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Variante A: größer, aber gleich in der Architektur. Eingang und Foyer liegen oberhalb der Beckenlandschaft.

Investition

Bad Nauheim: Vom Hotelzimmer direkt in die Sauna

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Der Schweizer Betreiber Kannewischer stellt zwei Varianten zum Therme-Neubau vor.

Die Variante A kostet ein paar Millionen Euro mehr, bietet dafür im Vergleich zur Variante B etwa ein Außensportbecken und ein großes Fitnessstudio. Was in der günstigeren Therme nicht fehlt, wird eine Nummer kleiner ausfallen wie die Badehalle oder die Becken. „Beide Varianten sind attraktiv und machbar“, sagt Stefan Kannewischer. Der Schweizer Thermespezialisten und künftige Therme- und Hotelbetreiber favorisiert jedoch etwas mehr die Lösung A, so viel ist aus seinem Vortrag herauszuhören. Die Varianten sind am Dienstagabend dem Finanz- und Bauausschuss vor gut 70 Zuhörern vorgestellt worden.

Kannewischer prognostiziert der Therme eine gute Vermarktung. Den Einzugsbereich definiert er mit dem Radius von einer Stunde Autofahrt_– und damit ein Gebiet zwischen Limburg und Frankfurt. Er spricht von 4,8 Millionen potenziellen Besuchern. Je nach Variante rechnet er mit 280 000 bis 330 000 Gästen im Jahr. Die Konkurrenz für eine moderne Therme sei in dem gezogenen Radius nicht so groß. Das angekündigte riesige Wellnessbad ihn Bad Vilbel spielt für ihn in einer anderen Liga. „Die Bäder der Wund-Gruppe sind eher ein Tag Mallorca“, sagt der Schweizer, der die Betriebe der Mitbewerber als Gast in der Badehose kennt.

Badehaus 2: heute Theatersaal, bald Ruheraum.

Ähnlich wie beim mittlerweile abgerissenen Vorgängerbau wird auch diesmal der Pavillionstil gewählt, 50 mal 50 Meter oder 45 mal 35 Meter, wenn es preiswerter werden soll. Letztere Variante wird auch kein Obergeschoss für ein eher gesundheitsbezogenes Fitnessstudio mit Blick auf den Kurpark und den Sprudelhof erhalten.

In der Halle soll es mehrere Becken mit verschiedenen Temperaturen und Solegehalt geben. Die Fassade würde in beiden Varianten gleich ausfallen, sagt Andreas Schmitt von Frielingshaus Architekten, Friedberg. Wie sie gestaltet wird, ist noch offen. Gleiches gilt für das Hotel, das mit seinen vier Etagen eine Einheit mit der Therme bilden soll. Eine Therme ohne Hotel gehe heute nicht mehr, so Kannewischer. Seine Spreewald-Therme habe er mit einem 4-Sterne-Haus nachrüsten müssen. 106 Zimmer, 212 Betten ebenfalls 4-Sterne-Qualität, das sind laut einem Gutachten wirtschaftlich realistische Eckdaten für Bad Nauheim. Es soll auch Kannewischers Erkenntnis umgesetzt werden, „dass der Gast im Bademantel vom Hotelzimmer in die Therme oder Sauna gehen kann“.

Der Spa-Bereich – dazu zählt vor allem eine große Sauna unter Einbezug des Gartens und des Waitzschen Turms –, wird losgelöst von der Frage A oder B im Badehaus 2 ohne Einschränkungen untergebracht. Das aus vier Trakten bestehende Gebäude gehört zur Jugendstilanlage Sprudelhof. Die Anbindung zur rückseitig liegenden Therme soll dem Denkmalschutz entsprechend sensibel mit einem eher schmalen, gläsernen Korridor erfolgen. Im Badehaus 2 soll es zudem eine Abteilung für therapeutische Anwendungen, etwa bei Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Schuppenflechten nach Krankenkassenvorgaben geben. „Wir erhalten so mit dem Badehaus 2 ein neues Kurmittelhaus“, sagt Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Er betont, dass die im Haushalt fixierten Baukosten bereits „in die Jahre gekommen sind“. Sie seien auch nie fundiert ermittelt worden. Erste Entscheidungen könnten im April oder Mai fallen.

Offen ist noch, wer den Bau der Tiefgarage zahlt, mit der laut Bauamtsleiter Jürgen Patscha das Projekt steht oder fällt. Er bedauert, dass die Randbebauung um den Sprudelhof zur Gegenfinanzierung wegen des Bürgerprotests aufgegeben wurde. Ein Investor habe sich noch nicht gefunden. Patscha gibt sich jedoch zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden wird.

Das Projekt im Überblick

Die Baukosten: Variante A 28,4 Millionen Euro, Variante B 22,8 Millionen Euro. Der Umbau des Badehauses 2 zum Spa wird 5, 2 Millionen Euro kosten.

Investor ist die Stadt. Das Hotel wird privat finanziert. Betreiberin der Gesamtanlage wird die Kannewischer AG im schweizerischen Zug sein.

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