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Endlich wieder diese Magie

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Yuchan Iizuka verführt mit graziöser Luftakrobatik. Hausmanns (4) © Annette Hausmanns

Das hat man so noch nicht gesehen. Ein Raunen füllt den Saal, als sich hoch oben unter der Decke drei festlich gewandete Figuren auf langen biegsamen Stangen elegant hin- und herwiegen und von jetzt auf gleich mitnehmen in einen Traum ohne Zeit und Raum. Kaum haben sich die Akrobaten dann majestätisch in die Tiefen der Bühne zurückgezogen, spenden über 700 Zuschauer pulsierenden Beifall.

Er klingt wie ein großes Gefühl der Dankbarkeit, wie „Endlich wieder diese Magie!“. Zum erstaunlichen Auftakt des 19. Internationalen Varietés der Ovag hatten die „Catwall Acrobats“ um ihren kreativen Kopf Hugo Noël mit ihrem neuen Show-Act ein As aus dem Ärmel gezogen. Überhaupt gehört überraschenden Nummern und lyrischen Momenten in diesem ersten Varieté nach zwei Jahren Corona-Zwangspause besondere Aufmerksamkeit.

Dass von 20 000, ursprünglich für das Jahr 2021 verkauften Tickets kaum eines zurückgegeben worden war, ordnet Moderator Karsten Stiers zu Showbeginn als deutliches Votum für die Bedeutung von Kultur in der Diskussion um Systemrelevanz ein.

Warum das Varieté der Ovag weltweit einen hervorragenden Ruf in Fachkreisen genießt und mittlerweile als „größte Varieté-Show Europas“ gilt, werden heuer rund 32 000 Besucher bei 49 Vorstellungen im Jugendstiltheater des Dolce hautnah erleben können. Erneut ist es den künstlerischen Leitern Andreas Matlé und Anne Naumann mit ihren Teams gelungen, eine Traumreise durch die magischen Welten des Varietés zusammenzustellen.

TICKETS

Eintrittskarten für die Veranstaltungen bis 5. Februar unter Telefon 0 60 31/68 48 11 13, im Ticket-Shop Friedberg, beim Stadtmarketing Bad Nauheim und im Internet unter www.adticket.de. Karten, die für die ausgefallenen Veranstaltungen 2021 und 2022 gekauft worden sind, behalten ihre Gültigkeit. Sie verschieben sich gemäß dem ursprünglichen Wochentag. Näheres unter 0 60 31/68 48 12 74 und unter ovag.de/veranstaltungen/ ovag-variete.html. red

Den „roten Teppich“ für 45 Weltklassekünstler aus 15 Nationen rollt Sänger Karsten Stiers aus. Dem Ansager mit der druckvollen Stimme gelingen die Übergänge besonders, wenn er zusammen mit den britischen Vegas Showgirls die Bühne zum Beben bringt. Wundervoll ästhetisch geht es im Varieté-Programm nach der Höhennummer am Boden weiter, wenn Selyna Bogino auf ihren Füßen Bälle, Reifen und Kissen jongliert oder Kateryna Nikiforova wieselflinke Bällchen in Schach hält. Ehrfürchtige Bewunderung macht sich breit, wenn die lebende Legende Oleg Izossimov Ballett und hohe Handstandkunst vereint. Leidenschaftlich verbiegt sich Sheyen Caroli, wenn sie Pfeil und Bogen bedient - rückwärts mit den Füßen über dem Kopf. Rasante Runden und unfassbare Fliehkräfte hat das Rollschuhduo Royer und Emelie für sich entdeckt, es gilt als Senkrechtstarter in der Artistenwelt. Senkrecht gleiten Leosvel und Diosmani am Chinesischen Mast hinauf, um die Schwerkraft Lügen zu strafen, wenn sie waagerecht als menschliche Flaggen am Mast und dabei auch noch aufeinander stehen. Ebenso spektakulär geraten die waghalsige Trapeznummer des Duos High Tension und der sinnliche Flug der Japanerin Yuchan Iizuka an den Luftgurten durch den Artistenhimmel. Noch höher hinaus geht es mit der Groupe „Dobrovitskyi“, die ihre Luftakrobaten derart zwischen den Fangstühlen hin- und herwirbelt, dass einem der Atem stockt. Ähnlich mag es Varieté-Besuchern gehen, wenn Modellflugartist Daniel Golla seine kleinen Maschinen knapp über den Köpfen ihre Loopings drehen lässt. Zurücklehnen und Genießen ist angesagt bei Hans Davis’ zauberhaften Schattenfiguren und bei der charismatischen Seifenblasenkünstlerin Silvia Gaffurini. Derweil hat Bauchredner Marc Métral mit seinen Tieren und „Freiwilligen“ aus dem Publikum die Sympathien und Lacher auf seiner Seite, Magus Utopia fesseln die Zuschauer mit avantgardistischer Magie zwischen Tag und (Alb)Traum. Mit der archaisch anmutenden Kunst der Kraft- und Luftakrobaten aus der mongolischen „Troupe Khadgaa“.

Und als wäre das Rad der Zeit auf „vor Corona“ zurückgedreht - mündet der lang herbeigesehnte Varieté-Abend in sein traditionelles Finale mit gefeierten Künstlern unter Funkenregen, Glitzerschlangen und Luftballons, die sich auf die Bühne und in den Saal ergießen. Magische Momente, die sich unter die Haut graben. Endlich! Danke!

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Atemberaubend: Leosvel und Diosmani mit ihrer menschlichen Flagge am Chinesischen Mast. © Annette Hausmanns
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Beseelt von ihrer Kunst, taucht Silvia Gaffurini ein in eine lyrische Seifenblasenwelt. © Annette Hausmanns
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Bauchredner Marc Métral hat den Schalk im Nacken. © Annette Hausmanns

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