Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Reiterinnen in der Nähe von Karben-Petterweil.
+
Reiterinnen in der Nähe von Karben-Petterweil.

Bad Vilbel Lutherweg

Asyl für Edward Snowden

  • Claudia Isabel Rittel
    VonClaudia Isabel Rittel
    schließen

In Petterweil bietet ein Haus Asyl für Edward Snowden. Daran vorbei kommt, wer den Lutherweg geht. Die Idee für diese Pilgerstrecke hatte Bernd Rausch.

Gott ist die Liebe“ ist mit gelbem Faden auf ein grünes Tuch gestickt, das an der Kanzel in der Petterweiler Kirche Sankt Martin hängt. Eine Botschaft, die sich manch Petterweiler zu eigen gemacht zu haben scheint. Nicht nur, dass man hier an einem Briefkasten den aussagekräftigen Aufkleber „Ein Bett für Snowden“ finden kann, mit dem jemand offensichtlich dem amerikanischen Informatiker Edward Snowden Asyl gewähren möchte. Überhaupt machen die Petterweiler einen sehr aufgeschlossenen Eindruck.

„Wenn es soweit ist, werden wir die Kirche öffnen und Aktivitäten anbieten“, sagt Horst Preißer. Der 75-Jährige ist Kirchenvorstand und übernimmt die Aufgaben des Küsters. Seitens der Pfarrgemeinde war er zudem involviert zu bestimmen, wo der Lutherweg entlang führen soll.

Denn anders als der Name suggeriert, ist der im Aufbau befindliche Lutherweg keineswegs genau der Originalweg, auf dem Luther 1521 gereist ist. Vielmehr haben sich die Organisatoren darauf verlegt, eine wanderbare Route entlang des Weges zu finden, den Luther genommen hat.

Über die genaue Route, die Martin Luther von Wittenberg nach Worms und zurück nach Eisenach genommen hat, weiß man recht wenig. Es ist auch nicht klar, ob er in beiden Richtungen denselben Weg genommen hat. Bekannt sind einzelne Etappenorte von Luther und die Reisegeschwindigkeit. Damit haben Historiker die Route rekonstruiert.

Dennoch galt es, eine für den Pilgerweg geeignete Route zu finden – verlaufen doch auf den damals genutzten Altstraßen „Durch die kurzen Hessen“ und „Die langen Hessen“ heute überwiegend viel befahrene Straßen. „Wir haben deshalb in einem Korridor von jeweils einem Kilometer entlang der historischen Route bestehende Wege gesucht“, sagt Matthias Flor. Der Referent des Landrats hat für den Wetteraukreis die Entwicklung der Route koordiniert. Mitgewirkt haben daran zahlreiche Vertreter von Kommunen und Kirchengemeinden.

Viele Menschen arbeiten mit

Die Idee für den Pilgerweg geht auf Bernd Rausch aus Romrod bei Alsfeld zurück. Eine Pilgerwanderung, die der 65-Jährige vor acht Jahren von dort aus ins Allgäu unternommen hat, hat ihn stark geprägt, berichtet er. „Wenn man sich auf den Weg macht, kommt man anders nach Hause, als man weggegangen ist“, sagt der Pensionär.

Als lokaler Gästeführer in Romrod hat er Besuchern immer wieder erzählt, dass Luther 1521 auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag dort durchgekommen ist. „Dass jemand für seine Überzeugung so einsteht, finde ich ganz beispielhaft. Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt Rausch. Das und die Tatsache, dass zum 500-jährigen Reformationsjubiläum von 2008 bis 2017 die Lutherdekade ausgerufen wurde, brachte ihn auf die Idee für einen neuen Pilgerweg.

2011 hat er sie erstmals öffentlich vorgestellt. Ein Artikel in der Lokalzeitung brachte ihm einen ersten Mitstreiter ein, bald folgte ein zweiter. Im September 2012 gab es bereits eine Gruppe von Unterstützern, die den Verein „Lutherweg in Hessen“ gründete.

„Dann haben wir zunächst Klinken geputzt“, erinnert sich Rausch. Inzwischen sind auch die Landeskirchen mit an Bord und der Verein hat 95 Mitglieder; 40 Prozent davon sind juristische Personen wie Städte oder Kirchengemeinden. Das freut ihn. Denn: „Das soll ein Weg von unten werden“, sagt er. „Die Leute am Wegesrand sollen das Gefühl haben: ‚Das ist unser Weg‘.“

Keine einfache Aufgabe, führt der Weg doch durch drei Bundesländer. Doch es sind auch sehr viele Personen involviert. Sechs Arbeitsgruppen haben sich gebildet, eine davon im Wetteraukreis. Geleitet wird sie von Flor. „Der Weg ist inzwischen ein Selbstläufer geworden“, sagt Rausch. Dank der Mitarbeit vieler steht die Route nun im Großen und Ganzen. In der Wetterau gibt es eine Besonderheit. Denn hier teilt sich der Weg in eine westliche und eine östliche Route. Je nach Interesse, können Pilgerer und Wanderer sich für eine entscheiden – die Originalroute im Osten über Wölfersheim oder die Alternativroute über Bad Nauheim. Sie trennen sich in Friedberg und finden am Hessenbrückenhammer, einer Furt durch den Oberlauf der Wetter nördlich von Hungen und Lich, wieder zusammen.

„Es ist uns auch wichtig, dass die Leute durch Orte wandern können“, sagt Rausch. Petterweil einen Besuch abzustatten, lohnt sich allemal. Neben einer Lutherlinde in der Heerstraße bergen auch die Mauern der einfachen Martinskirche, deren Ursprünge ins 8. Jahrhundert reichen, viele Geschichten.

Es gibt viele Geschichten zu erzählen

Und mit Küster Preißer gibt es zudem jemanden, der sie zu erzählen weiß. Vom Abendmahlskelch aus dem 14. Jahrhundert etwa, der während des Dreißigjährigen Kriegs verbuddelt war. Oder dem steinernen Torbogen des ehemaligen Stadttores, der im neu gestalteten Kirchgarten seinen Platz hat. „Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert war Petterweil von Mauern und Türmen umgeben“, erzählt Preißer. Als Relikt dieser Stadtmauer liegt der steinerne Torbogen nun vor der Kirche.

Dass Luther Karben gesehen hat, ist sehr unwahrscheinlich. Wohl aber kann sich der Durchwandernde mit den geschichtlichen Details ein Bild davon machen, wie es vor 500 Jahren dort wohl ausgesehen hat.

Seit April gibt es eine Förderzusage des Landes Hessen. Bekommt der Verein Lutherweg in Hessen mit eigener Anstrengung 175 000 Euro zusammen, stockt das Land Hessen den Betrag auf 500 000 Euro auf. Damit sollen dann die Beschilderung sowie Ruhebänke und Hinweistafeln finanziert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare