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Neuer Herr auf Burg Frankenstein: Ralph Eberhardt. Monika Müller

Darmstadt-Dieburg

Werwolf wird Burgherr

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Nach 43 Jahren hat die Burg Frankenstein einen neuen Pächter. Einiges soll so bleiben wie es ist, aber das Angebot wird erweitert, beispielsweise um Krimi- und Zauber-Dinner.

Früher war er Werwolf, Gefolterter und Henker. Jetzt ist er Herr der Burg Frankenstein. „Für mich ist das alles noch etwas surreal“, sagt Ralph Eberhardt. Gerade hatte der 43-jährige Griesheimer Vertreter des Landes Hessen zu Besuch. Denn das Gemäuer südlich von Darmstadt im Mühltal ist im Besitz des Landes. Die 1252 erstmals erwähnte Burg ist für ihr alljährliches Halloween-Festival bekannt. Mit dem Pächterwechsel sollen auch einige Schönheitsreparaturen an dem Restaurantgebäude aus den 70er Jahren vorgenommen werden.

Auch die Angebote auf der Burg sollen erweitert werden. „Wir wollen das Altbewährte behalten und darauf aufbauen“, sagt Eberhardt, der 1994 als Securitymitarbeiter bei Halloween begann, später während des Festivals in verschiedene Rollen schlüpfte und seit 2006 im Organisations-Team ist. Von Beruf ist er Versicherungsfachwirt und derzeit noch in Wiesbaden tätig. Ende April übernahm er offiziell die Geschäfte von Mathias Bührer, der die Burg 43 Jahre führte.

Eberhardt ist nun Geschäftsführer und Inhaber der Burg Frankenstein Restaurant- und Event GmbH sowie der Halloween Veranstaltungs GmbH. Mit seinem Freund Oliver Heist, dem Restaurant- und Eventmanager Sebastian Gerhard und Sven Gröhling als Betriebsleiter des Restaurants, führt er den Betrieb auf der Burg. Dabei hat sich der neue Burgherr ambitionierte Ziele gesteckt. Denn zehn Wochen Halloween-Spektakel mit 25 000 Gästen reichen ihm nicht: „Was machen wir in den restlichen 40 Wochen des Jahres?“ Die Burg biete mehr als den Mythos.

Angeblich soll die britische Schriftstellerin Mary Shelley auf einer Reise von der Burg für ihre gleichnamige Figur des Doktor Frankenstein inspiriert worden sein. „Belegt ist aber nur, dass sie in Gernsheim war“, sagt Eberhardt. Dagegen sei sicher, dass der 1673 auf der Burg geborene Theologe, Alchemist und Arzt Johann Konrad Dippel Versuche mit Schwarzpulver in einem der Türme machte. Außerdem gibt es auf dem ehemals von Kelten genutzten Areal Magnetsteine. Das Ambiente stimmt also, denn Eberhardt will nicht nur den alltäglichen Restaurantbetrieb ausweiten, sondern auch die Dinner-Shows: Neben dem bekannten Grusel-Dinner können künftig Krimi- und Zauber-Dinner gebucht werden. Außerdem soll öfter Live-Musik im Burghof erklingen: Der Sundowner-Abend wird um zwei Termine erweitert. „Dabei wird jazzige, chillige Musik gespielt“, sagt Eberhardt. Das Thema Entspannung ist ihm wichtig. Er deutet in Richtung Frankfurt, das man von der Burgterrasse am Horizont ausmachen kann. „Diese Weite hilft beim Entspannen“, schwärmt er.

Mit dem einmaligen Ambiente will er mehr Besucher hinauf in 370 Meter Höhe locken. Zum Beispiel auch mit Yoga im Apfelgarten. Außerdem wünscht sich Eberhardt, dass Vereine, Künstler und Organisationen auf ihn zukommen, um Events auf der Burg zu veranstalten. Die Ruine mit ihren Innenhöfen, Terrassen und Treppen biete sich für Ausstellungen, Konzerte und dergleichen an. „Es gibt sicher viele Gruppen, die sich hier einbringen könnten“, so Eberhardt. „Denen möchte ich den Freiraum geben.“

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