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Postkartenmotiv: das ehemalige Kurhaus, von dem heute noch die Caféterrasse und das Jugendstiltheater erhalten sind.

Bad Nauheim

Nachkriegsdoku: Als Rita Hayworth nach Bad Nauheim kam

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Vierter Band einer Nachkriegsdokumentation ist erschienen. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Kollonaden - und eine Hollywood-Diva.

Colonel Knights Fotoalbum geht zu Ende. Dennoch gelang es Brigitte Faatz vom Stadtarchiv und Gastautor Armin Häfner, ein letztes und damit viertes, sehr informatives Kapitel der frühen Nachkriegsjahre in der Dokumentationsreihe „Amerikanische Spuren in Bad Nauheim“ aufzuschlagen. Viele der Bilder stammen aus dem Album des US-Kommandanten in der Stadt. Schwerpunkt sind diesmal die Kolonnaden an der Parkstraße, „Klein Texas“ und das Kurhaus. Dass Hollywood-Star Rita Hayworth in der Stadt war, ist dagegen fast schon eine Randnotiz in der Publikation. Herausgeber ist wie bei den Bänden 1 bis 3 die Bürgerstiftung „Ein Herz für Bad Nauheim“.

Viel Schaden hat der Krieg in Kurort nicht angerichtet. Am 20. Juli 1944 warfen zwölf US-Bomber gezielt ihre explosive Fracht über die Stadt ab. Elf Tote wurden danach beklagt, unter den 43 beschädigten Gebäuden war das Kurhaus das prominenteste. Was die 8. US Air Force nicht schaffte, gelang der Hessischen Staatsbäderverwaltung: der Teilabriss der Kolonnaden. Heute steht von der einst knapp 300 Meter langen, mit an die 20 Läden bestückten Gebäudezeile, die von Häusern mit mächtigen Mansardendach rhythmisch gebrochen wurde, nur noch ein Drittel. Das rund 450 Quadratmeter große Tenniscafé dahinter zertrümmerten Mitte der 50er Jahre ebenfalls die Abrissbagger, es war dem vom Land beauftragten Gartengestalter im Weg.

Parkstraße in den 50er Jahren, noch stehen die Kolonnaden in Gänze.

Die Landesbehörde wollte den wieder anlaufenden Kurbetrieb und die Infrastruktur erneuern. Der abgerissene Teil der Kolonnaden soll bauliche Mängel gehabt haben. Allerdings musste der angeblich morschen Struktur mehrfach mit Sprengstoff nachgeholfen werden, bis die Mauern lagen. Nur ein Fragment des Jostschen Baus blieb. Die Staatsbäderverwaltung hatte zwischenzeitlich die Pläne geändert. Eine anderer Plan blieb der Stadt auch erspart. 1944 entwarf August Metzger ein monströses Kurhaus, es sollte das größte und modernste in Deutschland werden - aber unter der Diktion, dass der Endsieg der Nazis kommt. Die Dokumentation zeigt das Modell des in Architektur gegossenen NS-Größenwahns.

Als Baumeister in der Stadt erwies sich ab Mitte der 1950er Jahre auch die US-Army. Um Wohnungen für die Soldaten und deren Familienangehörige zu schaffen, entstand nahe des Großen Teichs eine weiträumige Siedlung. „Klein Texas“ hieß das Quartier im Volksmund, das ob seiner Struktur mit Schule und Einkaufsmöglichkeiten wie eine kleine Stadt war. 

Manch beschlagnahmte Wohnung in der Stadt wurde somit wieder frei. Läden in den Kolonnaden oder das nicht mehr existierende Badehaus 8, heute ein Parkplatz, beherbergten nunmehr keine Geschäfte für die GIs.

Amerikanische Spuren in Bad Nauheim - Teil 4. 78 Seiten, Preis 9,80 Euro, nur im Buchhandel in Bad Nauheim und Friedberg.

Die Zeitzeugen, sofern ihr Erleben niedergeschrieben worden ist oder sie noch habbar sind, finden in der Dokumentation ebenso ihren Platz, etwa die Erinnerungen von Susanne U., eines der deutschen „Sales Girl“ im Community-Shopping-Center der US-Army. 

Überdies wird dem Gerücht nachgegangen, dass Dwight S. D. Eisenhower, der spätere US-Präsident, 1945 im Grand Hotel abgestiegen sei. Und wie war das damals, 1947, mit Rita Hayworth? Die war tatsächlich da und sang im Kurtheater vor den GIs. Die Militärpolizei musste die Fans auf Distanz zu halten. Nur einer kam der Diva nahe, Gerhard Martin mit seiner Leica. Auch diese Story wird erzählt.

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