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Wo es in Bad Nauheim sprudelt, gibt es über die Jahrzehnte natürliche Ablagerungen.

Bad Nauheim

Radioaktives im Sprudelhof

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Wegen besonderer Altlasten verzögern sich die Sanierungen und Umbauten der Badehäuser 2 und 5 in Bad Nauheim erheblich. Auf die Stadt kommen Mehrkosten in sechsstelliger Höhe zu.

Wegen zu hoher Belastung mit sogenannten geogenen Radionukliden in den vom Heilwasser verursachten Ablagerungen wird sich der Umbau des Badehauses 2 zu einem Sauna- und Wellnesstempel neben der künftigen Therme voraussichtlich um ein Jahr verzögern, sagt Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Aber auch die Umbauarbeiten an den anderen Badehäusern sind nunmehr gestoppt worden. Zunächst muss der weitläufige Keller unter der einst mondänen, zwei Hektar großen Kuranlage des Jugendstils dekontaminiert werden.

Über die Jahrzehnte haben sich im Tiefgeschoss Feststoffe in dem kilometerlangen Rohrsystem, den gigantischen Tanks und den Abflussrinnen für die einst gut 250 Badewannen abgelagert. Darunter grenzwertüberschreitend die Elemente Radium und Uran, die die Sole wie die Salze bei ihrer Wanderung durch Gesteinsschichten aufgenommen hat. Mit den strahlenden Rückständen ist zudem die Belastung der Raumluft durch Radon erhöht, das ohnehin in der Sole gebunden ist, heißt es.

Radionuklide

In Heilwasser können die Elemente Radium, Radon und Uran vorkommen.

Das Edelgas Radon ist ein Zerfallsprodukt des Schwermetalls Uran.

In alten Kellern mit offenem Boden kann die Radongaskonzentration je nach Region besonders hoch sein.

Fünf Prozent der Lungenkrebserkrankungen soll Radon verursachen. sun

Bei der Sanierung habe es eine Betrachtung auf mögliche Altenlasten geben, aber nicht auf Radionuklide. Diese Erkenntnis ergab sich beim Abriss der alten Therme bis Mai 2019, heißt es vom Bauherr, dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Dabei seien strahlende Ablagerungen entdeckt und entsorgt worden. Im Februar dieses Jahres wurde daraufhin der Sprudelhofs untersucht.

Frank Thielmann, hauptamtlicher Vorstand der Stiftung Sprudelhof, betont, dass weder für die Besucher der Kuranlage noch für Nutzer der noch wenigen Wannenbäder eine gesundheitliche Gefahr bestanden habe oder bestehe. Gleiches gelte für Gäste der Trinkkuranlage, deren Wasser aus einer anderen Quelle komme, so Thielmann. Die Radon-Belastung im Keller sei bereits mit einer Belüftungsanlage gesenkt worden. „Die Bewetterung wird nun dauerhaft erfolgen.“

Laut LBIH gestaltet sich die Sanierung mit einer großflächigen Öffnung des Kellergeschosses und den Austausch von Deckenfeldern in den Badehäusern aufwendig. Aus Gründen des Arbeitsschutzes könne die Sanierung im Unter- und Obergeschoss der Badehäuser nur nacheinander erfolgen, so der LBIH. Aber nicht nur das braucht Zeit. „Allein für die nun vorzuziehende Schadstoffentsorgung – insbesondere im Zusammenhang mit Radium 226 – wird einschließlich Planung, Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung mit einem Zeitverzug von rund neun Monaten gerechnet.“ Laut LBIH ist mit der Fertigstellung des Badehauses 5 im August 2022, mit der des Badehauses 2 Ende Dezember 2024 zu rechnen. Der Zeitplan für alle anderen Badehäuser sei nunmehr offen.

Dieser Tage gab es ein Treffen aller Projektbeteiligten im Hessischen Finanzministerium bei Staatssekretär Martin Worms (parteilos). Nach dem zweieinhalbstündigen Gespräch war man sich einig, die Bauzeit an Badehaus 2 und 5 so kurz wie möglich zu halten, berichtet Bürgermeister Kreß. Eine Arbeitsgemeinschaft „Beschleunigung“ werde einberufen, die bis Ende November Lösungen erarbeite, so Kreß. Überdies werde die Landesdenkmalpflege für das Projekt eine zusätzliche Kraft für vier Jahre einstellen.

Die expandierende Krankenpflegeschule der Theodora-Konitzky-Stiftung soll bis zum neuen Einzugstermin – August 2022 – in das Badehaus 5 am aktuellen Standort an der Hochwaldklinik Unterrichtscontainer erhalten, sagt Kreß. Die Zustimmung des Kuratoriums werde in dieser Woche erwartet. Zudem muss die Stadt den Kooperationsvertrag mit dem Thermenbetreiber ob des neuen Terminplans anpassen, von April 2023 auf Dezember 2024. Die finanziellen Folgen für die Stadt werden „definitiv im hohen sechsstelligen Bereich liegen“, so Kreß.

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