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20-Jährige gut bei Literaturwettstreit

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Von: Petra Zeichner

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Im Garten am Haus findet Anne Wiffler Inspiration.
Im Garten am Haus findet Anne Wiffler Inspiration. © Rolf Oeser

Mit ihrer Kurzgeschichte „Die Befreiung der Marionette“ ist Anne Wiffler unter den ersten 20 beim Ovag-Jugendliteraturpreis. In dem Text thematisiert sie, wie sich eine Puppe von der Vorherrschaft eines Puppenspielers emanzipiert. Auch ein Zombie-Roman ist in Arbeit.

Eine Marionette, die sich im Verlauf der Geschichte von ihren Fäden, von ihrer Abhängigkeit zu anderen befreit.“ So fasst die Bad Vilbelerin Anne Wiffler ihre Kurzgeschichte „Die Befreiung der Marionette“ zusammen. Mit ihr hat sie beim Ovag-Jugendliteraturpreis gewonnen. Sie sei irgendwo zwischen den Plätzen vier und 20, habe man ihr telefonisch mitgeteilt. Genaueres erfährt sie am 22. September bei der Preisverleihung.

„Und ich, ich sitze nur da und starre ihn aus ausdruckslosen Augen an. Sagen kann ich nichts. Er ist meine Stimme. Bewegen kann ich mich nicht. Er ist mein Fadenführer.“ In kurzen Hauptsätzen beschreibt die Autorin das Leben der Puppe. Nebensätze sind selten. Dieser Schreibstil verleiht dem Text Tempo, an manchen Stellen so viel davon, dass der Leser fast atemlos wird.

Doch ist es genau dieses Tempo, das die Spannung bis zum Ende ausmacht. „Angewidert befreie ich mich von meinen Fäden, indem ich sie zerreiße und in die Wogen werfe...von nun an bin ich mein eigener Puppenspieler“, heißt es dort. Wie ein Bühnenstück hat die Autorin die Geschichte aufgebaut – am Anfang hebt sich der Vorhang, am Ende fällt er.

Wie sie auf die Idee für die Geschichte kam? „Ich habe mich einfach hingesetzt und angefangen zu schreiben“, sagt sie. Und dass sie das so „einfach“ tat, nimmt man der 20-jährigen Germanistikstudentin gerne ab. Denn das war nicht das erste Mal, dass sie Literatur verfasste.

Auf einer Online-Plattform für fanfiction ist sie ebenfalls aktiv. Fanfiction bezeichnet Literatur, deren Verfasser sich an bereits veröffentlichten Werken orientieren. Sie greifen auf die dortigen Charaktere zurück und spinnen die Geschichten weiter. Wiffler schreibt Fantasy-Geschichten und orientiert sich dabei an japanischen Anime-Serien, das heißt Animationsfilmen.

Zombie-Apokalypse in Arbeit

Außerdem arbeitet sie an einer „Zombie Apokalypse“, die in Bad Vilbel handelt. Daraus solle ein ganzer Roman werden, sagt sie. Spannend ist er offenbar schon jetzt im Entwurf. Freundinnen hätten ihr nämlich bekundet, dass sie sich nachts in Bad Vilbel gruselten, seit sie die Zombie-Kapitel gelesen hätten. Damit nicht genug. „Kurzgeschichten gehen immer“, meint die Hobby-Autorin und schiebt sogleich nach: „Neben Prosa schreibe ich auch gerne Gedichte.“

Im dritten Semester ihres Bachelor-Studiums angekommen hat sie trotz alledem noch Zeit für weitere Hobbys. Sie malt und musiziert. Geigenunterricht hat sie alle zwei Wochen, zu mehr reiche die Zeit nicht. Gerne treffe sie sich mit Freunden, um gemeinsam zu jammen. Und ihren ersten Berufswunsch, Archäologin, hat sie ebenfalls zum Hobby gemacht. Ehrenamtlich arbeitet sie im Wetterau-Museum in Friedberg bei der Kreisarchäologie mit.

Hauptberuflich strebt sie einen Job in der Sprachwissenschafts-Forschung an. Obwohl ihr Herz für etwas anderes schlägt: „Mit dem Schreiben, das wäre klasse, wenn das klappen würde.“

Auch einige Tipps hat die Vielschreiberin parat für solche, die erst damit anfangen. „Rausgehen und sich Inspiration suchen, viel lesen und viel schreiben.“ Und habe man dann etwas zu Papier gebracht, empfehle sich der zeitlich Abstand zu einer dann folgenden Überarbeitung. Man selbst sei blind für Fehler, wenn man zu sehr in der Geschichte drin sei.

Ihre eigenen Ideen hat die junge Frau meistens vor dem Einschlafen, beim Duschen oder Musik hören. Dann hält sie nichts mehr im Bett. „Ich springe raus und schreib es auf.“

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