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Gefährlich für andere Fische, wenn sie Viren übertragen: japanische Koi-Karpfen.

Ausgesetzt oder verwildert

Wenn Exoten heimisch werden

Tiere aus fernen Ländern machen hiesigen Arten zu schaffen.

Von DANIEL KISTER

Zierfische können zur Gefahr für heimische Arten werden. Das zeigte sich kürzlich in der Lahn. Hier übertrugen Koi-Karpfen das ansteckende Koi-Herpesvirus. Einige heimische Karpfen verstarben.

Experten vermuten, dass die Zuchttiere ausgesetzt worden sind. Trugen bisher vor allem Koi-Karpfen von Hobbyhaltern das Virus in sich, so belegt dieser Fall erstmals Krankheitsfälle in hessischen Fließgewässern. Für den Menschen und andere Tierarten besteht keine Gefahr.

"Oftmals werden die Fische zu groß für den kleinen Gartenteich", beschreibt Sonja Niebergall von der Wildtierpflegestation Maintal ein mögliches Motiv der Halter. Und Stefanie Graff vom Veterinäramt Gießen, weiß von einem momentanen Preisverfall der ansonsten teuren Koi-Karpfen. "Zierfische dürfen nicht einfach so in offene Gewässer ausgesetzt werden", mahnt Graff. Zuwiderhandlungen verstießen gegen das Tierschutzgesetz.

Schmuggel in den Palmengarten

NebAuch im Frankfurter Palmengarten würden häufig Tiere ausgesetzt, weiß Niebergall, die hier Orchideengärtnerin ist. Sie schätzt, dass jährlich rund zehn Wasserschildkröten ins Mangrove-Haus und andere Gewächshäuser geschmuggelt würden. "Das hört sich zwar wenig an. Die Schäden, die die Tiere hier hinterlassen, sind aber enorm." Die Schildkröten fressen "die ganzen Seerosenknospen ab".

In der freien Natur seien solche exotischen Rotwangenschildkröten vor allem dort ein Problem, wo sie zur Konkurrenz für die europäische Sumpfschildkröte werden, ergänzt BUND-Naturschutzexpertin Heidrun Heidecke.

Zur Konkurrenz für die heimischen Frösche würden mancherorts die Ochsenfrösche, die viel größer würden. "Lange Zeit wurden diese exotischen Frösche als nette Tierchen für den Teich verkauft. Als sie den Besitzern auf die Nerven gegangen sind, wurden sie ausgesetzt." Diese vereinzelt auftretenden Frösche fräßen "mehr oder weniger alles, was lebendig ist und eine bestimmte Größe nicht überschreitet", fügt NABU-Artenschutzexperte Magnus Herrmann hinzu. Die Tiere würden in den meisten Bundesländern aktiv bekämpft.

Ein weiterer exotischer Wasserbewohner ist der amerikanische Flusskrebs, der vom Menschen eingeführt wurde. "Diese Krebsart ist robuster als der europäische Flusskrebs. Außerdem hat der amerikanische Flusskrebs Krankheitserreger eingeschleppt, die der europäischen Art zu schaffen machen", sagte Herrmann.

Aggressive Nilgänse

Wegen besserer Wasserqualität habe sich die Population der europäischen Flusskrebse aber wieder leicht erholt. Durchsetzungsstark sind auch die exotischen Nilgänse, die ursprünglich aus Afrika stammen und in den achtziger Jahren von Tierliebhabern nach Deutschland gebracht wurden. Sie seien nicht ausgesetzt worden, sondern abgezogen und verwildert. "Diese Gänse sind sehr aggressiv und vertreiben die einheimischen Arten. Auch Enten, Teichhühner und Haubentaucher werden vertrieben", erklärt Niebergall. So hätte eine Nilgansmutter im Palmengarten fast eine Ente ertränkt, wäre nicht ein Pfleger eingeschritten. Auch in anderen wassernahen Regionen seien die Nilgänse ein Problem. Wie bei den Koi-Kapfen sei auch hier eine Artenverfälschung zu beobachten, berichtet Niebergall.

Ausgerissene Sittiche hätten sich mancherorts gar zu Kolonien entwickelt, weiß die BUND-Expertin Heidecke. So ist beispielsweise im Wiesbadener Ortsteil Biebrich eine solche exotische Vogelschar anzutreffen.

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