Projekt

Furcht vor Verschandelung in Bad Nauheim

  • schließen

Anwohner fachen einen breiten Protest gegen ein stationäres Hospiz neben der evangelischen Johanneskirche an.

Dieser Tage ist der nötige Förderverein zum Bau und Betrieb eines stationären Hospizes in der Wetterau gegründet worden. Einen Standort gibt es auch, auf dem Gelände der evangelischen Johanneskirche. Betreiberin wird die Gesellschaft für diakonische Einrichtungen sein. Doch den Projektmachern bläst nun Gegenwind ins Gesicht. Zwei Anwohner wollen eine Bürgerinitiative auf die Beine stellen, um das Vorhaben an dieser Stelle zu kippen. Dem Vernehmen nach soll es bereits eine Liste mit 100 Unterschriften geben.

„Wir haben überhaupt nicht mit Widerstand gerechnet“, sagt Ulrich Schröder, Vizevorsitzender des Kirchenvorstands, der FR. „Von allen Seiten hören wir in der Stadt nur Zustimmung“, sagt er. Die derzeitige Planung sieht auf dem 1300 Quadratmeter großen Grundstück zwei zweigeschossige Neubauten mit einer Länge von bis zu 30 Metern für zwölf Patientenbetten und die notwendigen Nebenräume vor. Das Gotteshaus würde profanisiert. Das sei angesichts der stark schrumpften Kirchengemeinde vertretbar, so Schröder. Zur Gemeinde gehöre auch die gute besuchte Dankeskirche. Das 1899 erbaute Johanneskirche könne das Foyer und den Begegnungsraum enthalten. Der Zugang zu den Neubauten soll über eine „denkmalgerechte Verbindung“ geschehen. „Ein Hospiz an einer Kirche, das ist eine stimmige Sache“, sagt Schröder.

Diese Meinung teilen zwei Anwohner des an der Ecke Mondorfstraße / August-Viktoria-Straße entstehenden Hospizes nicht. Sie haben Anfang März in der Nachbarschaft ein Flugblatt verteilt. auf dem sie ihre Ablehnung darstellen. Und wer gleicher Auffassung ist, solle es mit Namen und Adresse als Unterstützungszusage in den Briefkasten eines der Initiatoren einwerfen.

Kritik an  „unangepassten Baukörpern“

Die neuen „unangepassten Baukörper“ würden zu einer „Verunstaltung der historisch einmaligen und unter Denkmalschutz stehenden Johanneskirche“ beitragen. Zudem würde ein Hospiz dem Ensembleschutz der Straße schaden. Ein organisch gewachsener Stadtteil werde zerstört, heißt es. Zudem werde „der „uralte Baumbestand“ geschädigt, darunter eine 1913 zum 100. Jahrestag des Sieges über Napoleon gepflanzte Friedenseiche.

Die Protestierer führen zudem fehlende Parkplätze und mehr Fahrzeuge in einem „ruhigen Wohngebiet“ an, heißt es. „Es gibt in Bad Nauheim genug Grundstücke im Grünen, die für dieses Projekt viel besser geeignet sind“, meinen die Flugblattautoren.

„Hier wird das St. Florians-Prinzip angewendet“, kommentiert Schröder, der mit einem Initiator schon gesprochen hat. Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) findet die Argumentation „beschämend“. Ein Hospiz könne doch nicht an den Rand einer Stadt gelegt werden, nur damit sich niemand gestört fühle. „Die Stadt werde alles daransetzen, damit das Projekt wie geplant realisiert werde. „Es ist ein großer Glücksfall, dass die Kirche das Grundstück zur Verfügung stellt“, so Kreß. Seit 20 Jahre bemühe sich die Stadt um ein stationäres Hospiz. Bislang gibt es in der Wetterau einen mit Ehrenamtlichen und Palliativärzten ambulanten Hospizdienst und ein Patientenzimmer in Friedberg.

„Das Hospiz wird sich städtebaulich in die Umgebung einfügen und in Kooperation mit dem Denkmalschutz umgesetzt“, sagt Kreß. „Es wird die Kirche harmonisch ergänzen“, meint Andrea Höpfner, Referentin der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch (SPD). Höpfner leiste die Vorbereitungen, damit der Förderverein aufs Gleis gesetzt werden konnte. Ein Verkehrsproblem sieht sie nicht. Es werden nur bis zu zwölf Patienten versorgt. Angehörige und Beschäftigten böte sich zudem der nahe ÖPNV an, so Höpfner. „In den kommenden drei Wochen wird ein Zeitplan aufgestellt, der sehr sportlich seien wird“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare