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Home of Elvis, bis er es wegen eines Scheichs verlassen musste: Hilberts Parkhotel, das 1989 abgerissen wurde.

Bad Nauheim

Vom Luxushotel zur Dienststelle

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Eine neue Dokumentation über das US-Militär in der Stadt ist erschienen. Die Geschichte der einst international renommierten Häuser Parkhotel und Kaiserhof bildet den Schwerpunkt.

In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg war alles andere als Kuren in der Bäderanlage Sprudelhof angesagt, gleichwohl die Stadt den Krieg weitgehend unbeschadet überstand. Hochrangige Mitglieder der US-Armee bestimmten von nun an das Leben in der Stadt. Auch, weil im Steinwurf entfernten Friedberg die GIs in der Ray Barracks stationiert waren. Hotels in Bad Nauheim waren beschlagnahmt worden, um Führungspersonal und Dienststellen unterzubringen. Zwei international renommierte Gästeherbergen der Stadt stehen im Mittelpunkt der Dokumentation „Amerikanische Spuren in Bad Nauheim – Teil 3“. Als versierte Spurenleserin erweist sich wie bei den früheren Bänden Stadtarchivarin Brigitte Faatz. Herausgeberin ist die Bürgerstiftung „Ein Herz für Bad Nauheim“ mit finanzieller Unterstützung etwa der Hessischen Staatskanzlei.

Die Reichen und Mächtigen wie der deutsche und österreichische Kaiser, der russische und bulgarische Zar oder Zeitungsmogule und Industriemagnaten sowie bekannte Künstler erhofften sich in den Anwendungen mit kohlensäurehaltigem Wasser des Sprudelhofs Heilung etwa bei Rheuma und vor allem bei schwachem Herz. Das Parkhotel und der Kaiserhof waren für diese Klientel eine adäquate Adresse für den in der Regel mehrere Wochen dauernden Kuraufenthalt.

Der Wiesbadener Carl Hilbert, laut Faatz ein „Vollblut-Hotelier mit weltmännischer Erfahrung“, erwarb 1909 das Parkhotel. Eine Millionen Goldmark kostete ihm die Investition. Die Ausgaben für Umbau und Erweiterung entsprechend dem Zeitgeschmack sind hingegen nicht bekannt. Hilbert füllte das Haus mit neuem Luxus - entsprechend den Erwartungen der Gästen, dazu zählte etwa eine „mondäne American-Bar“.

Teil drei der Spurensuche dokumentiert vor allem die Zeit des Hotels unter Hilberts Leitung und so weit recherchierbar über den Hotelbetrieb. Besonders ausführlich wird die Zeit ab dem 29. März 1945 dargestellt, nachdem die US-Streitkräfte in Bad Nauheim einmarschiert waren. Einer der neuen Bewohner im Parkhotel war der im Dienst der US-Armee stehende britische Schriftsteller James Stern, der seinen ersten Eindruck über das Haus und sein zugewiesenes Zimmer niederschrieb und heute in der Broschüre zu lesen ist.

Stabsstelle im Parkhotel

Zivil ging es jedoch im Parkhotel nicht mehr zu, dort wurde die Stabsstelle der XV. US-Armee samt Offiziersclub eingerichtet, der Festsaal zur Sergeant’s Mess, zum Speisesaal für höherrangige Militärs umfunktioniert. 1951 endet die Beschlagnahme, der mittlerweile betagte Hilbert vermochte das Hotel nicht mehr zu sanieren und verschenkte es an das junge Bundesland Hessen. Erneut wird es dem Geschmack der neuen Zeit umgebaut. Im Oktober 1958 stiegt der in Friedberg stationierte Wehrpflichtige Elvis Presley mit Familie und Entourage für ein paar Tage im Parkhotel ab, dessen Geschichte in der Dokumentation damit nicht endet.

Eine ebenso feine Adresse mit war der Kaiserhof in der Bahnhofsallee. Auch dieses Haus war im März 1945 bald in der Hand der Amerikaner, der 15. Armee, und es gab auch dort einen Offiziersclub. Adolf Eilermann und sein Geschäftspartner Hans Hitzler führten das elegante Haus, das in seiner Architektur Anleihen an frühere Schlösser zeigte. Die Geschichte des Hotels während des Kriegs war gezeichnet als Wehrmacht-Lazarett. Autorin Faatz muss beim Kaiserhof nicht aus allein Akten zitieren, sie lässt stellenweise Hitzlers Tochter Beate eindrucksvoll erzählen. Für Eilermann und Hitzler bedeutete das erste Nachkriegsjahr eine dramatische Wende.

Vier kürzere Aufsätze etwa über deutsch-amerikanische Ehen und dem ersten US-Kindergarten in der Dokumentation umschließen die beiden großen Hotelkapitel. Zudem bildet eine in Monaten gegliederte und ziemlich minuziöse Chronik über das Jahr 1948 die historische Folie für die Aufsätze.

„Amerikanische Spuren in Bad Nauheim, Teil 3“, 74 Seiten DIN-A4, bebildert, Preis 9,80 Euro, Bezug über Buchhandlungen in Friedberg und Bad Nauheim.

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