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„Besser dort als in Turnhallen“

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Bald eine Unterkunft für Geflüchtete? Derzeit prüft der Wetteraukreis, ob sich das ehemalige Lidl-Gebäude in der Frankfurter Straße eignet, um Schutzsuchende unterzubringen. ihm-fahle © Petra Ihm-Fahle

Auch Bad Nauheim muss einen Beitrag zur Unterbringung geflüchteter Menschen leisten. Im Gespräch ist nun das ehemalige Lidl-Gebäude in der Frankfurter Straße 7-9. Bürgermeister Klaus Kreß appelliert dabei an Bund und europäische Ebene, die Flüchtlingsströme zu begrenzen.

Wird der ehemalige Lidl in der Frankfurter Straße zur Flüchtlingsunterkunft? Wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) bestätigt, prüft der Wetteraukreis diese Möglichkeit. „Aktuell haben wir einen stärkeren Zustrom von Flüchtlingen als 2015 zu verzeichnen“, sagt Kreß. Deshalb suche der Kreis in allen Kommunen Immobilien und Flächen. „In diesem Kontext ist man auf den ehemaligen Lidl aufmerksam geworden.“

Auf dem Gelände des ehemaligen Supermarktes ist eigentlich Wohnbebauung geplant, 15 Prozent der Wohnungen will man zu „bezahlbaren“ Mieten vermarkten. Laut Rathauschef besteht gegenwärtig aber ein Trend in der Baubranche. Viele private Investoren treten aufgrund der Marktlage auf die Bremse und verschieben ihr Vorhaben ein Stück. Hoffnung ist dabei, dass sich der Markt in Sachen Materialbeschaffung wieder beruhigt und eine Preisdämpfung erfolgt.

Kreß: „Daher haben viele Investoren ein Interesse an einer temporären Zwischenlösung. Wie erleben das am Taubenbaum, wo der Eigentümer Peter Bach ein größeres Vorhaben plant. Dort sind Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht.“ Aktuell bestünden Verhandlungen zwischen dem Wetteraukreis und der Werner-Gruppe aus Fulda, der Eigentümerin des ehemaligen Lidl-Geländes. Fragen müssten dabei geklärt werden wie: „Ist das Gebäude überhaupt geeignet, muss es geändert werden? Wenn Ja, wie? Wie wären die Mietkautionen? Können Container auf den Parkplatz gestellt werden?“

Ergebnisse sind Kreß nicht bekannt. Da dort kein Bebauungsplan besteht, müsste seinen Worten zufolge eine Nutzungsänderung erfolgen. Darüber entscheide die Bauverwaltung des Wetteraukreises, die Stadt werde angehört und könne ihr Einverständnis erteilen oder versagen. „Das Ermessen ist fast auf null reduziert. Wir werden das Einvernehmen erteilen, wenn dem nichts Gravierendes wie der Brandschutz entgegensteht.“

DAS SAGT DER KREIS

Auf eine Anfrage an den Wetter-aukreis zu den Plänen, im ehemaligen Lidl in der Frankfurter Straße in Bad Nauheim Geflüchtete unterzubringen, antwortet die Behörde wie folgt: „Der Wetteraukreis hat seine Unterbringungsmöglichkeiten in den vergangenen zwölf Monaten massiv ausgebaut. Das Zuwanderungsgeschehen ist jedoch nach wie vor sehr dynamisch und die Zuweisungszahlen befinden sich auf einem konstant hohen Niveau, weshalb der Wetteraukreis auch weiterhin jeden Vorschlag und jedes Angebot prüft.“

Ziel ist nicht zuletzt , die Belegung von weiteren Sporthallen und anderen Gemeinbedarfsflächen wie beispielsweise Bürgerhäusern zu verhindern. Auch die Immobilie in Bad Nauheim ist dem Wetteraukreis bekannt. Derzeit wird geprüft, ob eine Unterbringung von Geflüchteten möglich ist. ihm

Der Bürgermeister ist von den Plänen nicht begeistert. „Einerseits haben wir die Verpflichtung, für menschenwürdige Unterbringung zu sorgen. Ich habe gleichzeitig aber betont, dass dringend Aktivitäten auf Bundes- und europäischer Ebene erfolgen müssen, um den stetig zunehmenden Flüchtlingsstrom zu steuern, zu ordnen und vor allem zu begrenzen.“

Laut Kreß richten alle kommunalen Spitzenverbände dringende Appelle an die Regierung: „Wir haben ohnehin einen Druck auf dem Wohnungsmarkt; uns fehlen Fachkräfte für die Kinderbetreuung.“ Gehe der Zustrom ungebremst weiter und auf die Kommunen über, seien die Städte und Gemeinden am Ende ihrer Möglichkeiten. „Wir wollen Hilfe leisten, aber man darf auch nicht sehenden Auges eine Überforderungssituation produzieren. An diesem Punkt sind wir.“ Im Wetteraukreis würden Hallen und Bürgerhäuser geschlossen, was die Bürgerschaft „bis ins Mark“ treffe.

Laut Rathauschef war auch eine Schließung der Sporthalle der Ernst-Ludwig-Schule im Gespräch. Die „Lidl-Lösung“ sieht er als weitaus bessere Variante. „Wir haben als Kommune die Pistole auf der Brust. Wenn wir kein Gebäude anbieten können, muss die Hallenschließung kommen.“ Deshalb sei der Appell so wichtig, auch wenn ihm bewusst sei, dass die Lage sehr komplex und schwierig ist. Wie Bundes- und Kreistagsabgeordneter Peter Heidt (FDP) schildert, kam das Gespräch auf das Lidl-Gebäude erstmals im Haupt- und Finanzausschuss des Wetteraukreises. Er habe mit Landrat Jan Weckler und Erstem Kreisbeigeordneten Matthias Walther (beide CDU) darüber geredet.

Der Wetteraukreis hatte die Idee laut Heidt auch schon gehabt und sofort Kontakt hergestellt. Heidt: „Wir waren uns grundsätzlich darüber einig, dass dies eine gute Möglichkeit ist, Flüchtlinge unterzubringen. Besser dort, als in einer Turnhalle in Bad Nauheim.“

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