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Künftig werden auch Obstbauern und Landwirte mehr bewässern müssen.
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Künftig werden auch Obstbauern und Landwirte mehr bewässern müssen.

Energieversorgung

Wetterau: Eine Wasserampel als Warnsystem

Ovag-Projekt soll über die Verfügbarkeit des Lebensmittels informieren.

Die Oberhessische Versorgungsbetriebe Gesellschaft (Ovag) als kommunale Wasserversorgerin hat für die Kommunen, die an ihrem Versorgungsnetz hängen, eine Wasserampel entwickelt. Diese informiert mit den üblichen Ampelfarben Grün, Gelb und Rot über die Verfügbarkeit von Trinkwasser aus den Gewinnungsgebieten. So könnten die Kommunen frühzeitig auf den Verbrauch Einfluss nehmen und Bürgerinnen und Bürger zu einer verantwortungsvollen Nutzung bewegen, erläutert Ovag-Vorstand Joachim Arnold das Projekt.

Im vergangenen Jahr wurde die Einführung vorbereitet, nun ist die Ampel freigeschaltet. Zu sehen ist sie beispielsweise auf der Ovag-Homepage. Dort werde die Grundwasserverfügbarkeit jeweils für den aktuellen Monat sowie die drei folgenden angezeigt. Die Farben signalisierten, so Arnold, wie die Ovag die Verfügbarkeit einschätzt.

Aktuell steht die Ampel auf Gelb – das bedeute eine „mäßige Grundwasserverfügbarkeit“. Grün bedeute eine „gute“ und Rot eine „kritische“ Verfügbarkeit – „was aber nicht heiße, „dass es kein Trinkwasser gibt“, sagt der Ovag-Vorstand.

Wassergewinnung

Aus mehr als 20 Brunnen bezieht die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (Ovag) mit Sitz in Friedberg ihr Wasser. Die Brunnen liegen in neun Fördergebieten in der Wetterau und im westlichen unteren Vogelsberg. Die Versorgungsbetriebe sind auf die regelmäßige Neubildung des tiefen Grundwassers angewiesen. Diese ist abhängig von den Niederschlägen der vorangegangenen Jahre. Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) kritisiert die Wasserlieferungen der Ovag. Denn das Versorgungsunternehmen liefert nicht nur in die heimischen Landkreise, in denen Wasser gewonnen wird, sondern auch nach Frankfurt. Das müsse reduziert werden, heißt es vonseiten der SGV, da sich die Stadt Frankfurt versorgen könnte – etwa mithilfe des Wasserwerks Hattersheim, das jedoch aktuell im Standby-Betrieb laufe. sda

Der Umgang mit den Informationen sei Sache der Kommune; die Ovag stelle nur als Dienstleisterin Wasser zur Verfügung, stellt Arnold klar. Doch auch sie könne die Lieferung nur soweit ermöglichen, wie es Wasserrecht und Auflagen des Landes zuließen. Was die Kommunen betrifft, könnten diese unterschiedlich reagieren, beginnend auf freiwilliger Basis – etwa mit dem Appell, bei niedrigen Grundwasserständen das Auto nicht mit Trinkwasser zu waschen. Im Zweifelsfall sei die Lieferung zu drosseln.

Das Ampelsystem der Ovag stößt bei der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) auf Bedenken. „Das Kernproblem der Ovag-Ampel ist die Farbe Grün – die darf es im sich immer mehr beschleunigenden Klimawandel nicht mehr geben“, sagt Vorstandsmitglied und Ökologe Hans-Otto Wack. Ein Warnsystem für Grundwasserstände sei zwar grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, doch Grün symbolisiere, „du kannst hier durchrauschen“ – und, übertragen auf das Wasser – es läuft, alles bestens. „Das ist es aber nicht“, sagt Wack. Grenzgrundwasserstände würden bald erreicht. Niemand könne voraussagen, ob und wann sich die abgesunkenen Grundwasservorräte auffüllen oder wann sie erneut sinken. Zudem, so kritisiert die SGV, dürfe die Ovag als Unternehmen, das mit Grundwassergewinnung und Wasserhandel Geld verdiene, nicht entscheiden, ob eine ausreichende Verfügbarkeit gegeben sei.

Ovag-Vorstand Arnold nennt die Kritikpunkte „Unfug“: Die Aufsichtsbehörden hätten jederzeit Einblick in die Grundwassermessstellen. Zur Kritik an den Ampelfarben sagt er: Auch bei Grün gebe es Einschränkungen. Die Ampel sei eine präventive Maßnahme. „Das heißt aber nicht, dass Wasser für alle möglichen Zwecke zur Verfügung steht.“ Als Lebensmittel Nummer eins allerdings schon.

Dass aus der Perspektive der Trinkwasserversorgung genügend Wasser da ist, weiß auch Hans-Otto Wack. „Nur ist die Frage, ob das auf Kosten des Naturraums gehen soll.“ Künftig werde es immer mehr Landwirte geben, die in der Anwuchsphase bewässern müssten. „Das heißt, die Konkurrenz um das verbleibende Grundwasser wird stärker. Und wenn das Recht des Stärkeren gilt, fällt die Natur hinten runter.“

Die SGV setze sich für die Vereinbarkeit von Versorgung und Naturschutz ein.

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