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Von: Kim Luisa Engel

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Sowohl die Butzbacher als auch die Friedberger Tafel haben einen Aufnahmestopp verhängt. merz © Nicole Merz

Peter Wiedow von der Friedberger Tafel sagt: "Wenn der Krieg beendet wäre, wäre die Lage sicherlich entspannter." Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine sind mehr Tafel-Kunden dazugekommen. "Garantiert um die 80 ukrainische Familien", meint Wiedow. "Wir sind am Ende mit unseren Lebensmittelkörben." Es herrsche Aufnahmestopp im Laden in der Kleinen Klostergasse.

Das hat die Tafel bereits im Mai auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Vor dem Stopp konnten sich dienstags neue Klienten registrieren, es seien bis zu 30 Kunden gekommen. "Das haben wir zwei Mal gemacht, dann war Schluss", erläutert Wiedow. Es seien zu 95 Prozent Ukrainer, die sich neu registrieren ließen. Zwar kämen auch Einheimische, die wegen der Inflation und steigenden Energiekosten weniger Geld in der Tasche hätten, die Mehrheit seien aber Geflüchtete.

"Es befinden sich gerade etwa 100 Kunden auf der Warteliste", sagt Wiedow. Fehlen bestehende Kunden drei Mal hintereinander, werden sie für ein halbes Jahr gesperrt. Erst dann könne jemand nachrücken. "Jeden Montag, Mittwoch und Freitag lassen sich Leute für die Warteliste registrieren."

Auch die Butzbacher Tafel hat seit ein paar Monaten Aufnahmestopp. Vor etwa einem Jahr hatte die Tafel - die die Stadt, alle Stadtteile, Münzenberg, Rockenberg und Langgöns versorgt - etwa 650 Kunden. Mittlerweile ist die Zahl auf 750 angewachsen, sagt Schriftführer Wolfgang Effinger. Ziel sei es jetzt, wieder auf 650 Klienten zurückzukommen. "Das ist die Zahl, die wir verkraften können", sagt Effinger.

Fluktuation gebe es immer, zum Beispiel wenn Geflüchtete wegzögen oder Hartz-IV-Bezieher einen Job fänden. Kurzzeitig hatte die Butzbacher Tafel auch eine Warteliste gehabt. Da aber keiner sagen könne, wann die Kunden nachrückten, sei diese wieder geschlossen worden. "Wir wollten ihnen nicht unnötig Hoffnung machen", erläutert Effinger.

Die Situation hat sich für viele Menschen verschlechtert, sagt er. Die Zahl der Kunden sei sprunghaft angestiegen, als die Geflüchteten aus der Ukraine kamen. Von den 100 Kunden, die die Tafel dazubekommen hat, sei der größte Teil aus der Ukraine. "Das hat letztlich auch den Aufnahmestopp ausgelöst." Zudem habe es einen Einbruch bei Lebensmittelspenden gegeben. Schon länger optimieren Supermarkt-Ketten ihre Warenhaltung, sagt Effinger. Gehe man spätnachmittags oder abends durch einen Markt, seien die Regale oftmals so gut wie leer.

HELFENDE GESUCHT

Der Friedberger Tafel mangelt es an Fahrenden und Beifahrenden für die Autos. "Da hätten wir gerne noch mehr", sagt Peter Wiedow. Die Altersstruktur macht vielen Tafeln zu schaffen, oft sind es Rentner, die helfen. Die ältesten Ehrenamtlichen in Friedberg seien 86 Jahre alt. "Die kommen immer wieder, die können nicht anders", sagt Wiedow (Kontakt: Tel. 0 60 31/6 84 46 24; info@friedberger-tafel.de).

Man habe grundsätzlich immer Bedarf an Helfenden, sagt auch Wolfgang Effinger aus Butzbach (Kontakt: Tel. 0 60 33/7 48 71 77; info@tafel-butzbach.de). keh

Die Preissteigerungen und damit verbunden eine Kaufzurückhaltung, vermutet er, haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass Supermärkte anders kalkulierten. "Da darf man sich nicht wundern, dass am nächsten Tag weniger für die Tafeln übrig bleibt." Deshalb seien die Tafeln im Moment in einer schwierigen Situation - in ganz Deutschland.

Die gespendete Ware für die Friedberger Tafel, gerade Obst und Gemüse, habe aus demselben Grund abgenommen. Deswegen kommt laut Wiedow von großen Ketten etwas weniger. "Trockenware gibt es sowieso nicht", was daran liege, dass Reis oder Nudeln ein längeres Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) haben. "Im Großen und Ganzen kommen wir aber noch hin", resümiert er.

Die Butzbacher Tafel habe solche Waren meist durch Privatleute oder Spenden-Aktionen erhalten. "Damit konnten wir unsre Notvorräte aufstocken, wenn das frische Zeug mal nicht ausgereicht hat." Doch nun seien die Bestände an Haltbarem fast leer. Frischware gebe es zurzeit deutlich weniger. Die Spendenbereitschaft für die Friedberger Tafel ist in etwa gleich geblieben, von privater Seite laut Wiedow sogar etwas höher. In Butzbach sei man dankbar für alle Spenden, in jüngster Zeit seien wieder mehr eingegangen. Effinger glaubt, dass das auch mit der Aufmerksamkeit der Medien zu tun hat.

Zwar gebe es Entlastungspakete und Zuschüsse vom Bundesverband und der Tafel Hessen, jedoch müssten sich die Tafeln generell selbst finanzieren - und seien auf Spenden angewiesen. "Wir können uns aber insgesamt nicht beklagen", sagt Effinger, "wir werden finanziell nicht alleingelassen."

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