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Joy Wellboy treten in Frankfurt auf

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Von: Arne Löffel

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Bewegen sich gern in düsterem Klangraum: Wim Janssen und Joy Adegoke.
Bewegen sich gern in düsterem Klangraum: Wim Janssen und Joy Adegoke. © Piet Truhlar

Die Belgier Joy Adegoke und Wim Janssen, seit acht Jahren ein Paar, nehmen nach zwei englischen Alben eine Platte mit französischen Songtexten auf. Sie stellen sie im Frankfurter Mousonturm vor.

Das belgische Musiker-Paar Joy Wellboy, bestehend aus Joy Adegoke und Wim Janssen, wird gern mit Serge Gainsbourg verglichen. Das liegt vor allem an der sonoren Stimme von Wim Janssen, aber auch dem düsteren und meist melancholischen Klangraum, in dem sich das Projekt bewegt. Seit Freitag präsentiert das Paar sein drittes Album auf einer Tournee, die Joy Wellboy auch in den Mousonturm führt.

Den Vergleich mit Serge Gainsbourg findet Joy Adegoke ziemlich charmant, wie sie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau bestätigt. Zumal sie auf ihrem aktuellen Album ausschließlich auf Französisch singen. „Es war mir wichtig, nach drei englischen Alben etwas in einer Sprache zu machen, die mir viel näher ist, in der wir uns viel natürlicher ausdrücken können“, erklärt Adegoke. Sie sieht das französische Album als ein Statement, als ein Zugeständnis an die Poesie, selbst, wenn es so für die breite Masse vielleicht weniger zugänglich sein sollte. „Ich bin auf der Bühne ganz anders, wenn ich auf Französisch singe. Ich fühle mich sicherer, mir selbst mehr verbunden.“

Außerdem klingen die meisten Worte irgendwie charmanter, „weniger hart“, wie sie sagt. Das belegt allein schon der Albumtitel „Les Pieds Dans La Merde La Tête Dans Les Etoiles“. Übersetz heißt das „Die Füße in der Scheiße, der Kopf in den Sternen.“ Auf Französisch flucht es sich einfach schöner.

Und geflucht wird bei Joy Wellboy auch ab und an, meist aus gutem Grund: Die Texte drehen sich um das Leben von Joy und Wim, die seit acht Jahren ein Paar sind. „Ich habe als Lehrerin gearbeitet und auch ein Kinderbuch geschrieben, ein Musical komponiert. Dann habe ich Wim kennengelernt, ich habe alles hingeschmissen und wir sind zusammen nach Amerika durchgebrannt“, erinnert sich die junge Frau, die mit ihrem Partner derzeit in Berlin zarte Wurzeln geschlagen hat. In den USA produzierte das Paar einige Monate lang Musik für Kurzfilme. „Da war mir klar, dass das von nun an unser gemeinsames Leben sein sollte, dass wir gemeinsam Musik machen müssen. Etwas anderes war gar nicht mehr möglich für uns.“ Sie versuche nun mal, stets ihrem Herzen zu folgen, auch wenn das mal was anderes als der Kopf verlange.

Die gemeinsame Energie ist mehr als offensichtlich. Auf der Bühne bilden Joy und Wim eine kongeniale Verbindung. Da sie beide Multiinstrumentalisten sind, kreieren sie eine Klangwelt aus geloopten Live-Instrumenten. „Da stehen Bass, Gitarre, Drums, Synthies und vieles mehr, was wir live einspielen und dann loopen. Stück für Stück baut sich so der Song auf.“ So entstehen komplexe Klanggebilde, das Duo spielt mit experimentellen Beat-Arrangements, greift tief in den eklektischen Genre-Top zwischen R’n’B, Trip-Hop, New-Wave und Pop und lässt so wundervolle, erfrischende Songs erwachsen. Davon konnten sich bereits Konzertbesucher von Alt-J oder Mocheeba überzeugen, die Joy Wellboy als Vorband genießen durften.

Als Paar auf der Bühne zu stehen, findet Joy Adegoke nicht besonders schwer. Natürlich gebe es auch Tage, an denen das Privatleben Einfluss auf die persönliche Stimmung hat. „Aber da muss ich dann Profi sein. Wenn ich über Selbstmord singe, will ich mich ja auch nicht umbringen. Genauso ist das mit extrem positiven Songs. Performer, egal ob Sänger oder Schauspieler, müssen das können.“ Meist sei es dann sogar so, dass die Musik und die Performance auf der Bühne ihr dabei helfe, die negativen Gefühle zu überwinden. „Ich kann auch nur jedem raten, der sich schlecht fühlt, mit dem Schreiben anzufangen. Egal ob Songs oder Texte oder was auch immer. Das hat eine sehr heilsame Wirkung auf die Seele“, sagt sie.

Wer sich nun sorgt, aufgrund mangelhafter Französischkenntnisse beim Konzert nichts zu verstehen, der kann beruhigt werden: Zumindest ist die Hälfte verständlich. „Wir spielen nicht nur das aktuelle Album, sondern bestimmt auch die Hälfte der Zeit die Stücke der Vorgängeralben.“ Und die sind, wie das grandiose „Wedding“-Album, ja auf Englisch. Wenn auch mit dem ewig charmanten, französischen Akzent.

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