+
Demonstration gegen rechte Gewalt

Regierungspräsident

Weiße Rosen für Lübcke

Es gibt eine Demo in Kassel gegen rechts und eine Mahnwache im Geburtsort des ermordeten Politikers.

ehr als 2000 Menschen haben sich am Samstag in Kassel und Wolfhagen zum Gedenken an den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke versammelt. In Kassel folgten nach Polizeiangaben rund 2000 Demonstranten dem Aufruf eines breiten Bündnisses von mehr als 60 lokalen Organisationen gegen rechtsextreme Gewalt. Darunter waren SPD, Grüne und Linkspartei sowie Gewerkschaften und auch das Staatstheater.

Während der Auftaktkundgebung erinnerte ein Sprecher der Bewegung Seebrücke an das Engagements Lübckes für Flüchtlinge. Auf der Brücke über die Fulda seien zum Gedenken an Lübcke weiße Rosen in den Fluss geworfen worden, sagte Peter Carqueville vom Vorstand der SPD Kassel.

„Schon wieder ist es Kassel“, heißt es in dem Aufruf mit Blick auf das letzte Mordopfer der rechtsextremen Terrorgruppe NSU – Halit Yozgat wurde 2006 in Kassel erschossen. Das Bündnis forderte Verbot und Auflösung der Neonazigruppe Combat 18, die in Medienberichten mit dem tatverdächtigen Stephan E. in Verbindung gebracht wird. Der 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, weil er verdächtigt wird, Lübcke am 2. Juni erschossen zu haben.

In Wolfhagen, dem Wohnort Lübckes, nahmen am Samstag mehrere Hundert Menschen an einer Mahnwache teil. Es seien weit mehr Menschen gekommen als erwartet, sagte der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises, Gernot Gerlach. Zu der Mahnwache hatten der Kirchenkreis Wolfhagen und die Stadt aufgerufen.

Unterschätzte Gefahr

„Er ist als Christ ermordet worden“, sagte der Geistliche, der Lübcke seit den 1990er Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder begegnet war. „Diesen Politiker zeichnet aus, dass er sich mit einer klaren Haltung des christlichen Glaubens politisch eingebracht hat.“

Während der Mahnwache, bei der auch Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) sprach, entzündete Dekan Gerlach drei Kerzen – darunter eine „für alle Anwesenden, die dem Zerstörungswahn der Rechtsextremisten widerstehen und sagen: Halt, stopp!“.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief angesichts des Mordes an Lübcke zum gesellschaftlichen Widerstand gegen Hass und Hetze auf. „Wenn heute die Repräsentanten unserer Demokratie, allen voran die Ehrenamtlichen, wenn Bürgermeister und Kommunalpolitiker beschimpft, bedroht und tätlich angegriffen werden – dann ist unsere Demokratie in Gefahr“, sagte er am Sonntag bei einem Empfang zum 100-jährigen Jubiläum des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel. Man müsse zusammenstehen und denen den Rücken stärken, die sich für das Land engagierten.

Dabei sprach Steinmeier ausdrücklich den Fall des ermordeten Regierungspräsidenten an. „Es muss uns beschämen und darf uns auch nicht ruhen lassen, dass wir Walter Lübcke nicht schützen konnten“, sagte er.

Man dürfe die Gefahr eines Terrorismus von rechts niemals wieder unterschätzen. „Eine Gefahr ist aber nicht nur der rechtsextreme Gewalttäter, der den Finger am Abzug hat, sondern eine Gefahr ist ein Klima oder sind Netzwerke, in denen sich Menschen zu solchen Taten legitimiert oder gar ermutigt fühlen.“ (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare