Wetterau

Auf der Bühne für das Leben lernen

Schauspieler und Lehrer hat mit seiner Theater-AG den Hessischen Schultheaterpreis gewonnen.

Vielleicht muss ein Lehrer irgendwie auch ein Schauspieler sein. Seine Bühne ist das Klassenzimmer, die Schüler das Publikum. Begeistern muss er diejenigen, die vor ihm sitzen, auf jeden Fall.

Das kann Georgios-Johannes „Jorgi“ Slimistinos, denn der Lehrer der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) in Friedberg ist studierter und gelernter Schauspieler. Er meint: In den Schulen müsse viel mehr theaterpädagogische Arbeit unterrichtet werden. Er selber macht das voller Hingabe an der ARS. Er lehrt das Fach Darstellendes Spiel. Für seine Arbeit sind er und seine Theater-AG „Fliegenfänger“ mit dem Hessischen Schultheaterpreis ausgezeichnet worden.

„Das Darstellende Spiel steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Slimistinos. Doch es sei ein ungeheuer wichtiges Fach: Denn alle Fähigkeiten, die man zum Schauspielern und auf der Bühne brauche, könnten im Leben helfen: Man lerne Teamfähigkeit, sich in die Augen zu sehen, sich die Hand zu geben, laut, deutlich oder auch mal leise zu sprechen. „Es ist wie ein Knigge-Training und schult das Selbstbewusstsein“, sagt Slimistinos.

Nicht alles, was für die Theaterarbeit notwendig ist, ist in Zeiten von Corona möglich. Doch Slimistinos bietet auch jetzt allen Jahrgangsstufen etwas an – von der Grundschul- bis zur Abschlussklasse. Mit den 15- bis 17-Jährigen übt er gerade einen Antigone-Stoff ein. Die Fünftklässler setzen sich dramaturgisch mit einem Bilderbuch auseinander. Die Grundschüler beschäftigen sich mit den Bremer Stadtmusikanten. Slimistinos muss dafür die jeweiligen Originalstücke kürzen, an die jeweilige Altersklasse anpassen oder Stücke komplett erfinden, damit jeder Text und Szenen lernen kann.

Slimistinos war viele Jahre lang in Frankfurt schauspielerisch aktiv, wurde mit 39 Jahren Lehrer für Deutsch und katholische Religion an der Frankfurter Ludwig-Börne-Schule. Mittlerweile wohnt er in Bad Vilbel. Mit der theaterpädagogischen Arbeit hat es Slimistinos, wie er sagt, in der Schulwelt nicht immer leicht. Es sei eben kein klassisches Schulfach und da werde man schon mal „merkwürdig beäugt“. Aber er ist überzeugt: Theaterpädagogik müsse einen höheren Stellenwert an Schulen haben.

Mit anderen Mitstreitern hat er den Bad Vilbeler Verein „ZwischenZeit“ gegründet. Ausgebildete Theaterpädagogen und Schauspieler präsentieren regelmäßig Stücke für Jung und Alt. Hervorgegangen ist der Verein 2015 aus dem Team des Zwischenzeit-Theaters. „Wir möchten Theater für Menschen erlebbar machen“, sagt Slimistinos. Vielen fehle heute die Zeit für Kultur. Daher bringt das Ensemble Theater zu den Menschen und inszeniert Stücke mit unterschiedlichen Themen und für alle Altersgruppen. Regelmäßig spielt „ZwischenZeit“ Kindertheater – jedes Jahr gibt es auf jeden Fall ein Weihnachtsstück.

Der Adolf-Reichwein-Schule kommt dieser Verein besonders zugute, denn er unterstützt die Schule mit seinem Fundus, mit Kostümen oder Licht. „Vieles wäre hier sonst nicht möglich“, sagt Lehrer Slimistinos. Derzeit ist er in Kontakt mit dem Theater Alte Feuerwache (TAF) in Bad Nauheim. „Mein Traum wäre eine eigene Theaterwerkstatt oder ein Theaterstudio für die Wetterau, denn das gibt es bisher noch nicht in unserer Region.“

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