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Durchdewald (links) und Weber in "ihrer" Altstadt.
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Durchdewald (links) und Weber in "ihrer" Altstadt.

Friedberg Altstadtsanierung

„Altstadt ist abgeschrieben“

  • Andreas Groth
    VonAndreas Groth
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In Friedberg hat sich die Bürgerinitiative Altstadtsanierung wieder zu Wort gemeldet. Lange Zeit war sie von der Bildfläche verschwunden. Fünf Monate vor dem geplanten Ende der Sanierung warnt sie die Hauseigentümer, sich auf Angebote des Sanierungsträgers einzulassen.

Immer wieder schütteln Friedrich Wilhelm Durchdewald und Peter Weber den Kopf, wenn sie durch die Friedberger Altstadt gehen. Sie deuten auf verschiedene kaputte Häuser, beschädigte Straßen und ungepflegte Beete. Sie wollen nicht wahrhaben, dass so das Ergebnis der Altstadtsanierung aussieht. Bald 30 Jahre läuft die schon. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sie im Januar 1985 beschlossen. Den Auftrag erhielt die Nassauische Heimstätte (NH). Ende des Jahres läuft das Projekt aus. Das Fazit von Durchdewald und Weber, die beide der Bürgerinitiative Altstadtsanierung (BI) angehören, ist desaströs.

„Wir hatten mal so viele Geschäfte in der Altstadt – alle weg“, sagt BI-Sprecher Durchdewald. Es gebe keine „seriösen Mieter“ mehr, die hierhin ziehen wollten. Dies hätten ihm Immobilienmakler bestätigt. Er zeigt einen E-Mail-Ausdruck: „Die Vermietsituation war noch nie schlechter als zurzeit“, steht da. Für BI-Mitstreiter Weber ist die Ursache eindeutig. „Das Sanierungsbüro hätte viel mehr Häuser kaufen müssen. Dann wäre der Einfluss gegeben, was damit passiert.“ Doch augenscheinlich sei die Stadt „vollkommen überfordert“ mit der Sanierung. Viele Verbesserungen seien so nur durch die Eigeninitiative der Hauseigentümer zustande gekommen.

Besonders verärgert ist die BI nun darüber, dass die NH inzwischen viele der betroffenen Besitzer zu Einzelgesprächen eingeladen hat. Sie sollen ihren Beitrag zur Sanierung zahlen. Durchdewald warnt die Hauseigentümer, vor dem offiziellen Beschluss des Stadtparlaments zur Beendigung des Projektes, Geld an die NH wegen sanierungsbedingter Wertsteigerungen zu überweisen. Die Stadtverordneten hatten seinerzeit beschlossen, dass die Eigentümer diese Ausgleichsbeiträge an die Stadt abzuführen haben. Deren Berechnung basiere aber auf fiktiven Zahlen nach dem sogenannten Niedersachsen-Verfahren für städtebauliche Missstände, sagt Durchdewald. Die Annahmen des Modells entsprächen aber nicht der Realität. Es gebe keine Wertsteigerungen. Die Enttäuschung ist Durchdewald anzumerken. „Hier war viel Potenzial“, sagt er.

Initiative will Infos zu Kosten

Nach Meinung von Weber hat die Stadt die Gassen links und rechts der Kaiserstraße denn auch längst abgeschrieben. „Es zählt der Elvis-Presley-Platz, es zählen die Neubaugebiete.“ Das einst so bekannte Friedberger Gasthaus „Zum Alten Mühlrad“ – für die BI-Gefährten ein trauriger Anblick. Das sei jetzt von „Wanderarbeitern“ belegt, jede Ecke des Hauses vermietet. Im Eingang des kleinen Fachwerkhauses hängen neun Briefkästen, übersät mit unzähligen Namensaufklebern. Gleich nebenan residiert das Stadtbauamt. Die Beete davor seien gepflegt, sagt Durchdewald mit einem Schmunzeln.

Trotz der Missstände beharrt die NH nach Aussage von Durchdewald aber auf ihrem fiktiven Bemessungsverfahren der Bodenwertsteigerung. Erst kürzlich hatte er die Hauseigentümer in einer Bürgerinformationsveranstaltung der BI gewarnt, in den Einzelgesprächen einer vorzeitigen Entlassung aus der Sanierung zuzustimmen. „Die Leut‘ sollen die Finger davon lassen.“

Durchdewald vermutet, dass die NH durch die frühzeitigen Einzelentlassungen aus dem Pool einen Aufschrei zum offiziellen Ende, wenn die Ausgleichsbeträge fällig werden, verhindern will. Die Stadtverordneten sollten nun beschließen, dass die Eigentümer nur für den tatsächlichen Aufwand mit einem „kleinen Erschließungsbeitrag“ zur Kasse gebeten werden. Zudem will die BI endlich wissen, wieviel Geld die Sanierung bisher gekostet hat. Das Parlament müsse darüber von der Stadtverwaltung Auskunft erhalten.

Die Stadt hat die ernste Lage derweil erkannt. „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes, Christiane Pfeffer. Die Situation sei „sehr verfahren“. Für den 13. August haben die Stadt und die NH daher ein Treffen mit der BI geplant. Inhaltlich wolle man sich bis dahin nicht mehr äußern. Die Gemüter müssten sich wieder abkühlen.

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