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Theatermacherin Maria Ochs
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Theatermacherin Maria Ochs

Interview mit Theatermacherin Ochs

Am Anfang war Jo van Nelsen

Theatermacherin Maria Ochs aus Bad Vilbel spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über 20 Jahre Alte Mühle. Am Samstag, 30. April, ist Geburtstagsparty.

Frau Ochs, wie haben Sie sich in der Anfangszeit die Alte Mühle nach 20 Jahren vorgestellt?

Maria Ochs: Ich habe mir damals überhaupt keinen Plan gemacht, wie die Alte Mühle im 20. Jahr aussehen soll, weil ich es nicht gewohnt war, irgendwo so lange zu arbeiten. Dass ich so lange geblieben bin, liegt daran, dass die Arbeit so schön ist. Damals dachte ich, dass man das Programm noch ausbauen könnte. Wir machen heute wesentlich mehr Veranstaltungen. Und mit der Zeit ist die Alte Mühle in Bad Vilbel zu einer Institution geworden und aus dem Kulturleben nicht mehr wegzudenken.

Was ist das Erfolgsrezept des Hauses?

Hier sind mit Theater, Kino, Musikschule, Kunstverein und Restaurant-Café viele Kultureinrichtungen unter einem Dach. Es ist schön, mitzubekommen, dass das Haus lebt – als Zuschauer, aber auch als aktiver Musiker oder Künstler. Wenn hier im Saal zum Beispiel Pause ist, kann man einen Blick in die Künstlerwerkstatt werfen oder in der Musikschule wird noch geprobt…

Gab es diese Mischung von Anfang an?

Ja.

Können Sie sich noch an den ersten Künstler erinnern, der hier auf der Bühne stand?

Die Alte Mühle wurde von Jo van Nelsen eröffnet. Van Nelsen hat uns die ganzen 20 Jahre hindurch begleitet und ist fester Bestandteil unseres Programms.

Gibt es noch andere Künstler, die mit der Alten Mühle groß geworden sind?

Es sind ganz viele Leute hier aufgetreten, die jetzt ganz groß sind. Zum Beispiel Dieter Nuhr war hier vor 80 Leuten. Oder Urban Priol oder Eckart von Hirschhausen. Das sind alles Namen, die jetzt riesige Hallen füllen.

Die jetzt nicht mehr nach Bad Vilbel kommen?

Nein, das sind Spannen, die wir nicht erfüllen können. Aber es kommen andere Künstler nach. Unser Programm ist eine Mischung aus neuen Leuten, die wir aufbauen, und aus Bewährtem. Das ist das Schöne am langen Bleiben: die Beziehungen zu den Künstlern, die sich über die Jahre aufbauen. Das verschafft gemeinsamen Ideen Raum. Deshalb ist es oft ganz wichtig, nach der Vorstellung einfach noch ein bisschen zusammenzusitzen.

Was bestimmt viel Zeit kostet...

Die Zeit nehme ich mir, weil ich es für eine wichtige Aufgabe halte. Ich gucke mir alle Vorstellungen an, sehe und höre, wie das Publikum reagiert. Dieser Eindruck ist sehr wichtig für die künftige Programmgestaltung, um zu sehen, ob ein Programm vielleicht völlig an Bad Vilbel vorbeiging.

Haben sich Programm und Publikumsgeschmack mit der Zeit verändert?

Die Szene ist professioneller geworden. Auch die Planungszeiträume werden immer länger. Früher haben wir manchmal noch für den übernächsten Monat geplant. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen: 2011 ist bereits eingetütet.

Und inhaltliche Veränderungen?

Es gibt nach wie vor scharfes und gutes böses politisches Kabarett. Aber es gibt natürlich auch die immer größer werdende Comedy-Szene, die aber in der Alten Mühle nicht so stark vertreten ist. Wir haben oft den Flügel auf der Bühne.

Die Stadt Bad Vilbel muss sparen. Machen sich diese Einschnitte auch im Kulturprogramm bemerkbar?

Wir müssen sparen und sparen auch. Aber das Programm der Alten Mühle soll weitergeführt werden. Natürlich braucht so ein Theaterbetrieb Zuschüsse, doch wir versuchen, das in einem Maß zu halten, das sehr vertretbar ist. Das machen wir seit 20 Jahren so.

Woran spüren Sie den Sparkurs konkret?

Wir hatten früher auch eigene Produktionen hier. Die können wir nicht mehr auf die Beine stellen. Oder es werden Mittel für geplante Erneuerungen wieder aus dem Haushalt genommen. Dann haben wir eben ein Jahr länger keinen neuen Bodenbelag in der Remise. Solche Sachen wären wahrscheinlich vor 15 Jahren einfach gemacht worden.

Aber gefeiert wird der 20. Geburtstag trotzdem?

Natürlich! Zum 20. Geburtstag der Alten Mühle feiern wir heute Abend die Maionnaise. Das ist immer eine Riesenparty. Auf verschiedenen Ebenen sind alle Musikrichtungen vertreten.

Wer ist dabei?

Das Highlight ist, dass die seit zwei Jahren getrennten „U-Bahnkontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ noch einmal zusammenkommen. Auch die Kontrollöre würden dieses Jahr 20 Jahre alt, wenn sie denn noch zusammen wären. Dieser Auftritt wird aber eine einmalige Ausnahme bleiben.

Haben Sie für die nächsten 20 Jahre einen Wunsch für die Alte Mühle? Etwa einen Künstler, den Sie endlich nach Bad Vilbel kriegen möchten?

Diejenigen, die ich herkriegen wollte, habe ich schon gehabt. Mein Wunsch für die Zukunft ist eigentlich, dass die Szene lebendig bleibt. Ich finde es spannend, neue Leute zu entdecken und sie hier in der Alten Mühle mit aufzubauen.

Interview: Tina Full-Euler

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