe aber nicht nimmt. Und schon steht man im eigentlichen Bad. Insgesamt 800 Quadratmeter Wasserfläche werden es sein. Die verteilt sich auf das Hauptthermal-, Sprudel- und das Bewegungsbecken, das Thermalaußenbecken, ein kleines Kalt- und Heißbecken und - der Clou - ein Intensivsolebecken, in dem man sich fühlt, als ob man im Toten Meer schwebe. Direkt gegenüber dem Thermalbecken haben die Planer aus der Not eine Tugend gemacht und zwischen zwei tonnenschweren tragenden Pfeilern eine halbrunde beleuchtete Erlebnisdusche vorgesehen.

VIEL GLAS

In der Therme wird sich bald wieder eine ganze Schar von Handwerkern tummeln: Metallbauer, Abdichter, Schlosser, Schreiner, Fußbodenbauer und andere. Die Fassade mit viel Glas soll bis Jahresende fertig sein. Interessierte können das Baugeschehen auf dem Thermengelände über eine Webcam mitverfolgen - siehe dazu www.bad-nauheim.de/therme. hms

Außerdem gibt es einen Thermengarten und einen wegen der unerwünschten Blicke tiefer gelegenen Saunagarten. Im ersten Stock befinden sich das begrünte Sonnendeck, der Ruheraum und das sogenannte Bad Nauheimer Baderitual sowie ein Fitnessbereich. Neben der Eingangshalle, von der aus man in den Badebereich blickt, werden Gastronomie und ein Shop untergebracht.

„Was Sie nicht sehen können, sind im Keller die gesamten Technikanlagen und das riesige Überlaufbecken“, sagt Karl. Mit dem Eintritt zur Therme kann man die Außensauna und die Dampfsauna nutzen. Weitere kostenpflichtige Saunen werden im Badehaus 2 und im Waitz’schen Turm sein, der ebenfalls restauriert werden soll. Auch der Eingang von der Tiefgarage aus wird attraktiv gestaltet. Über vier edelstahlverkleidete Personenaufzüge erreichen die Gäste bequem alle Etagen.

In diesem Zusammenhang macht Karl deutlich, was alles bedacht werden muss, um Korrosionsschäden durch die aggressive Sole vorzubeugen. Dazu gibt es ein eigenes Schutzkonzept. „In der Schwimmhalle wurde in Stahlskelettbauweise gearbeitet. Die Decke aus Beton und Holz ist unproblematisch. Wir haben vorgesorgt und Erfahrungen aus dem alten Bau eingebracht, Materialtests gemacht und analysiert und uns dann auch mal umentschieden. Obwohl wir viel Edelstahl verwenden mussten, haben sich die Kosten in Grenzen gehalten“, versichert er.

Und was sind die größten Herausforderungen? „Wie üblich: Kosten, Qualität und Termin“, antwortet Karl. Dabei ist er stolz, dass sie die aktuellen Materialteuerungen durch frühe Weichenstellung vermeiden konnten. Auch der Termin mit der Fertigstellung in genau einem Jahr und der Eröffnung im Oktober 2023 scheint zu klappen. Dann soll auch der Rohbau für das zwischen Therme und Kerckhoff-Reha-Zentrum geplante sechsstöckige Hotel mit direktem Thermezugang stehen. Doch das ist nicht seine Baustelle.

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