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Wasser für den Garten, die Wäsche, die Badewanne: Bis das Trinkwasser beim Verbraucher ankommt, hat es meist schon einen weiten Weg hinter sich. Und das kostet.

Ein weiter Weg macht das Wasser teuer

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Preise in der Region differieren stark / Nidderauer Stadtteile liegen verstreut, Wiesbaden braucht 22 PumpwerkeWie viel eine Familie für Wasser und Abwasser zahlen muss, hängt vor allem davon ab, wie weit die Wege sind, die das Wasser von der Quelle zur Badewanne und weiter in die Kläranlage nehmen muss.

Frankfurt · 21. Juli · Sein Wasser kann man sich nicht aussuchen. Da muss man nehmen, was aus dem Wasserhahn kommt. Und zahlen, was der örtliche Lieferant verlangt. Die vier Mustermanns zahlen in Frankfurt monatlich 43,70 Euro dafür, dass sie jährlich 240 Kubikmeter aus den Leitungen zapfen. In Wiesbaden müssten sie für die gleiche Menge 52,50 Euro zahlen. Besonders günstig ist das Wasser in Bad Camberg. Denn: Bis das Wasser in die Badewanne oder Waschmaschine fließt, hat es einen mehr oder minder weiten Weg hinter sich. Es muss aus dem Boden gepumpt oder aufwendig aus Rhein- und Mainwasser gewonnen werden. Dann läuft das Wasser durch Filter, die Eisen und Mangan entfernen, schließlich wird es mit Aktivkohle von organischen Bestandteilen gereinigt. Derart veredelt strömt das Wasser den Haushalten zu. Auf dem Weg dorthin wird es wieder gepumpt, in Hochbehältern zwischengelagert und schließlich in die Hausverteiler eingespeist. 80 Prozent der Kosten, die nachher den Wasserpreis ausmachen, entstehen durch den Aufwand für die Rohrnetze und die Förderanlagen, sagt Hubert Schreiber von Hessenwasser, einem der größten Wasserlieferanten in Deutschland. Der Rest des Wasserpreises geht für Strom und Personal drauf.

Bad Camberg nun sitzt quasi auf seiner eigenen Quelle. Aus der Emsbach-aue kommt das Wasser, das die 15 000 Bad Camberger nutzen. Dazu braucht es, sagt Stadtwerke-Betriebsleiter Jürgen Gottschall, nur wenig Personal, ein kleines Wasserwerk und ein kleines Verteilernetz. Ganz anders in Wiesbaden. Dort sind 22 Pumpwerke und 24 Hochbehälter nötig, um das klare Nass zu den Verbrauchern zu befördern, sagt Roland Krämer, Sprecher der ESWE-Versorgungsbetriebe - bis zu 500 Meter Höhenunterschied sind dabei im Stadtgebiet zu überwinden. In Frankfurt liegen zwischen dem höchsten und niedrigsten Punkt gerade einmal 100 Meter.

Was für Wasser gilt, gilt sinngemäß für das Abwasser: Je größer der Aufwand, desto höher die Kosten. "In größeren Städten ist der Unterhalt günstiger, weil da auf einen Meter Kanal einfach mehr Menschen kommen, die Gebühren zahlen", sagt Monika Rölling (Grüne), Erste Stadträtin von Nidderau. Die Stadt am Rande des Ballungsraums Rhein-Main ist in den vergangenen Jahren zwar kräftig gewachsen, doch die Stadtteile liegen teils weit auseinander. So besitzt Erbstadt eine eigene kleine Anlage, obwohl gerade erst vor zwei Jahren die zentrale Kläranlage in Windecken für neun Millionen Euro grundsaniert wurde - was letztlich über die Abwassergebühr von allen bezahlt werden muss. 63,40 Euro müssten Mustermanns dort monatlich zahlen, fast doppelt so viel wie in Frankfurt. Nidderau wird, wie viele andere Städte und Gemeinden es bereits getan haben, im nächsten Jahr eine Regenwassergebühr einführen. Je Quadratmeter versiegelter Fläche muss dann jährlich ein fixer Betrag gezahlt werden. Der liegt so zwischen 60 und 75 Cent. Für eine Mietwohnung im Mehrfamilienhaus, wie die der Mustermanns, macht das in etwa einen Aufschlag von zehn Euro im Jahr aus. Zur Kasse gebeten werden durch das Splitting vor allem große Einkaufsmärkte mit ihren riesigen Dächern, die gewaltige Regenmengen in den Kanal leiten - und dafür bisher meist überhaupt nichts zahlen mussten.

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