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Die Main-Weser Bahnstrecke soll ausgebaut werden.
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Die Main-Weser Bahnstrecke soll ausgebaut werden.

Streckenausbau der Bahn

Angst vor mehr Güterzügen

Die Deutsche Bahn plant, die Strecke zwischen Frankfurt und Friedberg von zwei auf vier Gleise auszubauen. Bei den betroffenen Anwohnern kommt das nicht gut an. Auch das Aktionsbündnis Bahnane warnt vor dem Streckenausbau.

Von Rebecca Röhrich

Wir werden regelmäßig aus dem Bett gerüttelt“, sagt ein älterer Herr aus Ginnheim und zeigt die Rüttelbewegung mit seinen Armen. Er scheint verzweifelt. Bei der Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisses „Bahnane“ sind die Stühle im großen Saal des Bad Vilbeler Kurhauses fast alle besetzt. Der geplante Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Friedberg scheint die Menschen aus der Umgebung zu bewegen. Sie kommen aus Okarben, Bad Vilbel, Karben oder aus Ginnheim.

Die Deutsche Bahn (DB) plant, diese Strecke von zwei auf vier Gleise auszubauen. So könnte der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verbessert werden. Auch würde es nach dem Ausbau nicht mehr zu ständigen Verspätungen der S 6 kommen. So weit, so gut. Wenn es bei den Ausbauplänen nicht ein paar Probleme gäbe.

Die Bahnstrecke von Frankfurt über Bad Vilbel nach Friedberg schlängelt sich durch dichtbesiedeltes Gebiet. Bereits jetzt haben Anwohner es mit erheblichen Lärmbelästigungen zu tun. Auch müssen für die Verbreiterung der Strecke Bäume, Land und auch Teile von Grundstücken weichen. Vor kurzem sorgten Rodungsarbeiten zwischen Ginnheim und Bad Vilbel für Unmut. Laut Bahn waren diese Baumfällarbeiten lediglich „Vegetationsarbeiten“ zur Sicherung des Bahnverkehrs.

Diese Vorkommnisse kommen selbstverständlich bei den betroffenen Anwohnern nicht gut an und zeugen von einem erheblichen Misstrauen gegenüber dem bundeseigenen Verkehrsunternehmen. Diese Skepsis wird von Bahnane mit einer noch viel kritischeren These genährt. „Wir wollen belegen, dass es der Bahn bei dem Ausbau dieses Streckenabschnitts eigentlich darum geht, die Main-Weser-Bahn weiter auszubauen“, sagt Michael Hub, Sprecher der Initiative. Denn das eigentliche Ansinnen der Bahn sei es, eine Güterzug-Magistrale zu schaffen, die die Rheintal-Strecke entlasten soll. Dies belegt er mit zahlreichen Briefen, Auszügen aus Gutachten und sogar mit Eigenmaterial der DB.

Körperlicher Stress und Herz-Kreislauf-Probleme

Die Behauptung, dass es sich um den Ausbau des ÖPNV handele, versucht Hub vor allem mit einem wirtschaftlichen Argument zu entkräftigen: „Es ist unwahrscheinlich, dass 700 Millionen Euro investiert werden, damit eine S-Bahn pünktlicher und schneller ist“, so Hub. Aber es bleibt ein Indizienprozess, in dem sich das Aktionsbündnis darum bemüht, der DB die eigentlichen Absichten nachzuweisen. Zudem präsentiert Hub eine Prognose der DB, die besagt, dass sich das angebliche Ziel mit dem Streckenausbau gar nicht erreichen lasse. Demnach würde 2025 die Anzahl der S-Bahnen auf der Strecke stagnieren und die Anzahl der Regionalzüge sinken. Nur die Anzahl der Güterzüge würde steigen. Auch führt Hub ein Gutachten des Bundesverkehrsministeriums an, indem in einem Ausbau der Strecke Frankfurt – Friedberg „kein Nutzen für den Personennahverkehr“ gesehen werden kann.

Dann erklärt Aktionsmitglied Christian Böhm, Ingenieur für Messtechnik, wie die Messung von Lärmemissionen funktioniert. Er erklärt, dass die Bahn vor allem die vertikalen Schwingungen messe, die die nahe liegenden Häuser erschütterten, sobald ein Zug vorbeifahre. Seiner Ansicht nach seien aber die horizontalen Schwingungen ausschlaggebend. Diese könnten zu körperlichem Stress und auf Dauer zu Herz-Kreislauf-Problemen führen. Besonders vollbeladene Güterzüge würden erhebliche Emissionen verursachen. Wenn also die Zahl der Güterzüge, vor allem nachts, ansteige, bedeute das für die Anwohner der Bahnstrecke eine weitere Minderung der Lebensqualität.

Für Bahnane gibt es da eine weitaus sinnvollere Lösung: Man könne die Güterzug-Trassen neben die A 5 bauen. Dass dies die beste Lösung sei, sei auch in den Kommunen in Südhessen Konsens. Nach der dreistündigen Veranstaltung sind viele Besucher bestürzt über das, was sie erfahren haben. Ein Herr stellt die Frage, warum sich die Politik so blenden lasse. Die Antwort eines anderen Bürgers kommt prompt: „Du glaubst doch nicht, dass Politik und Staat gegeneinander arbeiten?“ Die Initiative hofft jetzt auf mehr Unterstützer.

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