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Weiterer Tatverdacht im Fall Ayleen

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Die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim ist tot im Teufelsee gefunden worden. Frank Rumpenhorst/dpa
Die 14-jährige Ayleen aus Gottenheim ist tot im Teufelsee gefunden worden. Frank Rumpenhorst/dpa © dpa

Mutmaßlicher Mörder soll 17-Jährige in der Wetterau belästigt haben.

Der im Zusammenhang mit dem Tod der 14-jährigen Ayleen festgenommene 29-Jährige soll bereits im Frühjahr eine Wetterauer Schülerin belästigt haben. Die Staatsanwaltschaft Gießen bestätigte, dass eine Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der versuchten Nötigung vorgelegen habe.

Auf dem Rosbacher Blütenfest im April war der 29-Jährige einem Bericht der FAZ zufolge am Fahrgeschäft „New Yorker“ als Hilfsarbeiter tätig. Dort soll er eine 17-jährige Schülerin angesprochen haben, die er in Folge über einen Messenger-Dienst zu einer Beziehung genötigt haben soll. Zudem soll er sie in den folgenden Tagen mehrfach auf einem Schulhof in Bad Nauheim aufgesucht und belästigt haben.

Die seit 21. Juli vermisste Ayleen aus dem Freiburger Raum war am vergangenen Freitag tot im Teufelsee bei Weckesheim treibend gefunden worden. In diesem Zusammenhang wurde der 29-Jährige aus Waldsolms (Lahn-Dill-Kreis) unter dringendem Tatverdacht in U-Haft genommen.

Im Fall der 17-Jährigen konnte die Polizei in Friedberg gestern bestätigen, dass am 2. Mai 2022 eine Anzeige wegen Nötigung bei ihr eingegangen sei. Tatzeit sei der 28. April gewesen, erklärte Pressesprecher Tobias Kremp. „Danach sind alle polizeilichen Maßnahmen eingeleitet worden.“ So gab es eine Gefährderansprache. Dabei handele es sich um eine gezielte Kontaktaufnahme, um dem Beschuldigten zu signalisieren, dass gegen ihn eine Anzeige vorliege.

Den Vorladungen zu einer Vernehmung sei der mutmaßliche Mörder aber nicht nachgekommen. Am 2. August hat die Friedberger Polizei diesen Fall deshalb an die Staatsanwaltschaft Gießen weiter geleitet.

Der Lebenslauf des 29-Jährigen war den Kriminalbeamten in Friedberg bekannt. Wie Andreas Röhrig, Präsident des Landeskriminalamts Hessen, nach dem Mordfall verkündet hatte, habe der Mann 2007 im Alter von 14 Jahren versucht, eine Elfjährige zu vergewaltigen. Anschließend sei er für zehn Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht und 2017 daraus entlassen worden.

Danach habe er fünf Jahre unter Führungsaufsicht in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter gestanden. Dieses lief Ende Januar 2022 aus. Zum Tatzeitpunkt stand der Beschuldigte also nicht mehr unter Führungsaufsicht.

Das Amtsgericht Wetzlar hatte eigentlich im Januar 2020 die Aufsicht auf unbefristete Zeit verlängert, teilte am Donnerstag das Landgericht Limburg mit. Dagegen habe der Mann Beschwerde eingelegt. Mit Erfolg, das Landgericht änderte die erste amtsgerichtliche Entscheidung, verlängerte die Dauer der Aufsicht von drei auf fünf Jahre.

„Die sehr strengen Anforderungen an eine unbefristete – also auf lebenslange Dauer angelegte – Führungsaufsicht wurden zum damaligen Zeitpunkt der Entscheidung nicht als gegeben angenommen, die Führungsaufsicht wurde aber auch nicht beendet“, erläuterte der Gerichtssprecher.

Die zuständige Kammer habe zunächst als milderes Mittel eine Verlängerung auf die Höchstfrist von fünf Jahren ausgesprochen, da der Mann weiter unter Führungsaufsicht stehen sollte. Allerdings habe dafür das Verhalten des jetzt Tatverdächtigen keinen Anlass gegeben. Dieser sei in der Zeit der Aufsicht zwar mit Eigentumsdelikten – Diebstahl – und Verkehrsdelikten aufgefallen, nicht aber mit Sexualdelikten.

In verschiedenen Medien wird nun der Vorwurf laut, dass die Anzeige der Nötigung in Friedberg zu langsam bearbeitet worden sei. „War die Polizei zu lasch?“, titelt gar die „Bild“.

Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger aus Gießen ließ im am Donnerstag nur verlauten, dass erst seit Dienstagnachmittag diese Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der versuchten Nötigung vorliege. Zudem sei noch ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen drei Ladendiebstählen am Laufen. Unter anderem handele es sich beim Diebesgut um Kaffee. Weitere Auskünfte könne man derzeit auch mit Blick auf die Ermittlungen im Fall Ayleen nicht geben, sagte Hauburger.

Der mutmaßliche Mörder hatte die 14-jährige Ayleen im Internet kontaktiert. Laut der Staatsanwaltschaft in Freiburg kannte er sie aus wochenlangen Chats in den sozialen Netzwerken und dem Online-Spiel Fortnite, das auch über eine Chat-Funktion verfügt. Die Behörden werten gerade große Mengen an Datenmaterial bezüglich der Kommunikation aus. Ende vergangener Woche hatte die Polizei die Leiche im Teufelsee bei Weckesheim gefunden. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung des Verdächtigen wurden Gegenstände aus dem Besitz von Ayleen gefunden. Alle Vorwürfe hat er bis dato bestritten.

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