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Sie war eine der Ersten: Alma Nieto (29) vor einem Graffito des Künstlers Justus Becker im Flur des Campus.
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Sie war eine der Ersten: Alma Nieto (29) vor einem Graffito des Künstlers Justus Becker im Flur des Campus.

Gegen den Pflegenotstand

Weltweite Fachkräfte für die Pflege

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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In Neu-Isenburg ist ein internationaler Ausbildungscampus eröffnet worden. Das Haus vereint erstmals Sprachschule, Fachausbildung und Wohnheim unter einem Dach.

Dieses Konzept gibt es bisher deutschlandweit noch nirgends: Am Donnerstag ist in Neu-Isenburg der erste Ausbildungscampus für internationale Pflegekräfte eröffnet worden. Das neu errichtete Haus an der Dorndorfstraße ist Pflegeschule, Sprachschule und Studierenden-Wohnheim zugleich. Zum 1. Oktober starten dort elf junge Menschen aus Costa Rica, Marokko, Nepal, Syrien und der Mongolei ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegekraft.

Neu-Isenburg: Ausbildungscampus basiert auf drei Säulen

Drei Stockwerke hat das Gebäude, das der Projektentwickler Isarkies Wohn- und Gewerbegrund aus Landshut auf dem Gelände der früheren Rundschau-Druckerei binnen zwölf Monaten für sechs Millionen Euro hochgezogen hat. Mit vier Schulungsräumen, Büro, Küche und Personalräumen ist es innen und außen nüchtern gehalten, die Einrichtung der insgesamt 28 Zimmer im ersten und zweiten Stock ist genauso spartanisch. Und doch sind die 440 Quadratmeter etwas Besonderes. Das Frankfurter Unternehmen TalentOrange hat die Räume gemietet, um dort dringend benötigte Krankenpfleger und -pflegerinnen aus fernen Ländern fürs deutsche Altenpflegeheim oder Krankenhaus auszubilden und zu qualifizieren. Im Haus wird zum einen Deutsch als Fremdsprache gelehrt, zum anderen die Fachsprache und zum dritten die Fachausbildung im Gesundheitswesen.

Der Weg zur Pflegefachkraft

1260 ausländische Kräfte hat das Unternehmen TalentOrange seit 2012 so erfolgreich weitergebildet, dass sie in Deutschland die Berufsanerkennung in der Pflege geschafft haben. Anfangs waren es nur wenige, inzwischen sind es rund 400 jährlich.

Erstmals absolvieren nun elf Schüler von fünf Kontinenten im neuen Ausbildungscampus in Neu-Isenburg von Grund auf eine Pflegeausbildung in Deutschland. Sie haben in ihren Heimatländern bereits einen Intensiv-Deutschkurs mit Abschluss Deutsch-B2-Zertifikat abgeschlossen.

Am 1. Oktober startet die dreijährige Ausbildung mit Theorie im Campus und Praxis im Sana-Klinikum in Offenbach. Sie wird nach Tarif bezahlt, das heißt, im ersten Jahr erhalten die Programmteilnehmer rund 1100 Euro pro Monat. ann

Im Vorjahr habe die Bundesagentur für Arbeit in der Pflege jeden Monat im Schnitt knapp 16 000 offene Stellen gemeldet, erklärte Tilman Frank, Gründer von TalentOrange, bei der Eröffnung des Hauses. Der Beruf des Krankenpflegers oder der Krankenpflegerin gehöre in Deutschland zu den Mangelberufen.

Praxis im Sana-Klinikum in Offenbach

„Die Gewinnung von ausländischen Fachkräften ist für uns zur wichtigen Säule geworden“, sagte Nils Dehe, Pflegedirektor im Sana-Klinikum Offenbach. Das Krankenhaus ist Kooperationspartner der Pflegeschule für die praktischen Teile der Ausbildung, Partner sind auch der firmeneigene ambulante Pflegedienst und die „Mission Leben“, der diakonische Träger von Altenheimen und einem Hospiz.

Seit 2012 rekrutiert TalentOrange Krankenpfleger:innen aus dem Ausland – und zwar meist aus solchen Ländern, in denen es über Bedarf Gesundheitspersonal gibt: Vietnam, Brasilien, Kolumbien, Thailand, Argentinien, Namibia, Mexiko, Costa Rica, Chile, Peru und Malaysia. „Wir fahren in die Länder und führen mit Pflegefachkräften Gespräche vor Ort“, sagte Frank. So erfährt das Unternehmen auch, ob sie sich vorstellen können, in einem fremden Land zu arbeiten. Ein Test zur Sprachlernfähigkeit ermittelt, ob sie das Talent haben, die deutsche Sprache schnell zu lernen. Im Rahmen des Talent-Orange-Programms erhalten sie dann ein Vollstipendium, das ihnen ermöglicht, sich zunächst in ihrem Herkunftsland in Vollzeit auf die Deutsch-Sprachprüfungen vorzubereiten. Nach erfolgreichem Abschluss wird das Visum für die Einreise nach Deutschland sowie die Arbeitsmarktzulassung besorgt. TalentOrange sieht sich nach einem Arbeitgeber um und hilft den ausländischen Fachkräften bei der Integration und bei der Anerkennungsprüfung.

Ehemalige Programmteilnehmer sind erfolgreich

Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Alma Nieto war eine der ersten Programmteilnehmerinnen. Die Spanierin kam vor acht Jahren nach Deutschland. „Damals konnte ich kein Wort Deutsch“, sagte sie am Donnerstag bei der Eröffnung des Ausbildungscampus und machte klar, dass es für sie die richtige Entscheidung war.

Die Spanierin Alma Nieto hat ihre Weiterbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegekraft bei TalentOrange erfolgreich abgeschlossen.
TalentOrange-Geschäftsführer Tilman Frank führte bei der Eröffnung durch die Zimmer.

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