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Das Ein-Euro-Ticket war in Karben zu erfolgreich - also wird es abgeschafft. 

Karben

Das 1-Euro-Ticket wird in Karben wieder abgeschafft

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Weil zu viele Zeitkartennutzer zum billigeren Einzelfahrschein gewechselt sind, sind die Kosten für die Stadt zu stark gestiegen.

Das Ein-Euro-Ticket für die innerstädtische Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wird ab dem kommenden Jahr Geschichte sein, so haben Politik und Stadt entschieden. Der Grund klingt zunächst paradox, das Ticket war einfach zu erfolgreich, allerdings bei einer nicht erwarteten Klientel. Viele Zeitkartennutzer sind auf den Einzelfahrschein umgestiegen, um ein paar Euro zu sparen. Mit einer Preiserhöhung beim Einzelticket und einer Preissenkung bei den Zeitkarten erhofft sich die Stadt nun eine bessere Lenkungsfunktion. Fahrgastverbände und der RMV sehen jedoch Insellösungen wie in Karben skeptisch.

Ab 2020 werden der Einzelfahrschein für die Fahrt in alle Stadtteile für Erwachsene 1,50 Euro, die Wochenkarte zwölf Euro und das Monatsticket 40 Euro (für Kinder ein, neun und 32 Euro) kosten. Damit sollen Pendler wieder die Zeitkarte favorisieren. Dem Vernehmen nach sollen bislang knapp einhundert ÖPNV-Nutzer ihre Zeitkarte zugunsten des billigeren Einzelfahrscheins abgegeben haben.

Die Folge: Der städtische Zuschuss, um die Preisdifferenz zum regulären RMV-Tarif auszugleichen, stiegt von 60 000 in 2017 auf 84 000 Euro im Jahr darauf. Der reguläre RMV-Tarif würde in Karben 2,75 bis 4,95 Euro betragen, letzteres weil Petterweil in einer anderen Tarifzone liegt.

Die Stadt geht davon aus, dass mit der neuen Preisstruktur der Zuschuss nicht mehr steigen wird, sagt Ekkehart Böing, Verkehrsexperte der Stadt. Der wachsende Individualverkehr im Stadtgebiet mache es nötig, über einen günstigen Fahrpreis auch Gelegenheitsfahrer zum Umstieg auf den ÖPNV zu motivieren. Wie viele neue Fahrgäste das Ein-Euro-Ticket gebracht hat, sei ob der aufwendigen Ermittlung jedoch nicht darstellbar, heißt es.

„Am Beispiel Karben zeigt sich, dass der RMV nicht - wie oft behauptet wurde - finanziell von lokalen Ein-Euro-Fahrkarten profitiert: Die zusätzlich verkauften Fahrkarten gleichen die geringeren Einnahmen nicht aus“, teilt RMV-Pressesprecherin Vanessa Rehermann mit. Und, „eine solche alleinige Subventionierung von Einzelfahrkarten läuft der grundsätzlichen Strategie im öffentlichen Nahverkehr zuwider, die auf regelmäßige Nutzung setzt“. 

Kartenkauf kostet Zeit 

Christian Behrendt von Pro Bahn & Bus Hessen findet die Intention der Stadt Karben nachvollziehbar. Aber Einzelfahrscheine, besonders wenn sie von Pendlern ob des geringeren Preises genutzt werden, erhöhten möglicherweise nicht nur den kommunalen Zuschuss, sondern verursachten auch einen höheren Aufwand bei der Abrechnung, so Behrendt. Mit dem Fahrscheinkauf beim Fahrer gerate zudem der Fahrplan unter Druck.

Bei der Fahrgastvertretung Pro Bahn werden die gleichen Einwände vorgebracht. „Mit dem Zeitkartenverkauf kann der RMV auch besser kalkulieren“, bemerkt Wilfried Staub vom Regionalvorstand. Die sinnvollere Lösung sieht er in der „Flatrate“. In Berlin etwa gebe es diese für Senioren zu einem sehr günstigen Preis. „Die Rechnung geht dennoch auf, weil diese Leute die Karte nicht jeden Tag nutzen“, sagt Staub.

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