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Künstler Christof Paul in seinem Atelier an der Wilhelmstraße in Bad Vilbel.

Bad Vilbel

Der Astronaut aus dem Holzstamm

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Christof Paul ist Holzbildhauer und hat eine kleine Werkstatt in Bad Vilbel. Die Idee für sein jüngstes Projekt „Spaceman with fox“ hatte er bei eisigen Temperaturen.

Ein feiner, leicht süßlicher Holzgeruch füllt den Raum aus. In der kleinen Werkstatt stehen Holzblöcke aus Birke und Buche, Eiche und Linde. Späne bedecken den kargen Steinfußboden. Wenn Christof Paul seine Figuren mit dem Holzbeitel bearbeitet, fallen sie reichlich. Unweit des Nordbahnhofs in Bad Vilbel hat sich der groß gewachsene Mann seine Werkstatt eingerichtet. Früher betrieb Pauls Vater in der Garage ein Heizungsgeschäft. Heute wird hier gesägt, geklopft, und gepinselt. Der 42-Jährige ist Holzbildhauer. Mitte der 1990er Jahre erlernte er den seltenen Beruf, gefolgt von einem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Sein jüngstes Projekt heißt „Spaceman with fox“. Allen Werken aus dieser Reihe ist eines gemein: Man sieht einen Astronauten im weißen Raumfahreranzug, den ein weißer Fuchs begleitet. Zwei Exemplare aus der Reihe stehen an diesem Morgen im Atelier. Der Raumfahrer mit dem bunten Blumenstrauß in der Hand ist vor kurzem fertig geworden. „Spaceman with Fox, ... and Flowers“ hat Paul ihn genannt. Die Stämme bearbeitet er zunächst mit der Motorsäge. Manchmal kommt auch die Handsäge zum Einsatz. Für die Vertiefungen, Kerben und Konturen im Holz nutzt er einen seiner 50 Beitel.

Penibel hat er so beim Astronauten mit den Blumen die Falten herausgearbeitet, die der Raumanzug wirft. Für jedes noch so kleine Detail hat Paul den passenden Beitel. Das Helmvisier ist so bemalt, als ob sich die Umgebung darin spiegeln würde. Paul hat diesen „Spaceman with fox“ aus einem Birkenstamm gehauen. Die weiße Rinde um den Sockel hat er bewusst dran gelassen. „Der Birkenstamm könnte eine Mondlandschaft sein“, sagt der Bad Vilbeler. Vier Wochen hat er an dem Astronauten mit Blumenstrauß gearbeitet.

In den „Spaceman with fox, on the road“ steckte er deutlich mehr Arbeit. Paul hat den Raumfahrer auf eine Vespa gesetzt, den Fuchs hat er in diesem Fall aus einem separaten Holzstück gemacht. Nicht aus Birke, sondern aus Esche ist der ungewöhnliche Vespa-Pilot. Aus Eichenholz wiederum ist die Variante „Space-man with fox, check in“, die im neuen Hyatt-Hotel am Frankfurter Flughafen steht, das Anfang des Jahres eröffnete. Kein Raumfahrer ist wie der andere.

Die Idee zu „Spaceman with fox“ hatte Christof Paul vor zwei Jahren, als er mit seinem Schäferhund über einen zugefrorenen Acker lief. Der habe für ihn wie eine Mondlandschaft ausgesehen. Er selbst war bei den eisigen Temperaturen dick eingepackt – einem Astronauten ähnlich. Aus seinem Schäferhund wurde in Gedanken der weiße Polarfuchs. Wer in Sibirien, Spitzbergen und Alaska zurechtkommt, der kann das auch auf dem Mond, dachte sich Paul. „Der kann überall überleben, auch ohne Helm auf dem Mond.“ „Spaceman with fox“ war geboren.

15 Varianten des fantastischen Gespanns umfasst die Serie bislang. In Ausstellungen in der Frankfurter Galerie Barbara von Stechow und der Galerie Schimming in Hamburg waren einige zu sehen. Beim Publikum kommen der Astronaut und sein tierischer Freund gut an. „Ich könnte mehr verkaufen, als ich schaffen kann“, sagt Paul. Verantwortlich dafür ist seiner Meinung nach der Fuchs. Er mache den Raumfahrer zu einer besonderen Person. „Ohne den würde er nicht so einschlagen“, ist sich der gebürtige Frankfurter sicher.

Zurzeit arbeitet Paul an einem neuen „Spaceman with fox“. Diesmal wird es eine ganz einfache Figur, ohne Accessoires wie einen Blumenstrauß. Schon seit etlichen Tagen ist er dabei, das Lindenholz mit dem Beitel zu formen. Mit der Figur hat der Bildhauer etwas Besonderes vor. Erstmals will er einen Bronzeguss von Astronaut und Fuchs anfertigen lassen. Von Ende Februar an werde er für vier Wochen in der Galerie Barbara von Stechow in Frankfurt ausgestellt – neben den Varianten „On the Road“ und „With Flowers“.

Nach den Ausstellungen in diesem Frühjahr will sich Christof Paul wieder ans Werk machen. Der Künstler hat Großes im Sinn. Er habe einen 1,80-Meter-Spaceman in Arbeit, aus Nussholz.

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