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Gemeinsam gegen die Einsamkeit

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Einsamkeit ist ein Tabuthema. Eine Selbsthilfegruppe in Bad Nauheim möchte den Menschen helfen, ihre Einsamkeit zu überwinden, und zeigen, wie man soziale Kontakte aufbauen kann. imago © Imago

Bad Nauheim - Die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen ein Gefühl der Einsamkeit verursacht und sie damit unter psychischen Problemen leiden lassen. Eine neu gegründete Selbsthilfegruppe nimmt sich in Bad Nauheim nun des Themas an und gibt den Menschen eine Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen mit der Einsamkeit auszutauschen.

Sich einsam zu fühlen, ist eine belastende Gefühlslage. Menschen brauchen das Gefühl der Zugehörigkeit und die Möglichkeit, Gedanken mit anderen zu teilen. Dabei scheint es, als wären Einsamkeit und der Umgang damit vor allem eines: ein Tabuthema. Die neu gegründete Selbsthilfegruppe in Bad Nauheim nimmt sich dieses Problems an. Sie will Menschen helfen, die sich einsam fühlen. „Eigentlich habe ich selbst nach einer Selbsthilfegruppe gesucht, um meine eigene Einsamkeit zu überwinden“, erklärt die Gruppenleiterin, die hier anonym bleiben möchte. Als sie feststellen musste, dass die alte Gruppe aus Butzbach nicht mehr aktiv war, „übernahm ich selbst die Initiative und rief eine neue Selbsthilfegruppe ins Leben“.

Laut der Gruppenleiterin liegt der Grund für die Einsamkeit häufig in der Kindheit. Viele erlebten Einsamkeit in dieser Phase des Lebens. Allerdings werde dieses Gefühl entweder verdrängt oder gerate in Vergessenheit. Was bleibe, seien aber die Erfahrung und die internen Mechanismen, dass man alles alleine schaffe oder man sich nur auf sich selbst verlassen könne.

GESUNDHEITSSTUDIE

Die NAKO (Nationale-Kohorte-Gesundheitsstudie) aus dem ersten Corona-Jahr legt einen Schwerpunkt auf die Themen Einsamkeit, Angst und Depression. Die NAKO ist dabei Deutschlands größte Kohortenstudie, bei der 200 000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren befragt werden und stellt die Frage nach den Auswirkungen der Beschränkung sozialer Kontakte auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland.

Aus den erhobenen Daten gehen eine Zunahme von Einsamkeit und der Zusammenhang mit schlechterer psychischer Gesundheit während der ersten Phase der Pandemie hervor. Die psychische Gesundheit der Bevölkerung in Zeiten sozialer Krisen erfordere besondere Aufmerksamkeit, und diesbezügliche gesundheitspolitische Maßnahmen seien zwingend abzuleiten, heißt es dazu weiter. dpa

Ein anderer, häufig vorkommender Grund betrifft vor allem ältere Menschen: Der Tod des Partners ist ein einschneidenes Erlebnis. „Für viele ältere Menschen ist der Partner im Grunde genommen die einzige und wichtigste Kontaktperson“, sagt die Gruppenleiterin. Scheide dieser wichtige Mensch dann aus dem Leben, könne dies auch Einsamkeit beim verwitweten Partner auslösen. Oft werde versucht, die Einsamkeit mit einstudierten Verhaltensmustern zu überdecken. Wenn Ruhe einkehre und keine Ablenkung mehr möglich sei, komme dieses Gefühl häufig zurück und belaste den Menschen psychisch.

„Viele versuchen, ihre Gefühle mit Konsumverhalten, wie beispielsweise Filme schauen oder Videospiele, zu überspielen“, sagt die Gruppenleiterin. Dabei sei es wichtig, ein funktionierendes soziales Umfeld zu haben, um nicht in die Falle der Einsamkeit zu tappen. Die Gruppenleiterin rät: „Vereine und Sport sind hervorragende Möglichkeiten, um genau solch ein Umfeld zu schaffen.“ Die Corona-Pandemie und die daraufhin verhängten Lockdowns führten dazu, dass viele Menschen zu diesen Ruhepausen gezwungen wurden. Die Wunden der Einsamkeit wurden wieder aufgerissen. Das Aufrechterhalten sozialer Kontakte wurde erschwert - Treffen auf persönlicher Ebene waren nahezu unmöglich. Dass die Pandemie wie ein Brandbeschleuniger für psychische Belastungen und Erkrankungen gewirkt hat, ist eine Erkenntnis. Die Selbsthilfegruppe soll den Teilnehmern eine Plattform bieten, um über ihre Probleme zu sprechen und einen vertrauensvollen Austausch aufzubauen. „Die Teilnehmer sollen sich dabei gegenseitig helfen“, erklärt die Gruppenleiterin. „Es ist wichtig, zu erwähnen, dass wir es hier nicht mit einer therapeutischen Betreuung zu tun haben.“ Die Teilnehmer bleiben anonym, trotzdem erhofft sich die Gruppenleiterin, dass „sich Freundschaften entwickeln und damit die Einsamkeit überwunden werden kann“.

Die erste Sitzung der Gruppe fand bereits am vergangenen Mittwoch statt. In zweiwöchigen Intervallen sollen die Treffen der Gruppe stattfinden, die bereits voll besetzt ist. Unter der Telefonnummer 01 57/80 21 99 87 können sich Interessierte trotzdem auf die Warteliste eintragen lassen. Denn: Wie es die Initiatorin sagt, hat jeder die Chance verdient, seine Probleme mit der Einsamkeit zu überwinden.

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