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Abriss der ehemaligen Therme in der Ludwigstraße.

Bad Nauheim

Grünes Licht für große Therme

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Der Spatenstich für die Therme in Bad Nauheim soll im Frühjahr sein. Die  Baukosten steigen.

Es darf die große Lösung sein, so hat die Mehrheit im Stadtparlament beim Neubau der Therme entschieden. Lediglich zwei Nein-Stimmen aus den Reihen der Grünen gab es, allerdings nicht wegen der Therme selbst, sondern weil eine Theaterspielstätte nicht zeitgleich geplant wird. „Nach dem Beschluss habe ich zehn Kreuze geschlagen“, sagt Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos). Eine 15 Jahre dauernde Diskussion sei zu Ende gegangen. „Jetzt gibt es bei dem Projekt keine Haltelinie mehr.“ Ganz sorgenfrei wird Kreß in den kommenden Monaten bis zum Spatenstich in Sache Therme vermutlich dennoch nicht schlafen.

„Im Frühjahr muss Baubeginn sein. Das ist eine absolut sportliche Herausforderung“, sagt er. Es könne aber nicht länger gewartet werden. Seit fast vier Jahren ist die Stadt ohne Therme. Zurzeit laufe die finale Planungsphase für den Entwurf des Büros Frielingshaus Architekten, Friedberg. Danach werde ein Leistungskatalog zum Bauumfang erstellt. Ob die Therme in europaweiten Einzelausschreibungen Gewerk für Gewerk verwirklicht wird oder es zu einem schlüsselfertigem Bauen durch einen Generalunternehmer kommen wird, steht noch offen. Die Stadt werde versuchen, einen Generalunternehmer zu finden. Kein einfaches Unterfangen angesichts der Lage in der Baubranche. Das musste auch die Stadt Bad Vilbel beim derzeitigen Großprojekt Stadthalle erfahren. Obendrein werde es keine einfache Baustelle. „Es sind Auflagen zum Denkmal- und Quellenschutz sowie die Nachbarschaft zur Kerkhoff-Klinik zu beachten.“

Über allem schwebt zudem der Kostendeckel. Als im März die beiden Thermenvarianten vorgestellt wurden, galt noch die auch nicht mehr ganz frische Kalkulation von 28,4 Millionen Euro. Damals wurde jedoch schon darauf hingewiesen, dass die Kostenentwicklung beim Bau nicht eingepreist sei. Nun liegt der Betrag für die große Therme bei 33,6 Millionen Euro. „Wir setzen alles daran, dass diese Summe nicht überschritten wird“, sagt Kreß. Sollte das Geld nicht reichen, werde an „Schrauben gedreht“. Das bedeute, dass einzelne Abteilungen gebenenfalls kleiner ausfallen, beispielsweise könnte dies den Fitnessbereich treffen, heißt es.

Thermebetreiber in spe, Stefan Kannewischer, der mehrere Wellnessbäder etwa in Baden-Baden und Bad Kissingen führt, hätte auch die kleinere, architektonisch nahezu identische Version akzeptiert. Bei der Vorstellung der Pläne im März hatte der Schweizer allerdings dargelegt, dass die große Lösung nicht nur für den Besucher die attraktivere, sondern auch die wirtschaftlich bessere sei. Laut einer Prognose kämen danach rund 330 000 Besucher pro Jahr, 50 000 mehr. Kannewischer wird auch das 4-Sterne-Hotel mit etwas über 100 Zimmern an der Bad Nauheimer Therme betreiben, das ein Investor bauen wird.

In das Thermenareal wird die historische Kuranlage Sprudelhof zum Teil einbezogen. Das Badehaus 2 wird Teil der Saunalandschaft und zum Kurmittelhaus. Zurzeit nutzt das Theater Alte Feuerwache das Jugendstilgebäude als Spielstätte, diese soll zwischen den Badehaus 2 und 3 neu gebaut werden. Die Extrakosten von 2,4 Millionen Euro zum Thermenbau seien bereits budgetiert, so Kreß.

Das Projekt

Die Therme am Park wurde 1972 eröffnet und 2015 geschlossen, mangels Sanierungstauglichkeit. Der Neubau soll etwa Becken mit verschiedenen Temperaturen und Solegehalt sowie ein Sportbecken erhalten. Hinzu kommen Fitnesssaal und eine Sauna mit Außenbereich zwischen Badehaus 2 und Waitzschen Turm. Konzept und Betrieb von Therme und Hotel liegen bei der Kannewischer AG in Zug, Schweiz.

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