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"Indien" in der Alten Mühle

Theater

„Indien“ kommt in die Alte Mühle

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Die Proben für Josef Haders Tragikkomödie in der Alten Mühle Bad Vilbel laufen auf Hochtouren. Premiere ist am 3. Februar.

Wirtshäuser sind in der Regel Stätten der heiteren Begegnung. Nicht jedoch für Heinz Bösel und Kurt Fellner in der Tragikkomödie „Indien“, die kommende Woche in der Alten Mühle Premiere hat.

Für Bösel und Fellner ist das Gasthaus die Klammer einer Zwangsbeziehung des Alltags. Die beiden, gespielt von Thomas Kornack und Jens Wachholz, sind Inspektoren und prüfen Gasthäuser. Dabei ist Bösel zuständig für das Kulinarische, Fellner für die Gästezimmer. So unterschiedlich ihre Aufgaben, so verschieden ihre Charaktere. Das führt zu emotionalen Verwerfungen, bei denen man sich einerseits näher kommt und andererseits angewidert abstößt. Am Ende nimmt die Beziehung versöhnliche Züge an, allerdings unter traurigen Umständen.

Das Stück sprüht vor allem im ersten Teil vor bissiger Satire, schlägt heftig zwischen Komik und Ernst hin und her. Im zweiten Teil muss das Komische dem Tragischen Platz machen – wie so oft im Leben. Und welchen Platz hat darin der Name des Stückes? Der ergibt sich aus Fellners Sehnsucht nach dem Subkontinent.

Die Burgfestspiel-Mimen Jens Wachholz als schicker, intellektueller und eloquenter Fellner sowie Thomas Kornack in der Rolle des schlichten, (fast) immer vom Appetit und Durst geleiteten Bösel bringen mit Heinz Harth die Tragikkomödie auf die Bühne. Harth spielt die Figuren der Wirte, des Arztes und des Pfarrers.

Demokratie statt Harmonie

Statt klassischerweise einem hat das Stück gleich drei Regisseure, alle Akteure reden bei der Spielführung mit. Normal sei das nicht, meint Harth. „Das ist ein bisschen Wahnsinn, weil Demokratie in einem Theater nichts zu suchen hat“, erzählt er mit einem Augenzwinkern in der Probenpause. Er lässt erst gar nicht den Gedanken daran aufkommen, dass dabei nur Harmonie herrschte, wenn es um das Künstlerische geht. „Wir haben schon bei den Proben geschrieen“, berichtet er.

Kennen gelernt hat sich das Trio bei den letztjährigen Burgfestspielen in der Produktion „Kalender Boys“. „Es war Liebe auf das erste Wort“, schwärmt Harth scherzhaft. In der Folge haben sich die drei zu einem Ensemble zusammengeschlossen, das sich Theater2011 nennt. Die Idee zu einer eigenen Inszenierung sei ihnen bei einem Freibadbesuch gekommen, berichtet Jens Wachholz, der „Indien“ bereits einmal im Repertoire hatte.

Aber nicht nur deshalb hat sich das Trio für dieses Stück entschieden. Für die freiberuflichen Schauspieler mussten die Ausgaben überschaubar bleiben. Wachholz spricht von einer Low-Budget-Produktion, bei der sie sehr viel Unterstützung vom Vilbeler Kulturamt erhielten. Reduzierung auf das Notwendige auch bei den Kulissen schadet dem Stück in der Fassung von Harth, Kornack und Wachholz absolut nicht, wie die Probeneindrücke zeigen.

Die Vilbeler Uraufführung weicht von der Handlung der Vorlage kaum ab. Allerdings wurde das Geschehen aus der Alpenrepublik an irgendeinen Ort in Deutschland verlegt. Den österreichischen Dialekt mit seinem ganz eigenen Wortschatz und gelegentlichen Abweichungen in der Grammatik bekommt das Publikum somit nicht zu hören – nicht zuletzt, weil das Stück auch in Aachen gespielt werden können soll. Ganz reines Hochdeutsch soll es voraussichtlich zumindest für die Figur Bösel aber nicht geben. „Es passt zu seinem Charakter, wenn er vielleicht etwas ins Hessische, Pfälzische rutscht“, sagt Thomas Kornack, der aus Leipzig stammt. Man wird es Anfang Februar hören.

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