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Allein bei Vik auf Island.

Ausstellung in Frankfurt

Weite Horizonte im Parkhaus

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In Alt-Sachsenhausen ist eine Galerie an einem außergewöhnlichen Ort entstanden. Dort entfalten die Motive des Fotografen Holger Menzel einen besonderen Reiz.

Parkhäuser sind Durchgangsorte. Menschen fahren hinein, um ihr Fortbewegungsmittel abzustellen und irgendwann wieder abzuholen. In einem Frankfurter Parkhaus, nicht weit vom Vergnügungsviertel Alt-Sachsenhausen entfernt, ist ein Ort entstanden, an dem es sich länger verweilen lässt. Das WK-16 ist eine Galerie und Bar und öffnet zwei Mal in der Woche seine Türen. Ein Kunstraum im Parkhaus – wie kam es dazu? Betreiber Eric Kerschbaumer ist selbstständig mit einem Maschinenbauunternehmen in Dreieich und ist kunstinteressiert, aber über die Gründung einer Galerie hatte er bis dato noch nicht nachgedacht.

Wie so oft spielte der Zufall eine Rolle bei der Gründung von WK-16. Kerschbaumer wohnt in Sachsenhausen. Sein Weg führt ihn gelegentlich an dem Parkhaus in der Walter-Kolb-Straße vorbei. Dort gibt es auch einige Läden. In einem war ein Paketshop, der irgendwann auszog.

Kerschbaumer sah den leeren Raum, der ihn nicht mehr los ließ. „Eines Nachts bin ich aufgewacht und hatte die Idee, in diesem Raum einen Ausstellungsraum mit Bar zu machen.“ Menschen sollten sich dort treffen, über Kunst sprechen und DJs Musik machen – das war seine Vorstellung.

Während andere Leute weiter träumen, ging es Kerschbaumer ganz pragmatisch an. Er nahm Kontakt zur Vermieterin, der Stadt Frankfurt, auf und bekam prompt einen Mietvertrag. Ein befreundeter Architekt konzipierte die Einrichtung für den 70 Quadratmeter großen Raum, zog eine Wand ein und baute eine lange Bank, die sich im Kunstraum erstreckt.

Nun fehlte noch die Kunst. Kerschbaumer fragte zwei befreundete Fotografen, ob sie ihre Werke ausstellen wollen. Sie wollten. Dann ging alles ganz schnell. Hochschulabsolventen klopften an und fragten, ob sie ihre Kunst ausstellen könnten, andere Künstler wurden auf den Raum aufmerksam. Wichtig sei ihm, Leuten eine Plattform zu geben, die nicht schon ihre Arbeiten an drei anderen Orten in Frankfurt gezeigt haben. „Es gibt da so einen Wanderzirkus.“

Er möchte alle Kunstrichtungen zeigen, offen bleiben und geht da meistens nach seinem Bauchgefühl. So wie bei Georg Joachim Schmitt. Er war als Besucher im WK-16 und hatte sich Kerschbaumer vorgestellt. Schmitt hatte in einer Auffahrt in einem Wiesbadener Parkhaus Fotos von einer längst abgerissenen Einkaufspassage gesehen, die dort noch als stumme Zeugen hängen: eine unsichtbare Parkhaus-Galerie. Schmitt fotografierte die Fotos, an denen der Zahn der Zeit genagt hat und die seit 40 Jahren an ihrem Ort hängen, und zeigte sie im November des vergangenen Jahres in Kerschbaumers Galerie. Parkhaus-Kunst im Parkhaus-Kunstraum.

Momentan sind im WK-16 Arbeiten des Frankfurter Fotografen Holger Menzel zu sehen: Landschaften, die er in Norwegen und Island fotografiert hat. Die Aufnahmen spielen mit dem Verhältnis zwischen beeindruckender Natur und Ahnungen von menschlicher Zivilisation. Es sind Spuren des Menschen. Und deshalb lautet der Titel der Schau „Traces“.

Alle im WK-16 gezeigten Werke stehen zum Verkauf. Er mache allerdings keine Galerieverträge. Die Künstler, die überwiegend aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen, zahlten eine Provision. Für ihn gebe es keinen kommerziellen Druck. „Ich bin froh, wenn das hier auf Null ausgeht.“ Das WK-16 ist dieses Jahr schon fast ausgebucht. Auch wenn er sich nun einige Nächte um die Ohren schlagen muss, fühlt sich Eric Kerschbaumer in seinem zweiten Beruf pudelwohl. „Ich kann mir vorstellen, das noch viele Jahre zu machen. Es ist ein Parallelleben.“

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