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Welt und Forum im Krisenmodus

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Krieg in der Ukraine, Säbelrasseln zwischen China und USA im Pazifik, Deutschland und die EU auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt - es gibt zahlreiche aktuelle Herausforderungen. Picture Alliance
Krieg in der Ukraine, Säbelrasseln zwischen China und USA im Pazifik, Deutschland und die EU auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt - es gibt zahlreiche aktuelle Herausforderungen. Picture Alliance © xx

Vortragsreihe rückt das Ringen der Systeme um globale Dominanz in den Fokus

KÖNIGSTEIN - Einst utopischer Gedanke, heute zunehmend reale Möglichkeit: die Welt beherrschen und im eigenen Sinne gestalten. China schickt sich schon seit längerem an, seinen Einfluss in Dominanz und Herrschaft umzuwandeln; das Reich der Mitte nutzt seine wirtschaftliche Stärke als Einfallstor. Russland strebt aus dem Geist des 18. Jahrhunderts verbunden mit stalinistischen Gewaltstrategien des 20. Jahrhunderts danach, den Großmachtstatus der untergegangenen Sowjetunion zumindest wiederherzustellen.

Vor allem das Regime in Peking forciert nach den Worten von Professor Volker Mosbrugger die Vorstellung von der Weltherrschaft einer Nation. „Lange, allzu lange und allzu sehr haben wir uns in Deutschland und Europa in Sicherheit gewiegt und solche Vorstellungen für erledigt gehalten“, pointiert der Vorsitzende des Beirats des Königsteiner Forums einen „uralten Fehler“, der wiederholt gemacht worden sei. Der nämlich, in ruhigen, stabilen Zeiten vorzusorgen für die stürmischen.

Welche politische und damit einhergehend gesellschaftliche Struktur wird die dominierende auf dem Globus? Dieser Frage widmen sich die elf Vorträge des Königsteiner Forums im kommenden Jahr. „Kampf um die Weltherrschaft - westliche Demokratien unter Druck“ hat der Beirat den Zyklus betitelt.

Zwingend logisch folgt dieses Jahresthema der Vortragsfolge des ablaufenden Jahres zur Nachhaltigkeit. „Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft standen im Zentrum, jetzt richten wir den Blick auf die Aspekte der Politik“, erläutert Mosbrugger die Grundgedanken des neuen Zyklus. „Wir beobachten, dass vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen gesichert geglaubte Strukturen auseinanderbrechen“, sagt der Paläontologe.

Fortschrittsglaube ad absurdum geführt

Wenn sich die westlichen Demokratien Veränderungsprozessen gegenübersähen, die sie lange nicht wahrnahmen oder wahrnehmen wollten, dann fußt das laut Mosbrugger auf einem über Jahrzehnte gepflegten Fortschrittsglauben, der von einer strukturellen Überlegenheit des Westens und des Kapitalismus ausgehe. „Das Grundversprechen des Kapitalismus lautete, es geht nur bergauf, mit der sozialen Marktwirtschaft ist so etwas wie das Paradies erreicht.“ Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine sei dieser bedingungslose Glaube an den Fortschritt ad absurdum geführt worden, unterstreicht er. Von der „Vorstellung, heute geht es besser als gestern und morgen besser als heute“, gelte es, sich zu verabschieden. „Es gibt auch einen Weg nach unten!“

Fortschritt also nur eine Illusion? Der Soziologe und Kulturwissenschaftler Andreas Reckwitz befasst sich während des zweiten Vortragsabends am 6. Februar mit diesem schillernden Begriff. Kriege werden längst nicht mehr ausschließlich körperlich auf den Schlachtfeldern ausgetragen. Sie spielen sich vielmehr ständig in den weltweit vernetzten virtuellen Räumen ab. Wie lässt sich Sicherheit für Politik, Wirtschaft und Bürger gewährleisten? Mit diesen Fragen hat sich Dr. Thomas Daum beschäftigt. Der Vizeadmiral der Bundesmarine zählt zu den ausgewiesenen Fachleuten auf diesem Gebiet. Er spricht am 3. April im Foyer der Frankfurter Volksbank. Weitere Referenten widmen sich den Themen China, Russland als imperiale Macht sowie der Rolle der USA in einer multipolaren Welt und der Zukunft Europas.

„Die Geschichte ist nicht zu Ende, wie in den 1990er Jahren vielfach gesagt, sie geht natürlich weiter“, unterstreicht Mosbrugger. Umso mehr gelte es, ein Wort des Staatstheoretikers und Philosophen Niccolò Machiavelli zu beherzigen, das gleichsam als Motto über den Vorträgen steht: „Es ist ein allgemeiner Fehler der Menschen, nicht in den Zeiten der Meeresstille mit dem Sturm zu rechnen.“

Termine und Programm im Internet unter www.koenigsteiner-forum.de

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