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Weitere Anklagen gegen Ex-Coach

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Von: Stefan Behr

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Die hessische Polizei geht gegen Kindesmissbrauch vor (Symbolbild). Foto: Stock Exchange
Sven B. soll etliche Kinder missbraucht haben.(Symbolbild). © Stock Exchange

Der Missbrauchs-Skandal um einen ehemaligen Fußballtrainer des Fußball-Drittligisten SV Wehen Wiesbaden weitet sich aus.

Der Skandal um den ehemaligen Jugendtrainer des Fußball-Drittligisten SV Wehen Wiesbaden nimmt immer größere Ausmaße an. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat gegen den 35 Jahre alten Sven B. drei weitere Anklagen bei der Jugendkammer des Landgerichts erhoben.

Der Angeschuldigte befindet sich seit Dezember vergangenen Jahres wegen eines anderen Verfahrens in Untersuchungshaft, wegen dessen er bereits im Mai angeklagt worden war – unter anderem wegen des Verdachts der Vergewaltigung Jugendlicher und des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Er ist auch wegen der Herstellung von Kinderpornografie angeklagt: Er hatte manche seiner Taten als Videos aufgenommen, die die Ermittler:innen auf seinem Handy gefunden hatten.

In einem der nun angeklagten Verfahren wird ihm weiter zur Last gelegt, in insgesamt acht Fällen einen Minderjährigen vergewaltigt beziehungsweise sexuell missbraucht zu haben. Er soll von Januar 2014 bis Februar 2015 wiederholt sexuelle Handlungen an dem damals 15- beziehungsweise 16-jährigen Jungen vorgenommen haben, dessen Fußballtrainer er seinerzeit war. In sechs dieser Fälle soll er zusätzlich Gewalt angewendet haben, indem er den Jungen festhielt und auf ein Bett drückte, um ihn zur Duldung der sexuellen Übergriffe zu zwingen. Die Taten sollen zum Teil in der Wohnung des Angeschuldigten im Main-Taunus-Kreis, zum Teil während gemeinsamer Urlaube in Spanien und Österreich erfolgt sein.

In einem weiteren Verfahren werden ihm Vergewaltigung in zwei Fällen und drei weitere Übergriffe an Minderjährigen vorgeworfen. Er soll in 2018 und 2019 einen damals 14- beziehungsweise 15-jährigen Jungen, der ihm durch seine Trainertätigkeit bekannt war, durch Vortäuschen einer Bedrohungslage in seine Wohnung gelockt haben. Dort soll er ihn zunächst zum Konsum erheblicher Mengen Alkohol und bei weiteren Besuchen in den Folgewochen auch dazu gezwungen haben, sexuelle Handlungen an dem Angeschuldigten vorzunehmen und an sich selbst zu dulden. Zudem besteht der Verdacht, dass der Angeschuldigte am 16. Oktober 2021 auch den 15 Jahre alten Bruder des Opfers mit anonymen Drohnachrichten kontaktiert, sich selber als Vertrauensperson und Helfer angeboten und den Jugendlichen sodann in seiner Wohnung bis zur Besinnungslosigkeit mit Alkohol abgefüllt hat.

Laut der dritten gesonderten Anklage ist der Angeschuldigte auch der 50-fachen Vergewaltigung eines weiteren Jugendlichen verdächtig, größtenteils in Tateinheit mit Körperverletzung. Er soll ab April 2016 den damals 16-Jährigen über einen Zeitraum von etwa drei Jahren manipuliert, isoliert und verängstigt haben, indem er ihm unter einem Pseudonym regelmäßig Nachrichten mit Drohungen und Forderungen schickte. Gleichzeitig soll der Angeschuldigte in der Rolle des besorgten und hilfsbereiten Trainers an den Jungen herangetreten sein und mit ihm in der Folgezeit regelmäßig sexuell verkehrt haben, wozu sich der Geschädigte aufgrund der zuvor geschaffenen Drohkulisse durch den vermeintlich Unbekannten gezwungen gesehen haben soll. Auch diese Taten sollen sich vom Frühsommer 2016 bis März 2019 in der damaligen Wohnung des Trainers abgespielt haben.

Die Staatsanwaltschaft hat bei der Jugendkammer angeregt, sämtliche Verfahren gegen den Angeschuldigten in einer gemeinsamen Verhandlung zu verbinden. Dass da noch etwas hinzukommen könnte, scheint nicht ausgeschlossen. Vor seiner Tätigkeit bei Wehen Wiesbaden hatte der Mann mehrere andere Jugendmannschaften im Rhein-Main-Gebiet trainiert. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

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