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Im Haus der Geschichte wurde die Ausstellung eröffnet, ab dem heutigen Montag ist sie im Gewerkschaftshaus zu sehen.

Darmstadt

Die Revolution kam aus Griesheim

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Zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution haben der DGB Südhessen und die französische Gewerkschaft CGT Alsace eine gemeinsame Ausstellung erarbeitet.

Es waren ereignisreiche Stunden in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1918 in Darmstadt: Revolutionäre Soldaten und Arbeiter riefen die Republik aus und setzten Großherzog Ernst Ludwig ab. Wie überall im damaligen Deutschen Reich war es das Ende der Monarchie und der Beginn der ersten Republik, die heute als Weimarer Republik bekannt ist.

Zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution haben der DGB Südhessen und die französische Gewerkschaft CGT Alsace eine gemeinsame Ausstellung erarbeitet, bei der die Ereignisse in Darmstadt und im Elsass dargestellt werden. „Auch in Straßburg hatten Matrosen des Aufstandes aus Kiel zusammen mit Arbeitern gegen die Weiterführung des Krieges und für eine Republik gekämpft“, sagt Werner Krone, einer der Organisatoren der Ausstellung.

Ein knappes halbes Jahr hat das deutsch-französische Team für die Ausstellung recherchiert und diese vorbereitet. Eine mühselige Arbeit, denn gerade für Darmstadt ist zur Novemberrevolution in der wissenschaftlichen Literatur kaum etwas zu finden. Auch die Quellenlage in den Archiven ist spärlich. „Sicher ist vieles im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden, aber es ist auch bezeichnend, dass die Revolution selbst im Hessischen Volksfreund, dem Verkündigungsorgan der damaligen Sozialdemokratie nur mit wenigen Zeilen bedacht wurde“, sagt Gerd Lautner von der Technischen Universität.

Dennoch konnten alte Fotos, Plakate oder Augenzeugenberichte gesichtet oder gefunden werden. Etwa die Erinnerungen von Ludwig, dem damals zehnjährigen Sohn des Landgrafen. Der schrieb später in seinen Erinnerungen, dass er und sein Bruder in der Nacht von den Eltern geweckt und in ein benachbartes Haus in der Sandgasse gebracht wurden. Für die Kinder unverständlich, denn diese gingen von einem Fliegerangriff aus und fragten sich, was ein Umzug in die benachbarte Straße helfen solle.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag führte Lautner rund 100 Interessierte zu den Stätten der Revolution: Dem Marienplatz, wo einst eine Kaserne war oder zum Platz am Staatstheater, an dem einst das Neue Palais des Landgrafen stand. „Darmstädter waren aber gar nicht so viele zunächst an der Revolution beteiligt“, sagt Lautner.

Denn die von Kiel entsandten rebellierenden Soldaten reisten zur preußischen Kaserne nach Griesheim, wo Soldaten aus dem ganzen Reich stationiert waren. „Von Griesheim aus zogen die Revolutionäre nach Darmstadt“, sagt Lautner. Erst nach und nach seien auch Darmstädter zu den Revolutionären hinzugekommen, um das Ende der landgräflichen Herrschaft und den Beginn des Volksstaates Hessen auszurufen.

Trotz schwerer Quellenlage sei für die Ausstellung so viel Material zusammengetragen worden, dass nur ein Bruchteil öffentlich gemacht werden konnte, sagt Krone. „Aber keine Arbeit war vergeblich: Wir haben alles auch ins Internet gestellt.“

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