1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wetterau

Audiovisuelle Chor-Show

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Meike Kolodziejczyk

Kommentare

Volkschor Frohsinn Massenheim feiert 125-jähriges Bestehen – und geht mit der Zeit

Wie so oft im Leben und in der Kunst geht es „um Zweierbeziehungen“. Allerdings werde keine Geschichte erzählt, „es wird eher eine Idee dargestellt“, sagt Lucius Launhardt. Viel mehr will der künstlerische Leiter nicht verraten über den Inhalt des Projekts, an dem der Volkschor Frohsinn Massenheim anlässlich seines diesjährigen Jubiläums seit Mai 2012 arbeitet. Ein „rasantes Komödchen“ wolle man da auf die Bühne bringen, etwas Besonderes, etwas Neues. Mit Gesang, Bewegung, Choreographie, Theater, Videoclips. „Eine audiovisuelle Chor-Show.“ Launhardt überlegt kurz, ob ihm diese Begriffsschöpfung, die ihm „gerade eingefallen“ sei, auch gefällt. Sie tut es.

Gefallen, Spaß, Freude, Frohsinn eben. Das ist es, worum es sich im Chor allein schon seinem Namen nach dreht. So wird auch bei der ersten Probe im neuen Jahr geschwatzt und gescherzt, wer mag, kann sich zusätzlich mit einem Gläschen Sekt lockern. Ziel sei es auch, sagt Launhardt, zu zeigen: „In unserem Chor passiert etwas.“ Auch und besonders 125 Jahre nach seiner Gründung. „Wir wollen versuchen, den Chor auf eine ganz neue Schiene zu stellen“, sagt Chorleiter Oliver Seiler. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und steigenden Durchschnittsalters müssten Chöre dringend etwas tun, „sonst sind sie bald weg vom Fenster“.

Tatsächlich habe man sich mit dem Projekt „aufgepeppt“ und bereits 16 neue Mitglieder gewonnen, weitere seien willkommen, sagt die Vereinsvorsitzende Karola Schneider. Ihre Tochter singt ebenso mit im Volkschor wie ihre Schwester. Ihre Mutter hält dem Frohsinn seit 65 Jahren die Treue und ist mit 85 Jahren das älteste aktive Mitglied. Den Anschluss an Gegenwart und Zeitgeist nicht zu verlieren, „ist schon eine Herausforderung“, sagt Schneider. Speziell für die älteren Semester, die auch englische Texte lernen müssen. Dank Oliver Seiler, der seit 25 Jahren den Volkschor leitet, gehören zum Repertoire längst nicht mehr nur klassische und geistliche Werke, sondern auch Gospels, Musicals, modernes Volksgut, Rock und Pop. Während Seiler für das Jubiläums-Projekt den musikalischen Part innehat, ist Lucius Launhardt für Choreographie und Bühnengeschehen verantwortlich. Er weiß: „Es geht nicht nur darum, schön zu singen, sondern auch etwas rüberzubringen.“

Dies soll mit dem Jubiläumsprojekt, der „audiovisuellen Chor-Show“ gelingen. 18 Songs wurden dafür ausgewählt, von den 70er Jahren bis heute, von den Bee Gees über U2 bis hin zu Robbie Williams. Die Lieder werden nicht nur gesungen und von einer Band gespielt, sondern auch schauspielerisch umgesetzt. Zudem werden Videoclips auf eine Leinwand projiziert. Audiovisuelle Collage wäre wohl auch ein passender Begriff. Ein Beispiel: Zwei Mädels im Dirndl, ein Postbote, zwei Briefe, Griff ans Herz, Videoszene im Wald, dazu die „Alpen-Pop-Ballade“ (Seiler) „Weit weit weg“ des österreichischen Liedermachers Hubert von Goisern. Wer sich noch immer nichts darunter vorstellen kann, dem bleibt nur eins: anschauen und zuhören. Allerdings muss man sich noch etwas gedulden: Das gut anderthalb Stunden dauernde Werk wird erst am 15. September aufgeführt.

Auch interessant

Kommentare