Ortenberg

Autoteilen auf dem Land

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Das Modellprojekt Dorf-Carsharing in Ortenberg hat ein Angebot von Pedelecs bis Privatautos.

Auf ein eigenes Auto verzichten, um zur Arbeit, zum Shoppen oder zum Arzt zu fahren, ist im Ballungsraum kein Problem. Anders hingegen sieht das in einem ländlich gelegenen Dorf auf. Deshalb startet die Stadt Ortenberg hierzu das Projekt Dorf-Carsharing, das Modellcharakter erlangen könnte. Es soll zunächst im 500 Einwohner großen Stadtteil Effolderbach ausprobiert werden. Das Mobilitäts-Pool wird aus Elektrofahrzeugen verschiedener Art bestehen. Privatleute können zusätzlich ihr Auto zum Teilen dazustellen. Die Stadt hat Geld beim Forschungszentrum Jülich, Berlin, als Projektträger beantragt. Es geht um 80 000 Euro. Knapp 20 000 Euro gibt die Stadt. Im September beginnt die Projektumsetzung, die bis Mai 2021 dauert.

„Bei uns hat fast jeder Haushalt mindestens zwei Autos“, sagt Bürgermeister Ulrike Pfeiffer-Pantring (SPD). Die meisten Autos würden selten bewegt und belegten nur den ohnehin knappen Platz in den alten Ortsteilen. Eine andere Folge: „Familien können sich immer weniger leisten, weil viel Geld für Autos ausgegeben wird“, sagt Pfeiffer-Pantring zu den Gründen des Projektes. Allerdings sieht man sich auch zweier Titel verpflichtet. Die 9000 Einwohner große Flächenkommune ist der Carta zum Klimaschutz-Aktionsplan beigetreten und Pfeiffer-Pantring wurde von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) zur Klimabotschafterin des Wetteraukreises benannt.

Effolderbach sei für das Dorf-Carsharing ausgewählt worden, weil es sich von den zehn Stadtteilen bei der Konzeptvorbereitung am aktivsten eingebracht habe. „Ein Bürger hat sich auch gleich bereit erklärt, seinen Privatwagen in das Carsharing einzubringen“, sagt Pfeiffer-Pantring.

Für die Vorarbeit wurde das 2018 erstelle Mobilitätkonzept herangezogen. Ein beauftragtes Büro analysierte die Strecken zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit und die Verkehrsmittelwahl. Es gab Bürgerbefragungen. Einige Familien führten Fahrtenbuch, um die Autonutzung zu ermitteln. Ein Ergebnis: Im Nahbereich ist das Pedelec auch auf dem Land ideal. Ein anderes: Mit Carsharing kann eine Familie zwei Autos abschaffen und 3000 Euro im Jahr sparen.

Anfragen bei Carsharing-Firmen seien ohne Erfolg verlaufen, Effolderbach sei zu klein. Das Dorf-Carsharing wird daher in Eigenregie betrieben. Projektleiterin ist die städtische Klimabeauftragte Pia Heidenreich-Herrmann. Neben Privatautos, die in der Nähe des Besitzers verbleiben, gibt es je fünf Pedelecs und E-Lastenräder, die testweise seit Juni ausgeliehen werden. Hinzu kommen ein E-Auto der Stadt, ein über die Post gemieteter E-Transporter und ein neunsitziger Bus. Auch mehrere Mitfahrbänke werden installiert, Ersatz für den Anhalter-Daumen.

Um die Nutzungsgebühr und den Zuschuss gering zu halten, erfolgen etwa die Betreuung der Fahrzeugflotte und die Fahrdienste mit dem Kleinbus im Ehrenamt. Das klappt, so die Bürgermeisterin: „Bei der Feuerwehr funktioniert es ja nicht anders“.

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