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Rettungswagen müssen schnell da sein.

Rettungsdienste

Wenn Notfallsanitäter in Hessen fehlen

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Sozialminister Klose bestätigt das Problem in vielen Regionen Hessens. Die Notfallversorgung sei aber gesichert. Die Kommunen suchen nach Lösungen.

Die Rettungsdienste in Hessen haben Personalprobleme – und die wirken sich aus. In manchen Orten können Rettungswagen nicht mehr regelmäßig mit Notfallsanitäterinnen oder -sanitätern besetzt werden.

Im August hatte der Hessische Rundfunk berichtet, dass es diese Schwierigkeiten in Offenbach und Wiesbaden gebe. Aber das Problem ist größer, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtags einräumen musste.

In neun Großstädten oder Landkreisen könnten „einzelne Schichten“ wegen Personalmangels nicht besetzt werden oder es würden Einsätze mit Krankentransportwagen gefahren, berichtete Klose. In den Krankentransportwagen sind keine Notfallsanitäter an Bord, sondern die geringer qualifizierten Rettungssanitäter. Die Probleme beträfen Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Kassel und Gießen sowie die Wetterau, den Rheingau-Taunus-Kreis, den Lahn-Dill-Kreis und den Werra-Meißner-Kreis, zählte der Minister auf. Die SPD hatte danach gefragt.

Dennoch, versicherte Klose, sei „die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Notfall nach wie vor gesichert“. Notfallwagen kämen im Schnitt sogar schneller vor Ort an als früher.

In zehn Minuten soll im Notfall der Rettungswagen da sein. Hessen peilt an, diese Vorgabe in 90 Prozent der Fälle zu erreichen.

In den Großstädten wird dieser Wert erreicht. Er liegt nach Angaben des Sozialministeriums in Frankfurt bei 90 Prozent, in Offenbach bei 93 und in Wiesbaden über 95 Prozent.

In ländlichen Gebieten wird der Wert meistens verfehlt. Im Landkreis Fulda erreichen die Retter nur in gut 82 Prozent der Fälle das Ziel. pit

Stefan Scheidmantel aus seinem Ministerium berichtete von der Tendenz, dass immer häufiger Einsätze mit dem Rettungswagen angefordert würden. Dies sei aber nicht immer notwendig, manchmal reiche auch ein Krankenwagen. 

Die Stadt Frankfurt habe als erste ein Projekt mit einem für den Notfall ausgestatteten Krankentransportwagen begonnen und damit „sehr gute Ergebnisse“ erzielt. Die Patientinnen und Patienten seien „sicher behandelt und ans Ziel gebracht“ worden, resümierte Scheidmantel. Zugleich habe der Rettungswagen für längere Zeiträume für Notfälle zur Verfügung gestanden.

Der Personalmangel hängt offenbar mit einer Umstellung der Ausbildung zusammen. Früher wurden Rettungsassistenten zwei Jahre lang ausgebildet. Jetzt gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter. Derzeit wird sie nach Kloses Angaben von 300 Männern und Frauen absolviert. Außerdem können sich Rettungsassistenten für die neue Funktion weiterbilden lassen.

Ursprünglich war geplant, dass alle Notfallwagen von 2022 an mit einem Notfallsanitäter besetzt werden. Klose will diese Frist nach eigenen Angaben bis 2025 verlängern.

Die SPD-Abgeordnete Daniela Sommer urteilte, die Kapazitäten für die Ausbildung reichten nicht aus. Hier habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren „versäumt, die Ausbildungskapazitäten an die Auswirkungen des neuen Gesetzes anzupassen“.

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