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Weniger Gäste, mehr Kosten

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Sahin Karasu, seine Frau Pinar Karasu und Harun Aydin (von rechts) halten das „Auszeit Café Restaurant“ am Laufen. „Wir leben von Monat zu Monat.“ heidenreich
Sahin Karasu, seine Frau Pinar Karasu und Harun Aydin (von rechts) halten das „Auszeit Café Restaurant“ am Laufen. „Wir leben von Monat zu Monat.“ heidenreich © NATASCHA HEIDENREICH

Preise für Strom, Gas und Ware werden für Gastronomie zur Belastungsprobe

BAD HOMBURG - Beim Betreten des „Auszeit Cafés“ in der Louisenstraße strömt den Gästen Wärme entgegen: Wie gemütlich. Nun heißt es schnell die Türe schließen; die Heizungsluft ist teuer erkauft.

Schon im Herbst sich das hessische Gastgewerbe mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Die Energiekrise, die hohen Produktkosten und die Corona-Pandemie sind die drei Hauptgründe, die es den Gastronomen seit drei Jahren schwer machen.

Mittags sind die Tische hier und im Ristorante „Da Alfonso“ nebenan gut gefüllt. Aber der Schein trügt. „Auch mittags kommen deutlich weniger Kunden. Die Leute können sich das nicht mehr leisten, ständig essen zu gehen“, sagt „Auszeit“-Chef Sahin Karasu. So kämen Stammkunden, die ansonsten drei- oder viermal die Woche da gewesen wären, nur noch einmal.

GASPREISBREMSE

Wie wird die Gaspreisbremse in Bad Homburg umgesetzt? Sie tritt von März an rückwirkend für den Zeitraum ab Januar 2023 in Kraft. Der Preis und dementsprechend auch der Umfang der Ersparnis durch die Bremse hängen davon ab, welchen Tarif der Gewerbekunde nutzt. Bei Gastronomiebetrieben ist das in der Regel der Vivo Gas Medi Tarif, bei dem 80 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauches durch die Preisbremse auf 12 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gedeckelt werden. Die verbleibenden 20 Prozent werden zum Vertragspreis von 17,99 Cent/kWh abgerechnet.

Die Differenz zu den vom Gaspreisdeckel umfassten 80 Prozent des prognostizierten Jahresverbrauches bekommen die Stadtwerke vom Staat als Entlastungsbetrag erstattet. nhf

Manche Ware kostet 90 Prozent mehr

Um zu sparen, führen manche Restaurants zusätzliche Ruhetage ein oder streichen Gerichte von der Speisekarte. „Viele Möglichkeiten für Einsparungen kann ich leider gar nicht erkennen“, sagt Salih Islek, Geschäftsführer vom „Louisen-Cafe“. Ruhetage seien für ihn keine Lösung. „Unsere Gasherde müssen immer laufen. Die können wir nicht ständig ein- und ausschalten“, sagt Karasu. „Im Winter muss ab einer gewissen Uhrzeit das Licht an sein, und wenn ich nicht heize, vergraule ich meine Kunden“, ergänzt Islek. Karasu hat am Anfang des Winters probeweise die Heizung ausgelassen. „Schnell kamen die Beschwerden.“ Nach dem Aufessen gingen die Gäste oft schnell, das „gemütliche Beisammensitzen“ fällt im kühlen Restaurant oft aus. „Und ob sie wiederkommen, ist eine ganz andere Frage“, sagt Islek. Alfonso Penna vom „Da Alfonso“ hat zumindest dieses Problem nicht. Der Pizzaofen muss immer laufen. Nur so könnten die Temperaturen von bis zu 350 Grad erreicht werden, damit die Pizza schnell fertig ist.

Ein größeres Problem sei das, was der Luxus von schnell gebackener Pizza nun kostet. „Früher war der Strompreis nie über 3300 Euro, selbst in gut besuchten Zeiten“, berichtet Penna. Durchschnittlich habe der Preis bei 2800 Euro gelegen. „Jetzt ist er bei 6140 Euro.“

Das Gas sei auch teurer geworden. Von 900 Euro habe sich der Abschlag auf 1570 Euro erhöht. „Wir haben schon eine Warnung bekommen, dass eine große Nachzahlung auf uns zukommt.“ Für das Wasser komme die Abrechnung erst im Februar oder März. Dazu die Lebensmittelkosten. Penna gibt ein paar Beispiele: Ein Karton Butter kostete früher 38 Euro - jetzt 86 Euro.

Frische Ware koste Minimum 30 Prozent mehr als im Februar 2021, bei einzelnen Produkten, wie Seezungen, sogar 90 Prozent mehr. „Nach Covid ging es schon leicht hoch, aber das ist kein Vergleich zu jetzt.“ Die Preise überstiegen mittlerweile alles, was vor der Pandemie zu zahlen gewesen sei. So lagen die Jahresausgaben von Sahin Karasu früher bei etwa 60 000 Euro und seien mittlerweile auf etwa 90 000 Euro gestiegen. Die Hoffnung ist, dass sich die Lage beruhigt. So hat Alfonso Penna bereits einen Fragebogen von der Dehoga Hessen ausgefüllt, dessen Auswertung nach Berlin geschickt werden soll. Das Ministerium sollte eingreifen. Damit Hungrigen auch weiterhin hinter den Türen eines Restaurants gemütliche Wärme entgegenströmt und auf den Speisekarten bezahlbare Preise stehen.

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