Der Bund spricht von einem Rückgang bei der Zahl neuer Sozialwohnungen in Hessen, das Land sieht einen Anstieg.
+
Der Bund spricht von einem Rückgang bei der Zahl neuer Sozialwohnungen in Hessen, das Land sieht einen Anstieg.

Wohnen

Wenig sozialer Wohnungsbau in Hessen

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Der Bund spricht von einem Rückgang bei der Zahl neuer Sozialwohnungen in Hessen, das Land sieht einen Anstieg. Klar ist: Der Bestand an günstigem Wohnraum schrumpft stark.

In Hessen sind nach Zahlen des auch für Wohnungsbau zuständigen Bundesinnenministeriums im vergangenen Jahr 44 Prozent weniger neue Sozialwohnungen gefördert worden als im Jahr zuvor. Bundesweit sank die Zahl um 5,5 Prozent.

Die Linke im Landtag nennt die Zahlen erschreckend und spricht von einem neuerlichen Armutszeugnis für die schwarz-grüne Wohnungspolitik in Hessen. Dass sich Hessen unter den drei Bundesländern mit dem stärksten Rückgang befinde, sei angesichts des eklatanten Mangels an bezahlbarem Wohnraum in Hessens Städten ein „handfester Skandal“, sagt Jan Schalauske, der wohnungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion.

Das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen spricht auf Anfrage der Frankfurter Rundschau dagegen sogar von einem Anstieg der Zahl der angemeldeten Sozialwohnungen. In der Statistik des Bundesinnenministeriums hätten wohl Nachmeldungen für die Förderung neuer Sozialwohnungen gefehlt, heißt es dort. 2019 seien samt 419 Nachmeldungen genau 1497 Sozialwohnungen zur Förderung angemeldet worden, 59 mehr als im Jahr 2018. Unter diesen seien 2019 vier Wohnheimplätze für Studierende gewesen, im Jahr 2018 noch 509.

Al-Wazir sieht guten Trend

Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nennt es „wenig sinnvoll“, einzelne Jahre zu vergleichen. Im Wohnungsbau komme es auf den Trend an. Und der könne sich sehen lassen. In den vergangenen fünf Jahren habe das Land für 10 238 Sozialwohnungen Mittel bereitgestellt. Das sei eine enorme Steigerung im Vergleich zu den fünf Jahren zuvor, in denen nur 3195 Sozialwohnungen angemeldet wurden. Das Land stelle Rekordmittel bereit und passe die Bedingungen so an, dass es attraktiv sei, bezahlbare Wohnungen zu bauen.

Der Sozialwohnungsbestand ist in den vergangenen Jahren trotzdem geschrumpft, weil mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fielen als neue entstanden. Ende 2018 gab es, wie aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage der Linken im Landtag hervorging, gut 80 300 Sozialwohnungen in Hessen, rund 5170 weniger als ein Jahr zuvor. Anfang der 1990er Jahre gab es nach Zahlen der Wohnungswirtschaft etwa 200 000 Sozialwohnungen in Hessen.

Die Linke im Landtag erneuerte am Mittwoch ihre Forderung, in Hessen müssten 10 000 Sozialwohnungen pro Jahr entstehen. Auch die Wohnungswirtschaft warnte vor einigen Wochen vor einem weiteren Abschmelzen des Sozialwohnungsbestands. Sie forderte höhere Zuschüsse für den Bau von Sozialwohnungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare