1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau
  4. Bad Nauheim

Letzte Ruhe in alter Heimat

Erstellt:

Von: Michael Humboldt

Kommentare

agl_wedel1_181022_4c_1
Dieter Wedel hat seine letzte Ruhestätte auf dem Bad Nauheimer Friedhof. nici Merz © Red

Es regnet an diesem Samstag in Bad Nauheim, doch auf dem Friedhof Richtung Ockstadt herrscht ja bei jedem Wetter eine besondere Melancholie. Hier ruhen eigene Verwandte vor deren Gräbern man besinnlich wird, lokale Prominente wie Hans Bernd Koal oder Johannes Peil und nun auch ein überregional bekannter Regisseur. Dieter Wedel hat Millionen von Fernsehzuschauern mit seinen Filmen beglückt.

Doch am Tag seiner Einäscherung in Bad Nauheim seien gerade mal sechs, sieben Leute auf dem Friedhof gewesen, erzählt eine Passantin, die zufälligerweise zur gleichen Zeit ihren verstorbenen Mann besucht hat.

Ein anderer Besucher weist mir den Weg zu Wedels Grab. „Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig, und die, die es sind, sterben nie“, steht auf einer Schleife vor unzähligen Blumen. Einen Grabstein mit seinem Namen gibt es noch nicht, doch sein Wikipedia-Eintrag lautet: Dieter Karl Cäsar Wedel (*12. November 1939; † 13. Juli 2022) war ein deutscher Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor. Bekannt wurde er durch seine Mehrteiler „Einmal im Leben - Geschichte eines Eigenheims“ (1972), „Alle Jahre wieder - Die Familie Semmeling“ (1976), „Wilder Westen inclusive“ (1988), „Der große Bellheim“ (1992), „Der Schattenmann“ (1995) und „Die Affäre Semmeling“ (2002).

Auf dem Grabstein der Familie sieht man denn auch die Namen seiner Vorfahren. Ada Wedel, Adele Stroh, Cäsar oder Karl Wedel. Der Dieter wird wohl irgendwann dann mal hinzugefügt. Der prominente Regisseur habe Leukämie gehabt, schreiben die Medien. 13 Tage nach ihm erlag auch seine Frau Uschi Wolters einer Krebserkrankung. Auch sie ist in Bad Nauheim am gleichen Tag beigesetzt worden.

Nach der Trauerfeier, so hört man, habe es einen geheimen Kaffee-Treff von Freunden im Café Müller in Bad Nauheim gegeben. Denn es sollte vermieden werden, dass RTL oder die Kollegen der „Bild“-Zeitung dort aufkreuzen. Gesichtet wurde im Kreis der Gäste einer der Söhne des Promis. Denn Dieter Wedel war irgendwann einmal mit der großen Schauspielerin Hannelore Elsner liiert. Aus dieser Beziehung stammt der 1981 geborene Sohn Dominik Elsner, der als Fotograf arbeitet und in Bad Nauheim vor Ort war. Zudem sei die bekannte Lotto-Fee Franziska Reichenbacher aus der ARD beim zweistündigen Kuchen- essen dabei gewesen. Sie sei eine ganz enge Freundin von Dieter und Uschi gewesen.

Das Café Müller war der Lieblingsort von Dieter Wedel, wenn er seine Heimatstadt besuchte. Hier kehrte er ein nach den Spaziergängen im Kurpark und gönnte sich seine Ananas-Törtchen. Sein unbedingter Wille war es am Ende, in Bad Nauheim im Grab seiner Eltern beerdigt zu werden. Schließlich ist er in der Kurstadt aufgewachsen, und noch heute erzählen viele Klassenkameraden von der damaligen Schulzeit.

Wahrscheinlich ist Wedel nun auf dem Bad Nauheimer Friedhof der Mann mit dem höchsten Bekanntheitsgrad. Dass er selbst auch ein „Schattenmann“ war und wegen Missbrauchsvorwürfen mehrerer Schauspielerinnen vor Gericht stehen sollte, wird womöglich irgendwann in der Erinnerung verblassen. Seine künstlerische Leistung hat auch der Wetterau überregionale Aufmerksamkeit beschert. Schließlich sind die Ermittlungen im TV-Hit „Schattenmann“ auf dem Johannisberg geführt worden. Wedel hat Bad Nauheim oft ein Millionenpublikum beschert.

hed_wedel_181022_4c_1
Dieter Wedel imago © DPA Deutsche Presseagentur

Auch interessant

Kommentare