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Schulkantine ausgezeichnet

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In der Pause ist das Bistro ein beliebter Anlaufpunkt, wie hier für diese zwei Schüler. Sie holen sich ein Stück Pizza bei Küchenleiterin Daniela Fabricius. ihm-fahle (2) © Petra Ihm-Fahle

Bad Nauheim - Kantinenessen muss nicht fade sein. Ein gutes Beispiel liefert die Freie Waldorfschule Wetterau, deren Küche jetzt den ersten Preis einer Gastronomie-Zeitschrift erhielt. Neben der Speisenqualität spielt auch Teamgeist eine Rolle.

Es ist kurz nach 11 Uhr. Durch die Küche der Freien Waldorfschule Wetterau zieht der Duft nach Essen, die Mitarbeiterinnen haben alle Hände voll zu tun. Ulrike Winkel schält Kartoffeln für den nächsten Tag, Nur Orhan richtet das Salatbuffet an. Küchenleiterin Daniela Fabricius schiebt Bleche mit mediterraner Gemüse-Pizza in den Ofen. Seit 17 Jahren besteht die Küche der Bildungseinrichtung an der Bad Nauheimer Birkenkaute. Deren Belegschaft zeichnete die Gastro-Zeitschrift „GV-Manager“ jüngst als „Küchenteam des Jahres“ aus.

Pandemiebedingt waren die Schülerinnen und Schüler lange nicht da. „Mittlerweile sind wir fast wieder bei den normalen Essensteilnehmerzahlen angekommen und die Kinder kommen sehr gerne“, so Fabricius. Mittags finden sie ein Drei-Gänge-Menü vor, das Haupt- und Nachspeise beinhaltet sowie Salat vom Buffet, den sie frei wählen können. Die Preise sind kostendeckend und sozialverträglich.

Zusätzlich organisiert das Küchenteam den Bistroverkauf für die Pause und bereitet weiteres Essen vor: für den Kindergarten mit U3- und Ü3-Gruppen sowie den Hort, die „Schülerstube“. Insgesamt sind es circa 315 Mahlzeiten täglich.

„Wir bieten ein zum größten Teil vegetarisches, teilweise veganes Essen an“, schildert Fabricius. Einmal pro Woche serviert die Küche Fleisch oder Fisch. „Heute ist so ein Tag. Zum einen gibt es das vegetarische Menü mit Bandnudeln und Spinat, zum anderen mit Bandnudeln, Lachs und frischer Tomatensoße. Die Schülerinnen und Schüler können auswählen.“ Kindergarten und Schülerstube bekommen immer vegetarische Speisen. Der Trend bei den Kindern, sich vegan zu ernähren, ist laut der 51-Jährigen etwas rückläufig. In der Fastenzeit nehme das Bedürfnis nach ausschließlich pflanzlicher Verköstigung voraussichtlich wieder zu.

ANGEBOT

Neben Bistroverköstigung und Mittagstisch bietet die Küche der Freien Waldorfschule in allen Klassen Unterstützung für Koch- und Backaktionen an. Brot- und Plätzchenbacken, Apfelmus kochen und Gemüsesuppe zubereiten sind Beispiele.

Wenn Klassenspiele (Theateraufführungen) sind, gibt es für die Gäste ein Buffet mit Brezeln, Gebäck und Getränke. Ein weiterer Aspekt sind Feierlichkeiten wie Herbstfest, Martinsmarkt und Weihnachtsfeier, die das Küchenteam unterstützt.

Das Mittagessen wird um halb eins und viertel nach eins offeriert, das Bistro hat zu allen Pausenzeiten und somit viermal am Tag offen. ihm

Ihrer Erfahrung nach gibt es viele Haushalte, die nicht mehr kochen, sondern nur fertiges Essen bestellen und aufwärmen. „Bei uns besteht die Möglichkeit, dass Kinder etwas ausprobieren“, sagt sie. Ein Beispiel ist Spitzkohl, den viele von zu Hause nicht kennen. In der Waldorfschule werden sie herangeführt, indem sie erst einmal einen kleinen Löffel kosten können. Fabricius passt auch auf, dass es zu Gemüsen wie Fenchel und Grünkohl, die die Jugend oft nicht mag, stets eine kinderfreundlichere Alternative gibt. „So ist es auch mit dem Salatbuffet. Mütter sagen mir manchmal ‚Mein Kind isst keinen Salat‘. Ich rate dann, abzuwarten. Oft liegen erst nur drei Gurkenscheibchen auf dem Teller, dann wird es nach und nach mehr.“ Im Kreis der Gleichaltrigen äßen die Kinder plötzlich doch gemeinsam den Salat.

Dass die Waldorfschule am Wettbewerb teilnahm, geht auf eine Anfrage des „GV-Managers“ an Groß- und Gemeinschaftsküchen zurück. Das Magazin animierte, sich als „Küchenteam des Jahres“ zu bewerben. Ziel war unter anderem, darzustellen, wie die Mitarbeitenden die Pandemie gemeinschaftlich überstanden haben. In der Waldorfschule war dies unter anderem die gemeinsame Gartenarbeit. Das vierköpfige Team, zu dem auch Mahbouda Trabelsi gehört, arbeitet laut Fabricius gerne miteinander. Zu den Schülerinnen und Schülern besteht ihren Worten zufolge ein guter Kontakt. „Sie haben sich über Freundlichkeit, Qualität des Essens und Preis-Leistungs-Verhältnis positiv geäußert.“

Zwei Jungen betreten den heimeligen Speisesaal, um sich ein Stück Pizza zu holen. „Ich komme jede Pause und hole etwas zu essen und zu trinken. Es ist beides gut“, erklärt der 14-Jährige. Mal ist es Pizza, mal eine Käselaugenstange. „Manchmal gehe ich auch Mittagessen, aber eher hole ich den Snack für die Pause“, sagt er. Sein 15-jähriger Freund fügt hinzu: „Wir gehen meistens zu zweit. Wenn das Bistro offen hat, holen wir uns was.“ Croissants, Brötchen und Milchprodukte stehen beispielsweise zur Auswahl.

Astrid Stark, Geschäftsführerin des Waldorfschulvereins, sagt: „Es ist uns enorm wichtig, ein breites, abwechslungsreiches Angebot für die Schülerinnen, Schüler und Mitarbeiter anzubieten, das auch auf individuelle Wünsche abgestimmt ist.“ Für die Eltern spielt es laut der 46-Jährigen eine große Rolle, dass die Schule ihre Sprösslinge auf einem hohen, biologischen und nachhaltigen Niveau verpflegt.

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Gesundes, schmackhaftes Essen anzubieten, ist vielen Eltern wichtig, wie Nur Orhan (links) und Geschäftsführerin Astrid Stark wissen. © Petra Ihm-Fahle

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