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Trotz Wohnungsnot in Ballungsräumen sind im ersten Quartal 2019 weniger neue Wohnungen bewilligt worden als vor einem Jahr.

Wohnungsnot

Weniger Wohnungen in Hessen genehmigt

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Wirtschaftsverbände schlagen Alarm: Rückgang vor allem in Hessens großen Städten.

Die Wohnungswirtschaft schlägt Alarm, weil der Wohnungsbau wieder leicht zurückgeht. Nachdem es in den Jahren 2016 und 2017 Rekordzahlen bei den genehmigten Wohnungen in Hessen gegeben hatte, sank deren Zahl im vergangenen Jahr leicht.

Die Zahl der genehmigten Wohnungen hatte 2016 und 2017 jeweils fast 26 000 erreicht. Im Jahr 2018 waren es noch 24 900. Der Sprecher der hessischen Wohnungswirtschaft, Axel Tausendpfund vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, sprach am Dienstag in Frankfurt von einem „erheblichen Dämpfer“. Dabei werde ein weiterer Aufwärtstrend im Wohnungsbau dringend benötigt.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts wurde 2018 in Hessen der Bau von 6796 neuen Wohngebäuden mit rund 24 900 Wohnungen genehmigt. Angesichts eines errechneten Wohnungsbedarfs von 37 000 benötigten neuen Wohnungen pro Jahr sei dies „eine bedenkliche Entwicklung“, sagte Tausendpfund. Er spricht für die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände Hessen (AWI).

„Bedenkliche Entwicklung“ setzt sich 2019 fort

Besonders stark war der Rückgang in Großstädten mit 7,4 Prozent. Dabei werde insbesondere in den Städten zusätzlicher Wohnraum benötigt, sagte Tausendpfund. Die „bedenkliche Entwicklung“ setze sich in diesem Jahr fort: Bis Februar 2019 seien 3513 Wohnungen genehmigt worden, 296 weniger als 2018.

Die Immobilienwirtschaft kritisierte die Forderung von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach einem Mietendeckel. Demnach sollen auch private Vermieter die Miete nur um ein Prozent pro Jahr anheben dürfen. „Dadurch entsteht keine einzige neue Wohnung, im schlimmsten Fall verschwinden Wohnungen vom Markt, weil sich Vermieter zurückziehen“, monierte die AWI. Vielmehr seien die Bau- und Grundstückskosten zu hoch.

Nach Angaben des stellvertretenden AWI-Sprechers Gerald Lipka stiegen die Baukosten 2018 im Vergleich zu 2017 um 3,3 Prozent an. Dieser Anstieg setze sich in diesem Jahr fort. Man müsse daher „stärker als bisher über die Bereitstellung von Bauland durch die Kommunen sprechen“, sagte Lipka, der den Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen vertritt.

Eigenheime werden immer teurer

Derweil werden Eigenheime immer teurer. Das schilderte Thorsten Stock vom Verband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen Region Mitte (IVD). In Frankfurt sei etwa der Preis eines frei stehenden Eigenheims mit etwa 125 Quadratmetern Wohnfläche von durchschnittlich 620 000 auf 680 000 Euro gestiegen. Reihenhäuser hätten sich in der Mainmetropole von 440 000 auf 480 000 Euro verteuert. Aber auch in Offenbach (von 325 000 auf 350 000 Euro) und Hanau (von 250 000 auf 280 000 Euro) hätten die Preise für Reihenhäuser deutlich angezogen.

Die Immobilienwirtschaft forderte mehr finanzielle Hilfe für Wohnungsbesitzer beim Bau von E-Ladesäulen. Die Politik spreche viel über Ladesäulen, lasse aber Wohnungseigentümer allein, beklagte Werner Merkel vom Verband der Immobilienverwalter Hessen. (mit dpa)

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